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Nantesbucher Dorffest: Kirchenzug der Trachtenvereine.

Dorffest trifft Stadtfest - so feierte Nantesbuch mit „Mutter Penzberg“

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In Nantesbuch, ein paar Kilometer nördlich von Penzberg, gingen am Mittwoch und Donnerstag die Feiern zum 100-Jährigen der Stadt weiter. Beim Dorffest wurden auch der Jahrtag der Penzberger Trachtenvereine und das Patrozinium der Nantesbucher Kirche gefeiert – die gar nicht zu Penzberg gehört.

Penzberg – Politisch gehört Nantesbuch zu Penzberg, kirchlich ist es aber ein Teil der Iffeldorfer Pfarrei St. Vitus. Deshalb stand am Donnerstag in der Früh auch der Iffeldorfer Pfarrei Gabriel Haf am Altar der Nantesbucher Kirche „Maria Himmelfahrt“. Durch die Doppelzugehörigkeit sei man in einer glücklichen Lage, sagte Haf. Müsse an der Kirche etwas renoviert werden, könne man in Penzberg und Iffeldorf betteln.

Dorffest in Nantesbuch: Penzberger Trachtenvereine feiern Jahrtag

Pfarrer Haf hielt eingangs der Messe eine Landkarte aus dem Jahr 1655 hoch. Darauf sei zum Beispiel Haselberg, Nantesbuch und St. Johannisrain zu finden, aber nicht Penzberg oder Poennensperch, so der alte Name. Es muss wohl ein unbekannter Weiler gewesen sein, so Haf. Mittlerweile aber „ist uns die kleine Schwester über den Kopf gewachsen und sogar unsere Mutter geworden“, fügte er an. Man fühle sich jedoch gut aufgehoben und nehme gern an den Feiern zum 100-Jährigen der Stadt teil.

Kirche in Nantesbuch.

Vor der Messe waren Penzbergs Trachtenvereine Birknstoana und Loisachtaler Maxkron – als jüngster Teilnehmer der zweijährige Alexander auf dem Arm der Mama – die 700 Meter von Oberhof nach Nantesbuch gezogen, vorneweg die Stadt- und Bergknappenkapelle. Auf halber Strecke legten sie später an der Wegkapelle einen Sonnenblumenkranz zum Gedenken an die Verstorbenen nieder. Gefeiert wurde bei der Zimmerei Lenk, verköstigt von „Hoisl Bräu“ und „Märznhof“, mit Musik von Stadt- und Bergknappenkapelle und „Gaudibox“.

Am Mittwochabend hatten in Nantesbuch rund 100 Besucher einem Vortrag von Johannes Bauer gelauscht. Unterhaltsam präsentierte der stellvertretende Penzberger Bürgermeister, der selbst am Zisthof lebt, die Geschichte von Dorf und Schule – und persönliche Erinnerungen.

Dorffest in Nantesbuch: Geschichten von der Schule und kranken Schweinen

Anfangs hatte ein Landwirt in Nantesbuch die Kinder sonntags nach dem Gottesdienst im Lesen und Schreiben unterrichtet. Nach der Säkularisation wollten die Nantesbucher die Bildung zur Institution machen und bauten 1805 eine Schule. Ein Geistlicher, der sich in dem kleinen Dorf versteckt hielt, wurde Lehrer. Zusätzlich zum normalen Unterricht in der einklassigen Schule gab es sonntags noch „Christenlehre“. Die Männer Gottes passten sich aber offensichtlich auch dem Zeitgeist an. So ist in den Annalen zu lesen, dass während des ersten Weltkriegs „Hurra, wenn ich nur jetzt in einem U-Boot wäre“ als Aufsatzthema gestellt wurde. „Aus heutiger Sicht makaber“ sagt Bauer. Bis 1941 blieb es bei den Geistlichen. Dann setzten die Nazis auf weltliche Lehrer. Und es kam die erste Lehrerin nach Nantesbuch.

Johannes Bauers Vater hatte damals die Ehre, die Lehrerin von Bahnhof in Penzberg abzuholen – weil er einen Bulldog hatte. Er montierte ein rotes Sofa auf den Anhänger und holte die Dame ab. Und nachdem er nicht nur an der Bildung, sondern auch an der Lehrerin Gefallen fand, suchte er den Kontakt zu ihr, was einfach über das in der Schule installierte Dorftelefon möglich war. Sehr häufig kam er in die Schule, um mit einem – fiktiven – Tierarzt zu telefonieren, bei dem er sich Rat bezüglich der angeblichen Malaisen seiner Schweine holte. Als er es schließlich wagte, die Lehrerin zu fragen, ob sie sich vorstellen könne, auf einem Bauernhof zu leben, sagt sie „Ja – aber nicht auf so einem, auf dem so viel Unglück passiert.“ Irgendwie habe es dann aber doch geklappt, so Bauer, der lebende Beweis dafür, in seiner heiteren Geschichtsdoppelstunde.

Text/Mitarbeit: Alfred Schubert

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