Im Bereich des bestehenden Edeka-Markts und seines Parkplatzes soll das neue Wohnviertel entstehen.
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Im Bereich des bestehenden Edeka-Markts und seines Parkplatzes soll das neue Wohnviertel entstehen.

Bauprojekt mit 385 Wohnungen in Penzberg

Neues Wohnviertel auf dem Edeka-Areal: Bergamt warnt vor Schächten aus der Bergwerkszeit

  • VonWolfgang Schörner
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Den Plänen für das neue Wohnviertel mit 385 Wohnungen auf dem Edeka-Gelände droht Ungemach. Das Bergamt Südbayern warnt davor, dass sich im Untergrund sechs Schächte aus Bergwerkszeiten befinden. Sie dürften nicht überbaut werden. Projektentwickler Herbert Küblböck geht trotzdem nicht davon aus, dass das Wohnbauprojekt gefährdet ist.

Penzberg – Das Bergamt Südbayern hatte sich im Rahmen des derzeit laufenden Bebauungsplanverfahrens für das Edeka-Gelände an der Grube zu Wort gemeldet. Es teilte mit, dass sich im Plangebiet sechs Schächte befinden, die nicht überbaut werden dürften und zu denen ein Mindestabstand von 15 Metern eingehalten werden müsse. Der Zustand der seit Jahrzehnten still gelegten Schächte sei unbekannt, schreibt das Bergamt. Mit Ausnahme des Henleschachts, heißt es weiter, handle es sich um Schrägschächte, die sich zum Teil unter die geplante Wohnbebauung erstrecken. Das Bergamt erklärte zudem, dass die Beschaffenheit der Schachtsäulen, des Ausbaus und der Abdeckungen sowie gegebenenfalls damit verbundene Setzungen unbekannt seien und sogar Grubengas austreten könnte, insbesondere bei einer Unterkellerung der Neubauten.

Ähnlich äußert sich Eon als Nachfolgegesellschaft des ehemaligen Bergbaus. Beide Stellungnahmen lagen diese Woche dem Penzberger Bauausschuss vor. Laut Günter Fuchs vom Stadtbauamt geht es dabei um den Bereich des bestehenden Edeka-Markts und der Parkplätze. Auf diesem Teil des Geländes soll das Wohnviertel – darunter ein sechsstöckiges Haus – mit 385 Wohnungen entstehen.

Frage im Ausschuss: Stehen die Wohnviertel-Pläne auf der Kippe?

„Steht es auf der Kippe?“, fragte Jack Eberl (FLP). Das wohl nicht, wie es in der Sitzung hieß. Stadtbaumeister Justus Klement erklärte, dass nach den Vorgaben des Bergamts erst die Schächte genau untersucht und sie dann entsprechend gesichert werden müssten. Erst dann werde das Bergamt dem Baurecht für das Wohnviertel zustimmen. Momentan könne nur ein „bedingtes Baurecht“ ausgesprochen werden. Konkret bedeutet dies: Auf der Nordseite des Edeka-Areals dürfen zuerst, wie ohnehin geplant, die Einkaufsmärkte, darunter der neue Edeka-Markt, entstehen. Dann wird der bestehende Edeka-Markt abgerissen. Bevor dort aber das neue Wohnviertel entsteht, müssen erst die Schächte untersucht sowie Sicherungsmaßnahmen dokumentiert und umgesetzt werden. Falls bestimmte Bereiche trotzdem nicht überbaut werden dürfen, fügte Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) an, könnte sich etwas an der Bebauung ändern.

Projektentwickler geht davon aus, dass das Vorhaben nicht gefährdet ist

Projektentwickler Küblböck erklärte dazu, dass er bereits mit dem Bergamt über die Untersuchung der sechs Schächte und eines Flözes sowie über erforderliche Maßnahmen gesprochen habe. Die Tagschächte und das Flöz würden komplett verfüllt. Danach folgten weitere Untersuchungen, damit das gesamte Gelände sicher ist. Die Fachleute seien sich einig gewesen, dass nach jetzigem Stand die besprochenen Maßnahmen ausreichen, sagte Küblböck. Er gehe davon aus, dass das die Pläne für das Baugebiet wie vorgesehen, umgesetzt werden können. Sollte sich aber – „mit geringer Wahrscheinlichkeit“ – herausstellen, dass ein Schacht nicht verfüllbar ist, müsste in dem Teilbereich entsprechend umgeplant werden. „Es ist eher eine Sache des höheren Aufwands“, sagte Küblböck. Die Kosten schätzt er auf 600.000 bis 880.000 Euro plus Nebenkosten. Selbst wenn der Aufwand noch höher ist, würde dies ihm zufolge „nicht das gesamte Bauvorhaben gefährden“.

Fertigstellung des Wohnviertels ist für 2030 vorgesehen

Bürgermeister Korpan erklärte in der Sitzung, dass der Bauherr bis Mitte 2024 auf der Nordseite – im Bereich des ehemaligen Edeka-Zentrallagers – den neuen Edeka-Markt, den Lidl-Markt und den Tierfachmarkt errichten will. Die komplette Fertigstellung des Wohnviertels ist nach jetzigem Stand etwa für das Jahr 2030 vorgesehen.

Anwohner-Stellungnahmen: Parkplätze und Tempolimit

In der Ausschuss-Sitzung lagen noch weitere Stellungnahmen vor, darunter viele von Anwohnern. Dazu gab es laut Günter Fuchs vom Bauamt im Vorfeld auch ein Anwohnergespräch (ohne Bauausschuss). Nachbarn hatten zum Beispiel angemahnt, dass die umliegenden Wohngebiete nicht durch parkende Autos aus dem Viertel sowie durch Anlieferverkehr belastet werden dürfe und die Erschließung des neuen Wohnviertels schwerpunktmäßig über den geplanten Kreisverkehr an der Grube erfolgen sollte. Ebenso gab es den Wunsch, die Gebäudehöhe, insbesondere zur Henlestraße, zurückzunehmen, sowie die Forderung nach Tempo 30 an der Henlestraße.

In der Sitzung schlug Martin Janner (PM) vor, bei der Tiefgaragen-Ausfahrt zur Henlestraße nur das Rechtsabbiegen zuzulassen, damit der Verkehr nicht über das Viertel „An der Freiheit“ fließt. Dies soll nun geprüft werden. Ebenso sprach sich Janner für Tempo 30 an der Henlestraße aus. Was Korpan für später nicht ausschloss. Ebenso hieß es, dass laut einem Gutachten wegen des Einwohnerzuwachses ein bis zwei zusätzliche Krippengruppen sowie zwei bis drei Kindergartengruppen benötig würden, entweder im Baugebiet oder an anderer Stelle „bei anteilmäßiger Bezahlung des Antragstellers“.

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