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Penzberger mit mosambikanischen Wurzeln: Alexandre Jacinto Uaila.

Ein Mosambikaner wird Deutscher: „Heimat ist für mich Penzberg“

Alexandre Jacinto Uaila lebt seit 21 Jahren in Penzberg. Und weil die Stadt längst zu seinem Zuhause geworden ist, wurde der gebürtige Mosambikaner nun deutscher Staatsbürger. Den dafür notwendigen Test absolvierte er mit Bravour.

Penzberg – Wie hieß der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland? Na? Keine Ahnung? Alexandre Jacinto Uaila weiß es. Denn wer Deutscher werden will, muss einen so genannten Einbürgerungstest machen und dabei viele Fragen zum Staat, den vorherrschenden Gesetzen sowie zu Kultur und Gesellschaft beantworten – Fragen, die auch für Einheimische nicht leicht zu beantworten sind. Er habe sie alle richtig beantwortet, erzählt Uaila stolz und strahlt dabei über das ganze Gesicht. So strahlend kennen ihn viele Penzberger. Denn als Angestellter des städtischen Bauhofs kurvt Uaila tagtäglich mit seinem Elektroauto durch die Stadt und sorgt für Sauberkeit in den Grünanlagen, in den Straßen oder an den Badeufern. Und dabei ist der 54-Jährige immer gut gelaunt und fröhlich. Seine Arbeit mache ihn glücklich. „Es ist eine sichere Arbeit und ich habe einen netten Chef“, sagt Uaila und meint damit Bauhofleiter Christian Eberl. 17 Jahre alt sei er gewesen, als er in die ehemalige DDR kam, um im Rahmen Abkommens zwischen der DDR und Mosambik eine Ausbildung zum Maschinenschlosser zu machen. Kein Wort Deutsch habe er damals gekonnt erzählt er in einem zwar nicht akzentfreien, aber recht soliden Deutsch. Mit dem bayerischen Dialekt vieler seiner Bauhof-Kollegen habe er indes bis heute immer mal wieder so seine Probleme, sagt er. Bauhof-Chef Eberl versucht darum, stets Hochdeutsch mit Uaila zu sprechen – um sprachlichen Missverständnissen vorzubeugen.

Nach der Ausbildung in der DDR, erzählt Uaila, reiste er zunächst zurück in sein Heimatland. Doch der dortige Bürgerkrieg trieb ihn nach Dresden, wo er eine Zeit lang als Dreher arbeitet. 1998 sei er dann nach Penzberg gekommen, wo er zunächst für Boehringer, später für Roche tätig gewesen sei.

Nun arbeitet er bereits seit März 2014 am städtischen Bauhof. „Wir sind hier sehr zufrieden mit ihm“, lobt Bürgermeisterin Elke Zehetner. Uaila sei unheimlich fleißig. Dass er aus einem anderen Land stamme, spiele keine Rolle. Immerhin lebten in Penzberg 87 verschiedene Nationen. „Wir sind ein offener Bauhof für jeden, der was kann“, betont Zehetner. Für sie ist Uaila ein Beispiel für gelungene Integration, denn: „Er ist aufgeschlossen gegenüber der deutschen Kultur.“ Und natürlich auch gegenüber der bayerischen: Nach anfänglicher Abneigung habe er mittlerweile Geschmack an Weißwürsten gefunden, sagt er. Außerdem spielt mit dem Gedanken, sich eine Lederhose zu kaufen. Mittlerweile lebt er auch nicht mehr alleine: 2017 hat er seine 17-jährige Tochter Vinalda aus Mosambik nach geholt. Auch deshalb, weil Uaila zuckerkrank ist. Da sei es gefährlich alleine zu leben, sagt der alleinerziehende Papa. Noch besucht Vinalda die 9. Klasse der Mittelschule. Anschließend möchte sie zuerst eine Ausbildung zur Kinderkrankenschwester machen und dann Kinderärztin werden.

Seit März ist Uaila nun also Deutscher. Für ihn ein logischer Schritt. Immerhin habe er die meiste Zeit seines Lebens in Deutschland verbracht. Da wolle er auch alle Rechte haben. „Heimat ist für mich Penzberg.“ In diese Heimat möchte er nun baldmöglichst seine Freundin und Mutter seiner Tochter nachholen. Dann soll geheiratet werden. Bürgermeisterin Zehetner hat schon versprochen, das Paar standesamtlich zu trauen.

Und zur Eingangsfrage: Der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland war Konrad Adenauer.

Text: Franziska Seliger

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