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HAP-Werk in Penzberg.

Werk schließt am Dienstag endgültig

Ende einer Ära in Penzberg, die mit MAN begann: Die letzten Tage bei HAP 

  • vonWolfgang Schörner
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Es herrscht eine Mischung aus Traurigkeit und Bitterkeit bei vielen Mitarbeitern. Nur noch wenige sind da. Das Werksgelände ist wie leer gefegt. Am kommenden Dienstag schließen sich bei HAP in Penzberg endgültig die Tore. An der Seeshaupter Straße geht eine Ära zu Ende, die 1966 mit MAN begann.

Penzberg – „Es ist bitter“, sagt Bayram Yerli, der seit 29 Jahren in dem Werk arbeitet, erst bei MAN, dann bei ACP und zuletzt bei HAP. In den vergangenen Monaten sei es immer leerer geworden. Seit März habe es fast jeden Tag Abschiede gegeben. „Es sind traurige Momente.“ Als wenn einem ein Stück Familiengeschichte entrissen wird. Ähnlich empfindet es sein Betriebsratskollege Thomas Nachtmann, der seit über 30 Jahren bei dem Automobilzulieferer arbeitet. Er habe so viel Herzblut hineingesteckt. Manche Kollegen, sagt er, sehe man vielleicht nie wieder. „Es macht mich traurig.“ Gerade die letzten Tage, sagt Nachtmann, seien hart.

HAP: Am Dienstag ist Schluss - 15 Monate nach der Ankündigung

Am Dienstag ist Schluss, fast 15 Monate, nachdem der Hörmann-Konzern angekündigt hatte, das Werk mit seinen damals über 700 Mitarbeitern (630 Beschäftigte der Stammbelegschaft und rund 90 Leiharbeiter) zu schließen. Aktuell hat HAP noch 246 Mitarbeiter. Davon sind aber nur rund 100 vor Ort, der Rest baut Urlaubstage oder Überstunden ab. Viel zu tun gibt es ohnehin nicht mehr, manchmal auch gar nichts. Laut „Hörmann“ wurde vor einer Woche die Produktion eingestellt, deren Verlagerung in die Slowakei sei umgesetzt. Diese Woche seien die letzten Warenlieferungen vorgenommen worden, heißt es auf Nachfrage. In den nächsten Monaten würden Maschinen und Anlagen abgebaut und verkauft, um damit „die Kosten für den Rückbau der Firma“ zu decken.

Vorläufer auf dem Gelände war MAN: 1966 Start mit Omnibusfertigung

Mit dem Aus für HAP geht eine Ära zu Ende, die in den Sechzigerjahren mit MAN begonnen hat. Damals steckte Penzberg tief in der Krise. Das Bergwerk, der mit Abstand größte Arbeitgeber, schloss im September 1966. „Behalten Sie ruhig Blut“, appellierte 1965 Bürgermeister Anton Prandl an die Bevölkerung. Damals bemühten sich das bayerische Wirtschaftsministerium und die Stadt, Betriebe nach Penzberg zu locken. Mit Erfolg. Das größte Unternehmen war MAN. Es sagte zu, 1966 in Penzberg eine Omnibusfertigung für 700 Beschäftigte aufzubauen.

Die ersten Omnibusse aus dem Penzberger Werk: Feier im Jahr 1967.

MAN erhielt damals staatliche Kredite, die Stadt stellte günstig das Grundstück zur Verfügung. Viele Penzberger Bergleute ließen sich umschulen und fanden dort eine neue Arbeit. 1976 zählte das Werk 1100 Beschäftigte. Die Omnibus-Produktion lief bis Anfang der Achtzigerjahre. Seither wurden Fahrzeugkomponenten hergestellt.

Schock vor 15 Jahren: MAN will das Penzberger Werk abstoßen

Ein Schock war, als MAN vor 15 Jahren entschied, das Werk in eine eigenständige GmbH auszugliedern. Proteste konnten es nicht verhindern. Das Erbe trat im Juli 2005 die Firma ACP an, Hauptkunde blieb MAN. Trotz schwieriger Zeiten herrschte neue Zuversicht. Anfang 2006 übernahm der Hörmann-Konzern 50 Prozent der Anteile, im August 2008 auch die andere Hälfte. Ab 2012 hieß das Werk offiziell „Hörmann Automotive Penzberg“, kurz HAP.

HAP-Mitarbeiter: Schwierige Arbeitsplatzsuche in Corona-Zeiten

Am Dienstag ist nun der letzte Tag. „Das macht mich sehr betroffen“, sagt Altbürgermeister Hans Mummert, der 27 Jahre bei MAN in Penzberg gearbeitet hat. Das Werk habe historische Bedeutung für Penzberg, weil dort die Bergleute Arbeit fanden. Sorge bereitet ihm, dass die Stadt die so wichtigen Arbeitsplätze für Fachkräfte, Arbeiter und Angelernte verliert. So sieht es auch Ralf Simon, kurzzeitig MAN-Werkleiter und später ACP-Chef. Er hält die Schließung nach wie vor für „völlig unnötig“. Hörmann habe gar kein Interesse gehabt, das Werk weiterzuführen.

Wie viele Mitarbeiter eine neue Arbeit gefunden haben, weiß Betriebsrat Yerli nicht. Bis März seien es so gut wie alle gewesen. Doch dann, mit der Corona-Krise, habe er den Überblick verloren. Er weiß von Kollegen, die Zusagen hatten, aber die Arbeit nicht antreten können, da die Firmen sparen. Geregelt wurde laut Yerli zuletzt noch, dass die letzten Abfindungen, Gehälter und Löhne ausgezahlt werden. 18 Mitarbeiter in Altersteilzeit erhalten ihr Geld über eine eigene Gesellschaft. Was bleibt am letzten Tag? Yerlis Antwort: „Den Spindschlüssel abgeben.“

Letzte Betriebsversammlung: „High Noon“ am Dienstag ist abgesagt

Der HAP-Betriebsrat hat die letzte Betriebsversammlung am Dienstag, 30. Juni, abgesagt. Das teilte Betriebsrat Bayram Yerli am Freitag mit. Sie war unter dem Titel „High Noon“ auf dem Werksparkplatz geplant, um „diese bittere Stunde nicht einfach so verstreichen“ zu lassen. Es habe zwar ein Hygienekonzept gegeben, wegen der steigenden Corona-Fallzahlen in Deutschland wolle man das Risiko aber nicht eingehen, zumal man nicht wisse, wie viele Leute kommen. erklärte Yerli hörbar zerknirscht.

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