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Entscheidung gefallen: Die SPD Penzberg nominierte Amtsinhaberin Elke Zehetner.

SPD Penzberg schickt Elke Zehetner ins Bürgermeister-Rennen - so lief das Rededuell

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Die SPD Penzberg geht mit Elke Zehetner in die Bürgermeisterwahl gehen. Die Amtsinhaberin setzte sich in geheimer Wahl mit 53 von 69 Stimmen gegen Herausforderer Andreas Vetter durch. Die SPD-Mitglieder fühlten zuvor beiden Bewerbern auf den Zahn.

Penzberg - Der kleine Saal der Stadthalle war voll, so voll, dass kurzzeitig ein Umzug in den großen Saal erwogen wurde. Gekommen waren nicht nur 72 der aktuell 112 SPD-Mitglieder (drei verließen die Aufstellungskonferenz noch vor der Wahl), sondern auch viele andere Interessierte. Schließlich ging es um das Schicksal der amtierenden Bürgermeisterin.

Das Wort hatten zuerst die beiden Bewerber. Herausforderer und SPD-Mitglied Andreas Vetter (40), vorgeschlagen von Ursula Schoierer, sagte, er wolle einen „Neustart“ und ein „Penzberg der guten Nachbarn“. Als kommunalpolitische Erfahrung nannte der Jurist seine Stadtratskandidatur im Jahr 2002. Zugleich verteilte Vetter eine Broschüre mit seinem Kurzprofil, in der allerdings fünf Seiten leer waren, nur versehen mit den Überschriften „Platz für unsere Zukunft – Mach mit“ und „Platz für eigene Notizen“. Ein Umstand, der ihm danach in der Aussprache von den SPD-Mitgliedern Regina Beier und Tobias Mosebach vorgeworfen wurde. Auf die Aufforderung, Inhalte zu nennen, zählte Vetter („Ich habe schon Zukunftsvisionen“) dann bezahlbaren Wohnraum, eine Innenstadt mit weniger Verkehr, einen Indoor-Spielplatz sowie die Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen auf. Im Bezug auf das HAP-Gelände sagte er, er habe eine zugkräftige Firma mit Milliarden-Umsatz an der Hand, die womöglich investieren wolle.

Amtsinhaberin Elke Zehetner (50), vorgeschlagen von SPD-Chef Bayram Yerli, ging in einer Powerpoint-Präsentation zuerst auf die letzten fünf Jahre ein. Als bevorstehende Projekte nannte sie Familienbad, Layritzhalle, bezahlbaren Wohnraum und ein Mobilitätskonzept. Was HAP betraf, verwies Zehetner auf Gespräche mit Geschäftsleitung, Betriebsrat, Gewerkschaft, Ministerium und anderen Betrieben sowie auf die Jobbörse. Zum Vorwurf, sie sei kein SPD-Mitglied, sagte sie: „Ich bin überzeugt, dass ich meine sozialdemokratische Grundhaltung durch mein Auftreten belegt habe.“ Zugleich sprach sie davon, unabhängig sein zu wollen. Auch auf den Vorwurf, andere Menschen vor den Kopf zu stoßen, ging sie ein: „Ich bin nicht frei von Fehlern und verlange viel von meiner Umgebung, nicht um Leute zu schikanieren, ich tue das zum Wohl der Stadt.“

Bei einem Teil der SPD konnte Zehetner nicht punkten. Stadtratsmitglied Ute Frohwein-Sendl warf ihr vor, trotz Versprechens nicht in die SPD eingetreten zu sein. Ex-Stadträtin Alexandra Link-Lichius sagte, sie sei 2014 voll hinter Zehetner gestanden, habe nun aber ein „anderes persönliches Bild“. Gegenüber Vetter mahnte sie Fairness an. Zehetner habe vor fünf Jahren auch nichts vorzuweisen gehabt; ihre Elternbeiratstätigkeit sei „für ihre Kinder, nicht für die Gesellschaft“ gewesen, so Link-Lichius. Vorstandsmitglied Thomas Link vermisste indes das „politische Profil bei beiden Kandidaten“. Ohne Fahnen auf den Tischen „wüsste ich nicht, bei welcher Partei ich bin“, sagte er. „Mir geht es zu sehr um Machterhalt.“

Die meisten Redner warben allerdings für Zehetner. Joachim Randzio beschrieb sie als „ideale Kandidatin“, die sich erfolgreich den Herausforderungen gestellt habe, die SPD-Grundsätze aktiv lebe sowie „offener und kooperativer“ auftrete. Ex-Stadtrat Anton Gumberger fragte: „Warum ein erfolgreiches Team neu formieren?“ Ein neuer Kandidat habe weniger Chancen als ein Amtsinhaber, so Gumberger. Für Zehetner warben ebenso Franz Wagner („Sie hat ihre Sache gut gemacht“) und Elvira Mrotzek („Sie ist die richtige Frau an der Spitze“).

77 Prozent vereinte Zehetner am Ende auf sich. Zu ihrem Herausforderer sagte sie, sie würde sich wünschen, mit ihm im Stadtrat zusammenarbeiten. Zugleich beschwor sie Geschlossenheit: „Ich brauche eine starke Fraktion.“ Vetter sagte nach der Wahl auf Nachfrage: „Die Mehrheit hat entschieden, das gilt es zu akzeptieren.“ Und zu einer Stadtratskandidatur: „Es ist wichtig, erst darüber zu schlafen, und dann werde ich weiterschauen.“

++Erstmeldung++

Penzberg - Die SPD Penzberg hat am Montagabend darüber abgestimmt, wer für den Ortsverein in die Bürgermeisterwahl im März 2020 geht. Die Aufstellungskonferenz war ein Duell zwischen Amtsinhaberin Elke Zehetner und ihrem Herausforderer Andreas Vetter. Von den 69 Wahlberechtigten stimmten am Ende 53 SPD-Mitglieder für Elke Zehetner und 16 SPD-Mitglieder für Andreas Vetter.

Zuvor hatten sich beide Bewerber zunächst in kurzen Reden vorgestellt, dann konnten die Mitglieder im vollbesetzten kleinen Saal der Stadthalle ihre Fragen stellen. Schon die Aussprache deutete auf einen Sieg Zehetners hin. Die Bürgermeisterin sagte nach der gewonnenen Abstimmung, sie wünsche sich, dass Andreas Vetter im Stadtrat mitarbeite, also für das Gremium kandidiert. Sie hoffe zudem, jene noch zu überzeugen, die nicht für sie gestimmt hatten.

Lesen Sie auch: Andreas Vetter hatte seine Bewerbung zum Jahreswechsel bekannt gegeben.

Auch interessant: Ebenfalls zwei Bewerber für die Bürgermeisterkandidatur hat die CSU Penzberg.

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