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Sensor für die Luftaufklärung, entwickelt von EMT.

Ziviler Markt

Erfahrungen sammeln: Drohnen-Hersteller EMT will mit Penzberger Rettern kooperieren

  • vonWolfgang Schörner
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Bislang stellt das Penzberger Unternehmen EMT Aufklärungsdrohnen für das Militär her, vor allem für die Bundeswehr. Die Firma will sich aber ein zweites Standbein schaffen: im zivilen Markt. Um Erfahrungen zu sammeln, braucht EMT Partner. Das sollen die Penzberger Rettungsorganisationen sein, zum Beispiel Feuerwehr und Bergwacht.

Penzberg – Das Penzberger Unternehmen EMT will künftig seine Technik auch zivilen Organisationen anbieten, damit diese zum Beispiel Verunglückte orten oder Rettungskräfte in Gefahrensituationen schützen und leiten können, das alles von oben. EMT ist spezialisiert auf Luftaufklärung. Käufer ihrer unbemannten und unbewaffneten Fluggeräte, so genannter Drohnen, ist bislang vor allem die Bundeswehr. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Penzberg und Standorten in Iffeldorf, Abenberg und Österrönfeld beschäftigt rund 220 Mitarbeiter.

Zivile Nutzung von unbemannten Fluggeräten ist ein großer Markt

EMT sieht die zivile Nutzung der Drohnen seit vielen Jahren als großen Markt. Das war schon zu Zeiten des 2016 verstorbenen Firmengründers Hartmut Euer so. Allerdings fehlten die gesetzlichen Grundlagen für den Einsatz im deutschen Luftraum. Mittlerweile scheint sich etwas zu bewegen. „Wir streben an, als erstes Unternehmen in Deutschland eine Musterzulassung zu bekommen“, so Thomas Heinze, der seit Anfang des Jahres EMT-Geschäftsführer ist. Er hofft, dass es heuer so weit ist. Für das Unternehmen wäre dies „ein zweites Standbein“.

EMT-Zusammenarbeit mit Penzberger Rettungsorganisationen

EMT will nun in Kooperation mit Penzberger Rettungsorganisationen Erfahrungen sammeln über mögliche Einsätze, bei denen Luftaufklärung sinnvoll ist. Im Pilotprojekt würde der Sensor – also die Spezialkamera – laut Udo Schwarz, Leiter des Herstell- und Instandsetzungsbetriebs, von einem Kleinflugzeug mit Piloten transportiert. Wenn die gesetzlichen Voraussetzungen vorhanden sind, könnte die Aufklärung auch mit Drohnen geschehen. Was laut Schwarz in der jetzigen Phase aber nachrangig ist. Ein erstes Gespräch gab es bereits: Im Haus der Penzberger Stadtwerke trafen sich Vertreter von EMT, Feuerwehr, BRK, Bergwacht und Polizei, Bürgermeisterin Elke Zehetner und Feuerwehr-Referenten des Stadtrats.

Aus der Luft Gefahrensituationen beurteilen

EMT-Chef Heinze sprach dort über mögliche Szenarien, zum Beispiel anhand eines realen Falls im Oberharz: ein 13-jähriger Bub, der sich im Wald verirrt hat, der, kurz bevor der Handy-Akku leer ist, noch eine vage Ortsangabe melden kann. Eine Drohne könnte beitragen, ihn zu finden, auch nachts. Was im realen Fall tatsächlich mit einer Drohne der Bergwacht geschehen ist. Ebenso könnte laut Heinze schnell die Lage in Gefahrensituationen beurteilt werden, zum Beispiel ob bei Hochwasser ein Damm bricht oder ein Umspannwerk bedroht ist. Ähnlich ist es bei Wald-, Flächen- und Industriebränden.

Bei Penzberger Rettungsorganisationen herrscht Interesse

Der Penzberger Feuerwehrkommandant Christian Abt hält Drohnen für die schnelle Aufklärung am Einsatzort für sinnvoll – „bevor ich anfange zu arbeiten“, wie er bei dem Treffen sagte. Etwa bei einem Brand in einem Industriegebiet könnte er mit dem Wissen seine Einsatzkräfte gezielter einsetzen. Die Penzberger Bergwacht setzt bereits seit Jahren eine Drohne mit Infrarotkamera von EMT ein. Prädestiniert sei dies, um Einsatzkräfte nicht in Gefahr zu bringen, erklärte Vize-Bereitschaftsleiter Gerhard Gröbel. Positiv findet er, wenn ein professioneller Partner einsteigt. Die Empfindlichkeit der Sensoren, so EMT-Vertreter Schwarz, habe in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht. Interesse zeigte auch Polizei-Chef Jan Pfeil. BRK-Geschäftsführer Michael Limbrunner sagte zwar, dass es das BRK weniger betreffe, die Luftaufklärung aber für große Schadenslagen interessant sei.

Als Chance für die Penzberger Rettungsorganisationen bezeichnete Adrian Leinweber, Feuerwehrreferent im Stadtrat, eine Zusammenarbeit. „Erst im Zusammenspiel kann sich der Nutzen der Systeme herausstellen“, sagte EMT-Vertreter Schwarz. „Wir wollen beim Erfahrungsaustausch lernen.“ Wovon, so fügte er an, im Endeffekt beide Seiten profitieren.

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