Eine Fraunhofer-Forschungseinrichtung – hier das Institut für Zelltherapie in Leipzig – soll in Penzberg angesiedelt werden.
+
Eine Fraunhofer-Forschungseinrichtung – hier das Institut für Zelltherapie in Leipzig – soll in Penzberg angesiedelt werden.

Kooperation von Fraunhofer-Gesellschaft, Freistaat und Roche

Penzberg erhält Pandemie-Forschungsinstitut

  • vonWolfgang Schörner
    schließen

In Penzberg soll ein Institut für Infektionsforschung und Pandemiebekämpfung entstehen, betrieben von der Fraunhofer-Gesellschaft. Finanziell unterstützt wird dies vom Freistaat. Dass Penzberg als Standort für das neue Forschungsinstitut ausgewählt wurde, hat mit Roche Diagnostics zu tun.

Penzberg – Am vergangenen Montag wurde bekannt, dass die Fraunhofer-Gesellschaft in Penzberg ein Institut für Infektionsforschung und Pandemiebekämpfung schaffen will. Das bayerische Kabinett hatte, wie berichtet, beschlossen, dies am Standort Penzberg mit mehreren Millionen Euro zu unterstützen. In den Jahren 2021 und 2022 sollen jeweils fünf Millionen Euro fließen. Außerdem gibt es eine Verpflichtungsermächtigung für die Jahre 2023 bis 2025 in Höhe von 30 Millionen Euro.

Pandemie-Forschungsinstitut: Erste Details voraussichtlich in einigen Wochen

Federführend bei der Planung ist das bayerische Wirtschaftsministerium. Auskünfte zum Beispiel zum genauen Standort in Penzberg, ob direkt bei Roche oder in der Nähe, zur Größe des neuen Forschungsinstituts und zum Zeitplan gab es auf Nachfrage nicht. Seitens der Fraunhofer-Gesellschaft hieß es am Mittwoch, dass derzeit erste Gespräche „zur Ausgestaltung von Fraunhofer-Aktivitäten am Standort Penzberg“ liefen und die Ergebnisse voraussichtlich in einigen Wochen detaillierter kommuniziert werden könnten.

Pandemie-Forschung: Wahl Penzbergs hängt mit Roche-Werk zusammen

Klar ist aber, dass die Wahl Penzbergs mit dem Unternehmen Roche zusammenhängt, das im Nonnenwald ein Pharma- und Diagnostika-Werk mit rund 6400 Mitarbeitern hat. Bestätigt wird dies von Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler). Penzberg habe alle Voraussetzungen, „um einen Forschungscluster für Infektionsforschung und Pandemiebekämpfung zu schaffen“, ließ er am Mittwoch mitteilen. „Penzberg ist heute dank des Pharmaunternehmens Roche ein wichtiger Pharma- und Diagnostikstandort, der mit weiteren Forschungseinrichtungen gestärkt werden soll“, so Aiwanger. Über die Schaffung der neuen Fraunhofer-Einheit würden derzeit Gespräche zwischen Fraunhofer-Gesellschaft, Roche und Wirtschaftsministerium laufen, so der Minister. Geklärt wird auch eine Anbindung an eine Hochschule.

Die vorgesehene neue Forschungseinheit, heißt es weiter, passe gut zu den Plänen der Fraunhofer-Gesellschaft, den Bereich der Gesundheitsforschung insgesamt auszubauen. Sie forciere derzeit unter anderem Projekte aus dem Medizin- und Gesundheitssektor, zum Beispiel die Impfstoffentwicklung sowie die nötige innovative Diagnostik und Medikamentenentwicklung. Das Unternehmen Roche könnte laut Ministerium „zum erfolgreichen Aufbau der Einheit“ durch seine Expertise in der diagnostischen und pharmazeutischen Forschung sowie in der zielgerichteten Auswertung von medizinischen Daten beitragen.

Roche: Fraunhofer-Institut stärkt Kompetenz des Forschungsstandorts Penzberg

Seitens des Unternehmens äußerte sich am Mittwoch Claus Haberda, Geschäftsführer der Roche Diagnostics GmbH. „Wir freuen uns, dass die Staatsregierung unter Federführung des Wirtschaftsministeriums die Planung eines Infektions- und Pandemie-Forschungszentrums in Penzberg vorantreibt“, erklärte er. Die „geplante Ansiedlung eines Fraunhofer-Instituts wird die Kompetenz des Forschungsstandortes Penzberg weiter stärken“.

Die Fraunhofer-Gesellschaft ist mit rund 28 000 Mitarbeitern die größte Organisation für angewandte Forschung in Europa. Ihren Sitz hat sie in München. Sie betreibt über 80 Forschungseinrichtungen, darunter 74 Institute, an mehr als 40 Standorten in Deutschland. Die Gesellschaft finanziert sich zu 30 Prozent durch Bund und Länder, den Rest muss sie aus eigenen Erträgen decken. Zum Penzberger Projekt teilte sie mit, sie unterstütze ausdrücklich das Vorhaben der Politik, „Deutschland als Standort für eine erfolgreiche Forschung in Sachen Infektions- und Pandemieforschung zu stärken und bestmöglich zu positionieren“.

Penzbergs Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) sagte auf Nachfrage, man freue sich, als Standort für ein so wichtiges Zukunftsprojekt ausgewählt worden zu sein. Die Stadt Penzberg werde dies konstruktiv begleiten.

Lesen Sie auch: Nach Flucht von der Weide: Auerochsen schwimmen durch Großen Ostersee

Auch interessant

Kommentare