Lebensmittel ohne Verpackung: In Bad Tölz gibt es seit Mai 2019 einen Unverpackt-Laden mit dem Namen „Ois ohne“. In Penzberg bestehen nun ebenfalls Bestrebungen, ein derartiges Geschäft zu eröffnen.
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Lebensmittel ohne Verpackung: In Bad Tölz gibt es seit Mai 2019 einen Unverpackt-Laden mit dem Namen „Ois ohne“. In Penzberg bestehen nun ebenfalls Bestrebungen, ein derartiges Geschäft zu eröffnen.

Initiative

Pläne in Penzberg - so sehen die ersten Schritte zu einem Unverpackt-Laden aus

  • VonWolfgang Schörner
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In Penzberg arbeitet eine Initiative daran, einen Unverpackt-Laden zu eröffnen. Zwei Treffen, eines davon digital, gab es bereits. Es steht aber noch viel Arbeit bevor. Penzberg wäre auf alle Fälle prädestiniert für einen Unverpackt-Laden, sagt Wirtschaftsförderin Monique van Eijk. Wann es so weit ist? Dazu wagt noch niemand eine Prognose.

Penzberg – Aktuell gibt es mehr als 300 Unverpackt-Läden, die dem deutschen Unverpackt-Verband angehören. Über 200 weitere Läden seien in Planung, sagt Verbandssprecherin Shabnam Beus. Hilfe erhalten sie dabei von dem Berufsverband, den es seit 2018 gibt. Bald hinzukommen könnte eine Initiative aus Penzberg. Dort hat sich mittlerweile zwei Mal ein Kreis von Interessenten getroffen, die einen Unverpackt-Laden auf die Beine stellen wollen.

Anschubhilfe leistete die städtische Wirtschaftsförderin Monique van Eijk. Vor einiger Zeit, erzählt sie, sei sie gefragt worden, ob es in Penzberg Bestrebungen für einen Unverpackt-Laden gibt. Hinzu kam, dass die Staatsregierung heuer den Sonderfonds „Innenstädte beleben“ aufgelegt hat. Der Freistaat bezuschusst Kommunen unter anderem, wenn sie in ihrer Innenstadt leer stehende Räume als Ladenlokal anmieten und diese an „innovative und frequenzbringende Nutzungen“ günstig weitervermieten Die Förderung läuft zwei Jahre.

Unverpackt-Laden: Frequenzbringer für die Innenstadt

Ein Unverpackt-Laden, sagt van Eijk, wäre sowohl innovativ als auch ein Frequenzbringer für die Innenstadt. Außerdem würde er gut zu einer Fairtrade-Stadt wie Penzberg passen. Das Bewusstsein, Verpackung zu vermeiden, nehme in der Bevölkerung zu. Van Eijk sieht einen Penzberger Unverpackt-Laden auch nicht als Konkurrenz zu den Unverpackt-Läden in Weilheim oder Bad Tölz, weil für die Kunden ebenso ein nachhaltiger Weg zum Einkaufen – zum Beispiel per Rad – wichtig sei.

Im vergangenen Juli hatte die Wirtschaftsförderin einen Aufruf gestartet. Sie organisierte ein Online-Treffen für Menschen, die in Penzberg einen Unverpackt-Laden betreiben wollen. 22 Interessenten nahmen teil. Beim zweiten Treffen im August waren es 15 Frauen und Männer – mit „viel Engagement und Begeisterung“, erzählt sie.

Diskussion: Nicht nur Geschäft, sondern sozialer Treffpunkt

Diskutiert wurde zum Beispiel, einen Unverpackt-Laden nicht nur als Geschäft, sondern auch als sozialen Treffpunkt mit kleiner Gastronomie sowie Vorträgen und Workshops zu konzipieren. Die Initiative bildete beim zweiten Treffen auch Arbeitsgruppen: für die Organisationsform, für den Kontakt zum Unverpackt-Verband, für das Sortiment und die Zusammenarbeit mit lokalen Produzenten, für Fund raising und Öffentlichkeitsarbeit. Bei der nächsten Zusammenkunft Ende September oder Anfang Oktober sollen die Ergebnisse besprochen werden.

Eine Mitinitiatorin ist Evdokia Hatzieleftheriadi. Begeistert hat sie die Stimmung, die von Anfang an in dem Kreis herrschte. Er sei sehr schnell zu einer Ideenschmiede geworden, erzählt sie. Bewusst ist ihr aber auch, dass noch eine Menge Arbeit bevorsteht. Wann ein Unverpackt-Laden in Penzberg eröffnet werden könnte, sei daher schwierig zu sagen.

Ein solcher Laden wäre in Penzberg jedenfalls eine gute Ergänzung zum bestehenden Einzelhandel, sagt Hatzieleftheriadi. Ihr eigener Antrieb entstand quasi aus Sicht der Konsumentin. Sie würde gern in einem Unverpackt-Laden einkaufen, müsste dafür aber kilometerweit mit dem Auto fahren, was wiederum nicht nachhaltig wäre. Bei einem Unverpackt-Laden würden zudem auch Fahrtwege vermindert, weil regionale Produkte angeboten werden sollen.

Bedarfsgerechter Einkauf ohne Lebensmittelverschwendung

Wirtschaftsförderin van Eijk nennt noch einen weiteren Aspekt, der für Unverpackt-Läden spricht. Sie würden einen bedarfsgerechten Einkauf ermöglichen und die Lebensmittelverschwendung reduzieren. Wer zum Beispiel Stärke zum Soßen-Anrühren, Linsen oder Gewürze braucht, kann anstelle von Packungen einfach ein paar Löffel voll kaufen. „Man kann genauso viel kaufen, wie man braucht“, so van Eijk – was auch für Ein-Personen-Haushalte von Vorteil ist.

Von ihren Erfahrungen hatte Diana Meßmer dem Penzberger Kreis bei dessen ersten Treffen berichtet. Sie hat den Unverpackt-Laden „Ois ohne“ in Bad Tölz gegründet. Das Schwierigste sei gewesen, eine Rechtsform zu finden, sagt sie. Gewählt wurde schließlich die Form einer Genossenschaft, die mittlerweile 160 Mitglieder zählt. Wichtig für Laden-Gründer seien aber auch Erfahrungen im Einzelhandel, Kenntnisse über Hygiene-Vorgaben oder Wissen in Betriebswirtschaft, um einen Geschäftsplan zu erstellen. Seit Mai 2019 gibt es „Ois ohne“. Neben der Vermeidung von Verpackung und Lebensmittelverschwendung ist Meßmer zufolge auch das Soziale wichtig: Viele Ältere kämen gern, weil sie sich an die früheren Tante-Emma-Läden erinnert fühlen.

Interessenten können sich noch melden

Wer bei der Unverpackt-Initiative mithelfen will, kann sich per E-Mail an „wirtschaftsfoerderung@penzberg.de“ melden.

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