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Französisches Lebensgefühl, Maibaum und Chanson - wie Penzberg seine Freundschaft zu Langon feiert

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Französische Chansons für die Gäste: (v.l.) Thomas Kapfer-Arrington vom Penzberger Duo „Ça touche“ mit dem französische Musiker-Duo Cathy Fernandez und Michel Vivoux. 1500 Kilometer nach Langon
Französische Chansons für die Gäste: (v.l.) Thomas Kapfer-Arrington vom Penzberger Duo „Ça touche“ mit dem französische Musiker-Duo Cathy Fernandez und Michel Vivoux. © Alfred Schubert

Auf den Tag genau feierte Penzberg am Sonntag „60 Jahre Élysée-Vertrag“ und gleichzeitig – mit etwas Verspätung – 40 Jahre Partnerschaft mit Langon. 150 Besucher waren ins „Kulturzentrum Metropol“ gekommen, um bei einer Soirée französisches Lebensgefühl zu genießen.

Penzberg – Es sei an der Zeit zu feiern, „weil drei Jahre nichts mehr zustande gekommen ist“, so Bürgermeister Stefan Korpan bei der Begrüßung der Gäste im vollen Saal des ehemaligen Kinos. Er sprach damit die Corona-Pause an, die nicht nur gegenseitige Besuche, sondern auch die punktgenaue 40-Jahr-Feier der Partnerschaft mit der südfranzösischen Stadt Langon verhindert hatte. So wurde jetzt der vor 60 Jahren geschlossene Élysée-Vertrag zum Anlass genommen, nachzufeiern.

Die Partnerschaft mit Langon wurde 1981 besiegelt

Die Partnerschaft von Penzberg und Langon geht auf das Jahr 1980 zurück. Armelle Suldinger, die seit 1978 in Penzberg lebt, erinnerte an die Anfänge der Freundschaft, die 1981 von den Bürgermeistern Pierre Lagorce und Kurt Wessner formell besiegelt wurde. Sie war 25 Jahre lang als Übersetzerin in der Partnerschaft tätig.

‚Au ruck“: Als in Langon ein Maibaum aufgestellt wurde

Eine Aktion, die allen Besuchern Langons noch gut in Erinnerung ist, ist das Maibaumaufstellen. Die Penzberger hatten ihren Freunden zum 25-jährigen Jubiläum der Partnerschaft einen Maibaum geschenkt. Die Schwierigkeit – so eine Anekdote –war dabei nicht, den Baum nach Südfrankreich zu transportieren, sondern das in Frankreich nicht gesprochene „H“ am Anfang der Wörter. So wurde der Baum nicht mit dem üblichen „Hau ruck“, sondern mit „‘au ruck“ in die Senkrechte gebracht. Ein paar Jahre später gab es dann einen weiteren Maibaum.

Chansons, Wein und französische Häppchen im „Metropol“

Für den Abend hatten die Organisatoren vor allem Chansons von Georges Brassens ausgewählt. Der aus Südfrankreich stammende Chansonnier war 1943 zur Zwangsarbeit nach Berlin verschleppt worden. In dieser Zeit verfasste er seine ersten Werke, darunter „Maman, papa“. Es sangen und spielten das Penzberger Chanson-Duo „Ça touche“ Alexandra Link-Lichius und Thomas Kapfer-Arrington, das französische Musiker-Duo Cathy Fernandez und Michel Vivoux und der Münchner Kultur-Journalist Roland Spiegel. Brassens war laut Kapfer-Arrington ausgewählt worden, weil er einen Bezug zu Deutschland hat. Mit seinen Werken hat er laut Spiegel auch deutsche Liedermacher beeinflusst, darunter Reinhard Mey und Wolf Biermann. Hannes Wader habe sich sogar erst zum Liedermachen entschlossen, nachdem er Brassens gehört hatte. Und da zum französischen „savoir vivre“ neben der Musik auch das Essen gehört, gab es in der Pause Wein und Häppchen aus dem Nachbarland.

Live-Schaltung nach Langon

Ein Höhepunkt des Abends war eine Live-Schaltung nach Langon. Bürgermeister Jérôme Guillem sagte, dass es ihm eine große Ehre sei, den Tag mit den Penzbergern zu feiern, und verabschiedete sich nach dem Gespräch mit seinem Penzberger Kollegen mit „Vive l’Europe!“ Es lebe Europa!

1500 Kilometer - bequem mit dem Zug

Dass die Partnerschaft lebt, war am Andrang im Foyer zu hören. Dort hatten sich bereits eine halbe Stunde vor Beginn viele der 150 angemeldeten Besucher versammelt. Ernst Schulte-Vels, pensionierter Mediziner und „Neu-Penzbürger“, wie er sich bezeichnet, war schon zweimal in Frankreich, aber noch nie in Langon. Die Partnerstadt will er besuchen, wenn wieder eine Reise organisiert wird. Monika Buchczyk hat Frankreich schon als Au-Pair in Paris kennengelernt und spricht Französisch. Sie war fünf Mal in Langon und hatte auch Gäste aus der Partnerstadt. Sie findet das Wohnen in privaten Unterkünften sehr gut, „weil man so die Lebensweise kennenlernt“. Dies sei „für beide Seiten ein Gewinn“. Herbert Kaindl muss eine Weile überlegen, bis er die Zahl der Besuche zusammen hat: „Zehn Mal in Langon und ebenso oft Gäste hier gehabt.“ Er schätzt auch französische Autos. Er hat einen „R4“ und vier Citroën-Klassiker gefahren und erst vor Kurzem eine alte „Ente“ gekauft.

Abschrecken lassen von der langen Anreise in die Partnerstadt brauchen sich die Penzberg jedenfalls nicht. Mit dem TGV 9576 ab München und dem TGV 8574 ab Paris erreicht man nach 1500 Kilometern Langon gegen 17 Uhr, wenn man morgens in Penzberg startet.

Text: Alfred Schubert

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