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Er hat jetzt Angst davor alleine mit dem Aufzug zu fahren: Jakob mit seinem neunjährigen Bruder Quirin (li.). Beide Buben nehmen vorerst lieber die Treppe hinauf in ihre Wohnung im 8. Stock.

Wohnanlage in Penzberg ist veraltet 

Feuerwehr befreit Bub (6) aus Aufzug - massive Kritik an Hauseigentümer 

Großer Schreck für den kleinen Jakob. Minutenlang steckte der Sechsjährige am Mittwochnachmittag im Aufzug hinauf zu seinem Zuhause an der Sigmundstraße fest. Ganz alleine. Die Feuerwehr musste den Buben befreien. Für die 32 Parteien in dem Mietshaus ist es nicht das erste Mal, dass der Aufzug versagt – und das mitunter für viele Tage.

Penzberg – „Das war nicht gut. Ich hab‘ mich ganz schön gefürchtet“, beschreibt Jakob einen Tag nach seinem Erlebnis seine Gefühle, als er minutenlang alleine im Aufzug feststeckte. Auch Mutter Marion Kapfer steckt der Schock noch in den Knochen. Eigentlich wollte sie am Mittwochnachmittag mit Jakob zusammen den Aufzug hinauf in ihre Wohnung nehmen, die im 8. Stock des hohen Mietshauses am Rathausplatz liegt. Eigentümer ist die Wohnungsgenossenschaft eG Penzberg.

Weil sie im Hof aber noch eine Bekannte getroffen habe, habe sie ihren Sohn per Aufzug schon einmal alleine hinauf in die Wohnung geschickt. Allein Aufzug gefahren sei Jakob schließlich schon öfter. Und: „In der Wohnung war sein 17-jähriger Bruder“, berichtet Kapfer.

Aufzug immer wieder defekt: „Eine riesen Zumutung“

Als die dreifache Mutter nach rund 15 Minuten das Haus betrat, stellte sie fest, dass der Aufzug nicht funktionierte – wieder einmal. Seit rund einem Jahr gebe es mit der Anlage immer wieder kleinere und größere Probleme, sagt die 47-Jährige. Anfang 2019 sei der Aufzug sogar eineinhalb Wochen gesperrt gewesen. Im Sommer dann ganze 2 Wochen. Für Kapfer, die seit 12 Jahren in dem rund 40 Jahre alten Gebäude wohnt, ein unhaltbarer Zustand. Immerhin lebten in dem Hochhaus viele ältere Menschen, die teilweise auf Gehhilfen wie einen Rollator angewiesen seien. Mancher von ihnen habe tagelang seine Wohnung nicht verlassen können. „Das ist eine riesen Zumutung“, findet Kapfer. Ihre Familie sei zwar noch gut zu Fuß. Aber den Wocheneinkauf für eine 5-köpfige Familie in den 8. Stock zu schleppen, sei trotzdem sehr anstrengend – und jetzt steckte auch noch ihr kleiner Sohn fest.

In diesem Haus am Penzberger Rathausplatz lebt Jakob mit seiner Familie im obersten Stockwerk.

Nachdem Kapfer den Defekt des Aufzugs festgestellt hatte, nahm sie die Treppe nach oben. Sie wollte helfen, sollte jemand im Aufzug feststecken. Das habe sie schon mehrfach getan, denn: „Es sind schon öfter Leute stecken geblieben“, weiß sie. „Es ist alles sehr veraltet.“ Dass es dieses Mal ihr kleiner Sohn ist, ahnte sie zu diesem Zeitpunkt nicht. Ihn wähnt sie bereits in der Wohnung.

„Er hat total geweint. Er war im Schock.“

Weiter oben muss sie feststellen, dass der Aufzug zwischen zwei Etagen hängen geblieben ist. Zwischen einem Spalt erkennt sie die Schuhe ihres Kindes. Ruft seinen Namen. „Er hat total geweint. Er war im Schock.“ Trotzdem habe ihr Sohn zu diesem Zeitpunkt bereits selbstständig den Notrufknopf betätigt. Wo der ist, hat ihm sein großer Bruder Quirin gezeigt. Weil keine Monteure der für die Wartung zuständigen Firma in der Nähe gewesen seien, habe die Frau in der Notrufzentrale die Penzberger Feuerwehr alarmiert, so Kapfer. „Die kamen super schnell.“ Die Helfer öffneten die Aufzugtüre und hoben Jakob aus dem Lift. Kapfer fuhr mit ihrem kleinen Sohn in die Notaufnahme ins Tölzer Krankenhaus, um seinen Schock behandeln zu lassen. Auch sie bekam ein Beruhigungsmittel verschrieben, sagt sie. „Jetzt geht es Jakob wieder gut“, berichtet Kapfer einen Tag nach dem Aufzug-Abenteuer. Nur alleine Aufzug fahren will Jakob nicht. Auch nicht, nachdem er mit den Monteuren, die den Lift repariert haben, die Technik der Anlage auf dem Dach des Hauses besichtigen durfte. Kapfer übt nun massive Kritik am Hauseigentümer und verweist auf die veraltete Anlage.

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Robert Pancur von der Wohnungsgenossenschaft eG Penzberg weiß, dass die Anlage nicht mehr die Jüngste ist. Dass es damit Probleme gäbe, „tut mir für die Mieter leid“, sagt er. Pancur betont, dass auftretende Störungen so schnell wie möglich behoben würden. Außerdem würde immer wieder in die Anlage investiert; erst kürzlich etwa in eine Steuerung. „Es wird das Möglichste getan“, versichert Pancur. Geplant sei derzeit einen neuen Motor sowie neue Türen einzubauen – allerdings nach und nach. Denn teure Investitionen müssten auf die Mieter umgelegt werden. Doch bei dem Gebäude handele es sich um öffentlich geförderte Wohnungen. Maßnahmen müssten darum „für die Mieter vertretbar sein“.

Von Franziska Seliger

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