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Warten auf die Pandemie-Forscher - was aus den Penzberger Plänen der Fraunhofer-Gesellschaft geworden ist

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Von: Wolfgang Schörner

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Auf der freien Fläche jenseits des Kreisverkehrs mit der im Sommer 2019 eingeweihten „Helix“-Skulptur könnte ein Forschungsgebäude für die Fraunhofer-Gesellschaft entstehen.
Auf der freien Fläche jenseits des Kreisverkehrs mit der im Sommer 2019 eingeweihten „Helix“-Skulptur könnte ein Forschungsgebäude für die Fraunhofer-Gesellschaft entstehen. © Wolfgang Schörner

Von einem „bundesweiten Leuchtturmprojekt“ war vor einem Jahr die Rede: Damals stellten Politik, Universität, Roche und Fraunhofer-Institut die Pläne für ein Pandemieforschungsinstitut in Penzberg vor. Seither ist es um das Vorhaben still geworden. Bei der Fraunhofer-Gesellschaft heißt es aber: „Das Projekt schreitet wie geplant voran.“

Penzberg – Es war eine hochkarätige Runde, die die Pläne vor genau einem Jahr in der Penzberger Stadthalle vorstellte. Dazu gehörten der CSU-Landesgruppenchef im Bundestag, Alexander Dobrindt, der Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, der Prodekan der Medizinischen Fakultät an der Ludwig-Maximilians-Universität und der Roche-Diagnostics-Geschäftsführer. Damals, fast ein Jahr nach Ausbruch der Corona-Pandemie, hieß es, dass die Fraunhofer-Gesellschaft in Penzberg eine Forschungseinrichtung für immunologische Infektions- und Pandemieforschung schaffen wolle.

Forschungsnetzwerk mit Standorten in Penzberg, Berlin, Hamburg und Potsdam

Penzberg, so die Ankündigung, soll Teil eines Forschungsnetzwerks mit Standorten in Berlin, Hamburg und Potsdam werden, die sich mit ähnlichen Themen beschäftigen. Rund 50 Wissenschaftler, hieß es, sollen in der Penzberger Einrichtung forschen – erst in Roche-Labors, dann in einem eigenen Gebäude, das gleich nebenan auf einem städtischen Grundstück im Industrie- und Gewerbegebiet Nonnenwald entstehen soll.

Ein Jahr später ist davon allerdings noch nichts zu sehen. Bund und Land haben zwar zusammen 80 Millionen Euro in Aussicht gestellt – zuletzt hatte der Haushaltsausschuss des Bundestags im Juni 2021 seinen Beitrag noch einmal bestätigt. Das 10.000 Quadratmeter große Grundstück ist aber immer noch Brachfläche. Bisher sei es noch nicht verkauft, teilte Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) vor kurzem auf Nachfrage mit. Es gebe aber seitens des Stadtrats ein Mandat für Verhandlungen.

Fraunhofer-Gesellschaft: „Das Projekt schreitet wie geplant voran“

Hat die Fraunhofer-Gesellschaft das Interesse verloren? „Das Projekt schreitet wie geplant voran“, erklärt dazu Sprecher Thomas Eck auf Nachfrage. Der Penzberger Standort soll nach wie vor „Teil eines Netzwerks für Immunmediierte Erkrankungen werden, das künftig die gezielte Bündelung aller hier relevanten Kräfte in der deutschen Forschungslandschaft gewährleisten soll“.

Zum aktuellen Stand teilte Eck mit, dass die Fraunhofer-Gesellschaft derzeit mit Roche „die vertraglichen Details zur übergangsweisen Kooperation in den Räumlichkeiten bei Roche in Penzberg“ abstimme. Ziel sei, die Büro- und Laborräume im Frühjahr 2022 zu beziehen. Dann können ihm zufolge auch die wissenschaftlichen Aktivitäten in Penzberg beginnen. Für die dauerhafte Unterbringung, erklärte er, sei „eine Neubaumaßnahme im unmittelbaren Umfeld des Roche-Werkgeländes“ auf den Weg gebracht worden. Das Genehmigungsverfahren laufe bereits, so Eck. Bis wann das neue Forschungsgebäude entsteht und wann es in Betrieb geht, vermochte er nicht zu sagen.

In Penzberg soll Rolle des Immunsystems bei Infektionserkrankungen untersucht werden

Bei der Beschreibung des Forschungsnetzwerks und der Penzberger Aufgabe steht die aktuelle Corona-Pandemie nicht im Vordergrund. Die Medizin erfahre nicht erst seit der Pandemie eine von neuen Technologien und Konzepten geprägten Wandel, erklärt die Fraunhofer-Gesellschaft. Sie sieht in der Entwicklung „innovativer Hightech-Produkte in der Medizintechnik und bei Arzneimitteln sowie in neuen Behandlungs- und Untersuchungsmethoden“ ein erhebliches Potenzial für eine kostenintelligente Präzisionsmedizin, für den Arbeitsmarkt und für die Innovationskraft Deutschlands. In diesem Zusammenhang entsteht laut Eck der Penzberger Standort in einer „strategischen Partnerschaft“ mit Roche und dem Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität.

Konkret heißt dies, dass in Penzberg die Rolle des Immunsystems bei Infektionserkrankungen und Immunreaktionen untersucht wird. Andere Aufgaben haben die weiteren drei Standorte des Netzwerks für Immun-, Infektions- und Pandemieforschung, wo ebenfalls die Vorbereitungen laufen: In Hamburg sollen möglichst einfach messbare Biomarker identifiziert werden, um bei immunologischen Erkrankungen Aussagen über die Wirksamkeit therapeutischer Ansätze treffen zu können. Die Wissenschaftler in Potsdam haben die Aufgabe, praktische Anwendungen für digitale Diagnostik zu erforschen, um eine telemedizinische Breitenversorgung der Bevölkerung zu ermöglichen. Die Allergologen in Berlin sollen die Mechanismen allergischer Erkrankungen entschlüsseln, um neue diagnostische und therapeutische Ansätze bei allergischen Entzündungserkrankungen zu entwickeln. Das Netzwerk, so die Hoffnung der Fraunhofer-Gesellschaft, soll ein „Gravitationszentrum für die Immunforschung in Deutschland“ werden.

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