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Bergknappenverein Penzberg: 2018 feierte er sein 50-Jähriges, hier beim Festzug.

Führungsstreit: Penzberger Bergknappen drohte das Aus - Eklat bei der Wahl

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Der Führungsstreit bei den Penzberger Bergknappen hätte am Mittwochabend beinahe das Aus des Traditionsvereins eingeläutet. In der streckenweise turbulenten Versammlung drohte dem 51 Jahre alten Verein die Führungslosigkeit. Nun will Michael Haas als neuer Vorsitzender einen Neuanfang versuchen.

Penzberg – Eigentlich begann die Bergknappen-Versammlung am Mittwoch ruhig. Vorsitzender Ludwig Schmuck teilte gleich zu Anfang mit, nicht mehr zu kandidieren. Diesen Schritt hatte er, wie berichtet, schon vergangene Woche angekündigt. Er reagierte damit auf ein Schreiben, in dem Stellvertreter Nikolaus Lutz, Kassier Stefan Horn, Schriftführer Heinz Mehltretter und Fahnenträger Franz Kreisel androhten, nicht mehr zu kandidieren, falls Schmuck noch einmal antritt. Der Vorwurf lautete unter anderem, Schmuck habe mit seinen Vorstandskollegen nicht zusammengearbeitet und das Förderturm-Modell bei Roche hinter ihrem Rücken aufstellen lassen.

Rückzug vom Vorsitz: Ludwig Schmuck machte Ankündigung wahr

Schmuck, der auch dritter Bürgermeister ist, ging am Mittwoch auf die Vorwürfe nicht näher ein. Er sagte nur, dass der Verein – 120 Mitglieder mit einem Durchschnittsalter von 80 Jahren – in den vergangenen 14 Tagen wegen des Streits viele Austritte hinnehmen musste. Auf Nachfrage sprach er später von zehn Austritten. Schmuck erinnerte zugleich daran, dass er sich vor zwei Jahren, als der Verein kurz vor der Auflösung stand, überreden habe lassen, für den Vorsitz zu kandidieren. Er habe es gern gemacht, fügte er an.

Für eine Neuwahl ohne Schmuck hatten dessen Kritiker bereits im Vorfeld angekündigt, eine komplette Vorstandschaft parat zu haben – mit Michael Haas an der Spitze und Nikolaus Lutz als dessen Vize. Dieses Modell brach jedoch bei der Wahl – eine Mehrheit hatte eine geheime Abstimmung gefordert – auseinander. Ebenso offenbarte die Wahl, dass der Kern der Krise in einem Zerwürfnis zwischen Ludwig Schmuck und Nikolaus Lutz lag.

Bergknappen Penzberg: Eklat bei der Neuwahl

Noch relativ glatt verlief die Wahl von Michael Haas zum Vorsitzenden. Für den 56-jährigen Ex-Polizeibeamte, der seit einem Jahr den Bergknappen angehört, votierten 32 der 37 Stimmberechtigten (zwei Nein, zwei Enthaltungen, ein Stimmzettel mit Schmucks Namen). Nach der Abstimmung erklärte Haas zunächst, die Wahl nur anzunehmen, wenn die weiteren Vorschläge eine große Mehrheit erhielten. Er lenkte erst nach dem Protest von Wahlleiter und Altbürgermeister Hans Mummert und einer kurzen Denkpause ein und nahm die Wahl an.

Haas musste etwas geahnt haben. Denn die folgende Abstimmung über den von ihm als Vize vorgeschlagenen Nikolaus Lutz geriet zum Eklat. Lutz erhielt in der geheimen Wahl nur 20 Ja-Stimmen bei 16 Nein und einer Enthaltung. Auf das Ergebnis reagierte Lutz wütend und enttäuscht: „Unter diesen Umständen nehme ich die Wahl nicht an.“ Er sei vor zwei Jahren in letzter Sekunde als Notnagel eingesprungen, um den Verein vor der Auflösung zu retten, sagte er – und griff Schmuck frontal an: „Was in den zwei Jahren abgelaufen ist, war kein gemeinsames Arbeiten, sondern ein einseitiges Diktat ohnegleichen.“ Der Verein, so Lutz über das Förderturm-Projekt, sei „belogen und betrogen“ worden. „Wenn das die Quittung für mich ist, dass ich alles allein gemacht habe, dann verzichte ich, ich habe das mit 85 Jahren nicht nötig.“

Bergknappen drohte Führungslosigkeit

Damit drohte aus der Führungskrise eine Vereinskrise zu werden. Es werde schwierig, einen anderen zweiten Vorsitzenden zu finden, schwante Wahlleiter Mummert. „Dann muss der Verein aufgelöst werden“, sagte der frisch gebackene Vorsitzende Haas. Tatsächlich winkten mehrere vorgeschlagene Bergknappen ab, zunächst auch Michael Schmatz, der sich dann aber doch noch erweichen ließ. Der 58-Jährige, seit 2011 bei den Bergknappen und vor kurzem noch Bewerber um die CSU-Bürgermeisterkandidatur, erhielt bei der Wahl zum Vize zur Belohnung 35 Ja-Stimmen (bei zwei Enthaltungen).

Ohne Probleme verliefen danach die weiteren Wahlgänge für Kassier Stefan Horn (einstimmig), Schriftführer Heinz Mehltretter (35 Ja, ein Nein, eine Enthaltung), Fahnenträger Franz Kreisel (einstimmig), Museumsbeauftragten Anton Leinweber (einstimmig) und Beisitzer Bernhard Sturma (einstimmig), der an dem Abend den Bergknappen beitrat.

Neuer Bergknappen-Chef bemüht sich um Ausgleich

In seinem Schlusswort bemühte sich der neue Vorsitzende um Ausgleich: Haas dankte „trotz des kleinen Eklats“ sowohl Schmuck als auch Lutz für die vergangenen beiden Jahre. „Ich hoffe, dass nun wieder Ruhe einkehrt.“ Sein größtes Anliegen sei, Mitglieder zu werben, „sonst geht es irgendwann nicht mehr weiter mit dem Verein“. Vom Einwand, er wolle nur Vorsitzenden sein, wenn die im Vorfeld vorgeschlagene Vorstandsliste eine große Mehrheit erhält, war keine Rede mehr.

Lesen Sie auch: Die Führungskrise im Bergknappenverein begann schon vor Monaten.

Und: Penzbergs Bergknappen sind mehr als ein Verein - vergangenes Jahr feierte der Verein Jubiläum

Und: „Koistadlbua“ mit 14: Michael Mayr schrieb ein Buch über die harte Bergwerkszeit

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