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Das Gasthaus Schönmühl; im Bild mit dem Wirtsehepaar Reinhold und Brigitte Schiermeier,

100 Jahre Stadt Penzberg

Gasthaus Schönmühl bei Penzberg: Geschichte-Abend mit Abschiedsschmerz

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Auf eine jahrhundertealte Geschichte kann das Gasthaus Schönmühl bei Penzberg zurückblicken. Es bestand schon, als es auf Penzberger Flur nur einzelne Bauernhöfe gab. Zum 100-Jährigen der Stadt rückt das Gasthaus nun mit einem Geschichteabend in den Fokus der Feiern. Darüber liegt aber auch Wehmut: Das Wirtsehepaar hört zum Jahresende auf.

Penzberg – Der Ortsteil Schönmühl wird laut Penzberg-Chronist Karl Luberger erstmals im 15. Jahrhundert erwähnt: In einem Stiftsbuch des Klosters Benediktbeuern für die Jahre 1487 bis 1489 ist ihm zufolge die Rede von zwei Höfen, einer Mühle und einem Sägewerk. Seit wann ein Gasthaus bestand, lässt sich nicht so genau sagen. Die Stadt Penzberg sieht allerdings darin einen Beleg, dass ein Gasthaus in Schönmühl schon damals bestand. Dann würde es zu den ältesten Gasthäusern in Oberbayern gehören (in München zum Beispiel berufen sich Wirtshäuser auf noch ältere Jahreszahlen).

Gasthaus mit jahrhundertealter Tradition

Das Buch „Genuss mit Geschichte“ über bayerische Gasthöfe und Denkmäler bezieht sich auf ein weiteres Stiftsbuch. Demnach sei in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts eine „Bierzapflerei“ belegt Dort heißt es auch, dass das Anwesen bis ins späte 15. Jahrhundert zurückzuverfolgen ist. Historiker Reinhard Heydenreuter, der die neue Penzberg-Chronik geschrieben hat, nennt das Jahr 1737 für das noch heute bestehende Gebäude, was sich mit der Jahreszahl in der Denkmalschutzliste deckt. Einst war es zugleich eine Post- und Pferdestation für die Loisach-Flößer.

Gasthaus Schönmühl: Ein Geschichte-Abend zum 100-Jährigen der Stadt

Der Ortsteil und sein Gasthaus sind nun Teil des Festprogramms zum 100-Jährigen der Stadt Penzberg. Am Freitag, 15. November, gibt es einen Abend mit „Geschichte und Geschichten über das Gasthaus Schönmühl“. Erzählen werden Reinhard Heydenreuter, die frühere Wirtin Maria Stockhammer, die das Gasthaus nach dem Zweiten Weltkrieg betrieb, Altbürgermeister Hans Mummert sowie Wirt Reinhold Schiermeier, der mit seiner Frau Brigitte das Wirtshaus seit 37 Jahren betreibt. Die Teilnehmerzahl ist – wegen der Größe der Gaststube – allerdings auf knapp 50 begrenzt. Eine wenige restliche Plätze können noch reserviert werden.

Gasthaus Schönmühl hat sich Charme bewahrt

Das alte Gasthaus hat sich bis heute seinen ursprünglichen Charme bewahrt. Durch den rund ausgeschnitten Zugang gelangt der Besucher in eine bayerische Gaststube, die den Charakter einer gemütlichen Bauernstube besitzt. „Jedwede Effekthascherei und der übliche Eventirrsinn wehten an Schönmühl vorbei“, schrieb erst kürzlich ein Magazin. Weil sich das Gasthaus um die Stammtisch-Kultur verdient gemacht hat, erhielt es vor sechs Jahren auch eine Auszeichnung des „Vereins zur Erhaltung der bayerischen Wirtshauskultur“.

Gasthaus Schönmühl: Prominente und Filmkulisse

Stammgäste hat das Gasthaus Schönmühl jede Menge. „2000 reichen nicht in den letzten 37 Jahren“, schätzt Brigitte Schiermeier. Manche Stammgäste kämen einmal im Monat, andere jede Woche. Die Atmosphäre genossen und genießen auch Prominente, zum Beispiel Schauspieler wie Marianne Sägebrecht, Gerd Anthoff und Dominic Raacke oder die ehemalige Fernsehmoderatorin Anne-Marie Sprotte. Früher spielte der „Kraudn Sepp“ in Schönmühl. Und in der Verfilmung von Oskar Maria Grafs „Hölleisengretl“ diente die Gaststube als Kulisse, erzählt Reinhold Schiermeier, der selbst in Josef Bierbichlers „Mittelreich“-Verfilmung „Zwei Herren im Anzug“ kurz zu sehen ist.

Gasthaus Schönmühl: Wirtsehepaar hört zum Ende des Jahres auf

Allerdings liegt über dem Ganzen auch ein Stück Wehmut: Das Wirtsehepaar wird nach 37 Jahren am 29. Dezember aufhören. „Die letzte Vorstellung“, sagt Reinhold Schiermeier. 1982 hatten er und seine Frau (sie haben einen Sohn, eine Tochter und vier Enkelkinder) das Gasthaus übernommen. Natürlich sei es schade, aber er sei heuer im September 70 Jahre alt geworden. Und die Bürokratie, fügt seine Frau hinzu, sei wie in anderen Branchen stark gestiegen. Es werde ihr schon abgehen, sagt sie. Vor allem die vielen Stammgäste, die ein wenig wie eine große Gasthaus-Familie sind. Oder wie es Brigitte Schiermeier beschreibt: „Man spricht auch privat miteinander und nimmt Anteil an den Sorgen des jeweils anderen.“

Geschichtenabend: Für den Abend am Freitag, 15. November, 19 Uhr, gibt es nur noch wenige Plätze, zu reservieren im Gasthaus Schönmühl: geöffnet Freitag, Samstag und Sonntag, Telefon 08856/2498.

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