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Letztmalig am 29. Dezember öffnen Brigitte und Rainer Schiermeier die Stube im Gasthaus Schönmühl.

Große Trauer bei Stammgästen

Wirtsehepaar verabschiedet sich nach 37 Jahren: Beliebtes Gasthaus macht dicht - für immer?

Das denkmalgeschützte und überregional bekannte Wirtshaus Schönmühl schließt. Wie es weitergeht? Erst mal gar nicht.

  • Zum letzten Mal öffnen Brigitte und Rainer Schiermeier am Sonntag das Gasthaus in Schönmühl. 
  • Dann geht das Pächter-Ehepaar in Ruhestand. 
  • Was mit dem denkmalgeschützten Gebäude passiert, ist aber noch unklar. Das Wirtshaus bleibt jedenfalls erst mal zu.

Penzberg „Schön war’s, aber nach 37 Jahren ist es genug!“ Mit diesen Worten verabschieden sich Rainer und Brigitte Schiermeier in den Ruhestand. Künftig steht die Familie im Mittelpunkt und nicht mehr die Gäste. Für viele der Stammgäste ist das allerdings unvorstellbar. Denn damit schließt auch das Gasthaus Schönmühl.

Das Ehepaar hatte das Gasthaus fast vier Jahrzehnte bewirtschaftet. Die gemütliche Stube, der Nebenraum – auch bekannt als „Holzschuhbar“ –, die Terrasse und der Biergarten, für viele Gäste war „die Schönmühl“ mehr als ein Gasthaus. Das Pächterehepaar Schiermeier schaffte es, dass alle Gäste sich wohl fühlten, egal aus welcher Gesellschaftsschicht sie kamen. Viele Stammtische bildeten sich über die Jahre heraus. Kein Wunder, dass der „Verein zum Erhalt der Bayerischen Wirtshauskultur“ die Familie Schiermeier vor einigen Jahren auszeichnete.

Gasthaus Schönmühl: „Nach 37 Jahren ist es genug“

Dass sich so viele Menschen unterschiedlicher Herkunft in dem denkmalgeschützten Haus mit der rustikalen Einrichtung wohl gefühlt haben, hat verschiedene Gründe. Zum einen ist es die Gastfreundlichkeit, zum anderen ist es das denkmalgeschützte Haus selbst: das Tonnengewölbe im Flur, die dunkel getäfelte Decke im Gastraum, die umlaufende Bank, die Tische und Bänke, die alten Bilder an den Wänden. Die Speisekarte ist mit Bedacht klein gehalten. Schweinsbraten, Tafelspitz und Sülze mit Bratkartoffeln gibt es seit Jahrzehnten in immer gleicher Qualität. Nur Kleinigkeiten wie vegetarische Gerichte legen Zeugnis davon ab, dass der Zeitgeist sehr wohl Beachtung findet. Geändert haben sich allerdings die Trinkgewohnheiten der Gäste. Vor 37 Jahren war es unvorstellbar, dass alkoholfreies Weißbier getrunken wird. Heute ist es die Regel, die meisten Gäste müssen ja fahren. Manche Gäste erinnern sich noch an die Haltestelle der Kochelseebahn, nur wenige Meter vom Gasthaus entfernt. Als 1982 die Familie Schiermeier das Gasthaus pachtete, gab es die aber schon nicht mehr.

Viele Geburtstag und Hochzeiten wurden in Schönmühl gefeiert, Aber auch traurige Anlässe gab es. Es blieb nicht aus dass der eine oder andere Stammgast viel zu früh gehen musste. Deren Bilder hängen hinter dem Stammtisch an der Wand. So bleiben sie unvergessen.

Gasthaus Schönmühl: Als eine in die Disco zur „Holzschuhbar“ ging 

In den ersten Jahren betrieben Rainer und Brigitte Schiermeier am Wochenende auch die „Holzschuhbar“ als Diskothek. Doch dann wurde die Tochter Kathrin geboren, und da die Familie im Haus wohnte, war es nicht mehr angebracht, dass Rockmusik bis nachts um 3 Uhr das Haus beschallte. Zum anderen eröffneten rund um Penzberg Diskotheken. Für Feiern jedweder Art wurde die Bar aber auch weiterhin eifrig genutzt. „Für die Gäste war das ein Jugendfeeling“, sagt Rainer Schiermeier schmunzelnd. „Solche Feiern gingen dann bis in die frühen Morgenstunden.“

Gasthaus Schönmühl: Die Zukunft ist noch offen

In den letzten Wochen kamen viele Stammgäste, um das Flair des Hauses noch einmal zu genießen, das außen wie innen wirkt, als sei es ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Ob es das bleiben darf, ist ungewiss. Familie Schiermeier weiß nicht, ob das Gasthaus saniert und von jemand anderem weiterbetrieben wird oder ob künftig Stille einkehren wird.

Erna Krüger, die Besitzerin, hält sich bedeckt mit Auskünften. „Ich weiß es ja auch nicht“, erklärt sie auf Nachfrage. „Das Wirtshaus wird jetzt erst mal geschlossen und dann schauen wir, wie es weitergeht. Das Landratsamt wird noch prüfen, was geändert werden muss und dann entscheiden wir, was gemacht wird.“

Von Anneliese Steibli

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