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Noch ist dort eine Sackgasse: Die Straße „Am alten Kraftwerk“ soll im Zuge der Planungen für ein Blaulichtzentrum auf dem Areal der Layritzhalle (li. im Bild) mit der Straße „Grube“ zusammengeführt werden.

Dabei geht es um die Zukunft des Layritzhallen-Geländes

Kritik am geplanten Penzberger Blaulichtzentrum

  • Franziska Seliger
    vonFranziska Seliger
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Es soll ein Aushängeschild für Penzberg werden: das geplante Blaulichtzentrum auf dem Gelände der Layritzhalle. Ohne Kritik seitens der Öffentlichkeit bleibt dieses städtische Großprojekt aber nicht, wie die jüngste Sitzung des Bauausschusses zeigte. Eine ortsansässige Firma sieht wegen ihm sogar ihren Standort gefährdet.

PenzbergBayerisches Rotes Kreuz (BRK), Polizei, Feuerwehr sowie Berg- und Wasserwacht: Sie alle sollen auf dem Areal der Layritzhalle zentral angesiedelt und unter dem Oberbegriff „Blaulichtzentrum“ zusammengefasst werden. Bis es soweit ist, wird es noch dauern. Einen weiteren Schritt zur Realisierung dieses Großprojekts tat der Bauausschuss nun jedoch in seiner jüngsten Sitzung: Für den Bau des neuen BRK-Gebäudes westlich der Layritzhalle wurde der Bebauungsplan „Gewerbegebiet auf der Grube“ aus dem Jahr 1989 geändert. Mit diesem rechtskräftigen Beschluss, so Stadtbaumeister Justus Klement auf Nachfrage, könne das BRK nun mit den Planungen für seinen Neubau beginnen.

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Doch die im Rahmen des Verfahrens eingegangenen Stellungnahmen zeigen, dass es ganz grundsätzlich kritische Stimmen zu dem Großprojekt auf dem Layritzareal sowie zum geplanten Biomasseheizkraftwerk in der Nähe gibt. Auf recht massive Ablehnung stoßen die Pläne bei der benachbarten Firma „Messtec Power Converter“. „Messtec“ ist ein weltweit tätiges High-Tech Unternehmen mit hochpräziser Produktion von Elektronik- und Mechanikkomponenten und ist wegen mehrerer baulicher Eingriffe in seiner unmittelbaren Nachbarschaft massiv beunruhigt. In einer Stellungnahme an die Stadt bezeichnet das Unternehmen das gesamte Bauvorhaben als „Fehlplanung“, und schlägt das „Edeka“-Areal als weitaus besseren Standort für Blaulichtzentrum und Heizkraftwerk vor. Ganz konkret kritisiert „Messtec“ die östlich hinter ihrem Firmensitz angedachte Blaulichtzentrale, das geplante Biomasseheizkraftwerk westlich des Firmengeländes sowie die geplante Verlängerung der Straße entlang des städtischen Bauhofs zur Straße „Grube“, die teilweise auf ihrem Grund realisiert werden soll.

„Messtec“ lehnt das Bauvorhaben auf dem Layritzhallen-Gelände grundsätzlich ab

Die Firma lehne die Bauvorhaben grundsätzlich ab, „da diese eine hohe negative Auswirkung auf den regulären Unternehmensbetrieb, auf die geforderte Produktivität und damit auf die Existenz des Unternehmens hätten“, so das Unternehmen in seiner Stellungnahme. Lärm und Erschütterungen durch die Fahrzeuge auf der Straße wären „Störquellen bei der mechanischen und elektrischen Fertigung“. Staub und Abgase des Biomasseheizkraftwerks würden eine reinraumähnliche Elektronikproduktion „stark beeinträchtigen“. Würde die Straße gebaut, könne das Unternehmen seinen Firmensitz zudem nicht mehr erweitern. Das Fazit von „Messtec“: Sollte das Blaulichtzentrum realisiert werden, „wäre der Standort für die Firma ‘Messtec‘ mittelfristig nicht mehr tragbar“. Eine Abwanderung aus Penzberg wird als Folge nicht ausgeschlossen.

Armin Jabs (BfP) bezeichnete den Bau der Straße als „essenziell“ für das Gesamtprojekt. Sollte „Messtec“ sich gegen den Straßenbau wehren, könnte „es im Extremfall ein Enteignungsverfahren“ geben - was er selber aber ablehnt, wie er erklärte. Soweit wird es laut Stadtbaumeister Klement aber auch nicht kommen. So etwas habe er noch nie erlebt, sagte Klement im Anschluss an die Sitzung. 

Wie der Stadtbaumeister außerdem erläuterte, werde der weitaus größte Teil der geplanten Straße über städtischen Grund, und nur zu einem sehr kleinen Teil über „Messtec“-Grund verlaufen. Auch Klement bezeichnete die Straße aber als notwendig. Dadurch würden die Straßen „Grube“ und „Am alten Kraftwerk“ endlich verbunden. Außerdem brauche das BRK zwingend eine zweite Ausfahrt für seine Rettungsfahrzeuge – etwa im Falle eines Staus. Möglicherweise könnten aber alternative Trassen gefunden werden, so Klement. Jabs brachte zudem die zunächst vage Idee eines Ersatzgrundstücks für „Messtec“ ins Gespräch.

Blaulichtzentrum und Biomasseheizkraftwerk auf dem „Edeka“-Areal zu realisieren, ist für Ludwig Schmuck (CSU) nicht denkbar. „Das Grundstück dort gehört uns gar nicht“, sagte Schmuck. Die Stadt habe darauf also keinen Zugriff. Um die Wogen zu glätten regte Bürgermeister Stefan Korpan einen Ortstermin mit Bauausschuss- und Unternehmens-Vertretern an. Ein konkreter Termin dafür steht laut Klement derzeit aber noch nicht fest.

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