Beängstigendes Verschwinden von Mutter (41) und Tochter (16): Wie vom Erdboden verschluckt

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Gymnasium in Penzberg: Diskussion über Organspende, rechts Experte Lutz Renders.

Organspende-Tag am Gymnasium: Neues Leben mit einem neuen Herz

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Fast 10 000 Menschen warten in Deutschland auf eine Organspende. 2018 spendeten 955 Menschen nach dem Tod ihre Organe. Damit beschäftigten sich Penzberger Gymnasiasten.

Penzberg – Sandra Zumpfe ist 40 Jahre alt. Als sie noch ein Kind war, diagnostizierten die Ärzte eine Herzkrankheit. Als später erhebliche Herzrhythmusstörungen auftraten, rieten die Ärzte zur Herztransplantation. Seit sechs Jahren lebt sie nun mit einem neuen Herz. Vor zwei Jahren kam noch eine Nierentransplantation dazu, eine Lebendspende von ihrem Ehemann Matthias. „Mir geht es sehr gut“, sagt Sandra Zumpfe und blickt lächelnd ins Publikum. Sie ist am Mittwochabend nach Penzberg zu der öffentlichen Veranstaltung („Organe Spenden, Leben retten“) gekommen, zu der das Gymnasium und das Gesundheitsamt eingeladen haben. Vor der Herztransplantation, sagt Sandra Zumpfe, hätte sie den Weg von der Tür bis zur Bühne nicht geschafft. Vielleicht sei sie heute nicht so leistungsfähig wie andere. Sie sei aber froh, ein normales Leben führen zu können. Nach Penzberg mitgebracht hat sie ihren Ehemann Matthias Mälteni. Der 42-Jährige erzählt, dass er nach der Lebendspende mittlerweile keine Einschränkungen mehr spüre. Beide engagieren sich beim Bundesverband der Organtransplantierten (BDO) und haben einen Internet-Blog (www.2herzen1koerper.de). Dort beschreibt er auch, dass die Entscheidung zur Lebendspende von Ängsten begleitet war.

Ein weiterer Organspende-Empfänger, der zu Wort kommt, ist Ulrich Ahammer aus Polling. Der 59-Jährige lebt seit 25 Jahren mit einer neuen Niere. „Man kann als Empfänger alles machen“, sagt er. Ulrich Ahammer ist Teammanager der deutschen Nationalmannschaft der organtransplantierten Sportler. Als solcher war er bei Weltmeisterschaften in Argentinien und Südafrika.

Auch Religionslehrer Thomas Peter, der mit 26 Gymnasiasten den Organspende-Tag an der Schule organisiert hat, lebt mit Spenderorganen. Vor 16 Jahren erhielt er Niere und Bauchspeicheldrüse. Keiner der Transplantierten fordert an dem Abend dazu auf, dass jeder einen Organspende-Ausweis ausfüllen soll. Es gehe ihr nicht darum, dass jeder Ja ankreuzt, sagt Sandra Zumpfe. Wichtig sei ihr vielmehr, dass sich jeder mit dem Thema beschäftigt und auch mit seinen Angehörigen darüber spricht. Denn diese, so Gesundheitsamtsleiter Stefan Günther, seien es, die am Ende vor einem Dilemma stehen könnten – wenn sie nach dem Tod ihres Ehepartners, ihres Kindes, ihres Vaters oder ihrer Mutter entscheiden müssen, ob diese eine Organspende gewollt hätten. Die Angehörigen nicht in der Ungewissheit zu lassen – dafür warb auch Lutz Renders vom Transplantationszentrum im Klinikum Rechts der Isar.

Ein Teil des Abends gehörte auch den 26 Gymnasiasten selbst. Sie berichteten von der Geschichte der Organtransplantation, vom Hirntod als Voraussetzung, von Lebendspenden an Verwandte und nahe stehende Personen, vom illegalen Organhandel und davon, was gespendet werden kann. Die häufigsten Organe, hieß es, seien Nieren, sehr selten dagegen der Darm.

Nur am Rande erwähnt wurde die aktuelle politische Debatte, eine Widerspruchslösung einzuführen, dass also alle Menschen als Organspender gelten, so lange sie nicht ausdrücklich widersprechen. Egal, wie die Entscheidung auf Bundesebene ausfalle, so Gesundheitsamtsleiter Günther, die Spendebereitschaft müsse auf ein hohes Niveau gebracht und stabilisiert werden.

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