+
Die Habacherin Simone Götschel-Weis engagiert sich seit fast drei Jahren für die kleinen Helden.

„Nähen für wahre kleine Helden“

Trostspender in schwerer Zeit - wie eine Gruppe von Frauen krebskranken Kindern hilft

  • Franziska Seliger
    vonFranziska Seliger
    schließen

Herzenswärme schenken in einer furchtbaren Zeit: Das ist das Anliegen einer Gruppe namens „Nähen für wahre kleine Helden“, der zwei Frauen aus Habach und Penzberg federführend angehören. Ehrenamtlich nähen, stricken und häkeln sie Mützen und mehr für hunderte schwerkranke Kinder.

Habach/Penzberg – „Ihr seid nicht allein!“ Das, sagt Simone Götschel-Weis, sei die Kernaussage, die hinter den liebevoll genähten Sachen steckt, die die Gruppe seit 2017 für schwerkranke Kinder anfertigt. Wenn den Kleinen etwa durch die Krebstherapie die Haare ausfallen, sollen bunten Mützen das Entsetzen darüber und die Angst vor der Krankheit etwas abmildern.

Zehn Frauen nähen ehrenamtlich für krebskranke Kinder

Drei Jahre nach ihrer Gründung fertigt die Gruppe, zu der mittlerweile etwa zehn ehrenamtliche Näherinnen aus ganz Deutschland gehören, längst nicht nur Mützen an, sondern beispielsweise auch Sichtschutze für Infusionsständer, Notfalltaschen, Lagerungsrollen, Beutel für Katheter oder Decken für Kinder im Rollstuhl.

Gegründet wurde die Gruppe 2017 von Yvonne Streicher aus Soyen (Kreis Rosenheim), nachdem sie von der Krebserkrankung eines Nachbarbuben erfahren hatte. Wenig später schlossen sich ihr die Habacherin Götschel-Weiß und Antje Gampe aus Penzberg an. „Zusammen bilden wir das Herz der der ‘kleinen Helden‘“, so Götschel-Weis.

Über die Versorgung erster Familien mit den bunten Utensilien sei schnell der Kontakt zur Haunerschen Kinderklinik in München entstanden, erinnert sich die 41-jährige Habacherin.

Handgenähte Sachen für Haunersche Kinderklinik und andere Einrichtungen

Längst beliefere ihre Gruppe die Klinik regelmäßig mit ihren handgenähten Sachen, die mit ihrer lustigen Farbigkeit wenigstens ein bisschen Freude in die Krankenzimmer bringen, indem sie etwa medizinisches Gerät in bunte Stoffe kleiden. „Mittlerweile unterstützen wir auch andere Einrichtungen, in denen unsere, in liebevoller Handarbeit gefertigten Dinge Freude bereiten“, sagt Götschel-Weis und nennt als Beispiele die Kinderonkologie in der Klinik München-Schwabing oder das Kinderhospiz in Landshut. „Wir wollen den Kindern und ihren Eltern eine Freude bereiten und Herzenswärme schenken in einer Zeit, die oft furchtbar, beängstigend und kräftezehrend ist“, erklärt Götschel-Weis das Anliegen ihrer Gruppe. Für Familien mit schwerst kranken Kindern, sagt sie, könnten schon kleine Lichtblicke viel Freude, Trost und Kraft bringen. „Wir wollen ihnen das Gefühl geben, dass sie nicht alleine sind.“

Medizinische Geräte in bunte Stoffe kleiden

Die Chemie-Laborantin in Elternzeit weiß, wovon sie spricht. Ihr erstes Kind kam Ende 2012 als Frühchen auf die Welt. „Wir haben selbst sehr lange Zeit mit unserem Baby in der Klinik verbracht.“ Fleißigen Näherinnen und Strickerinnen hätten ihrer Familie damals schon das Gefühl gegeben nicht alleine zu sein. „Waren es klitzekleine Socken zu Weihnachten oder auch nur die bunten selbst genähten Deckchen, die mir jeden Tag, wenn ich am Inkubator stand, den Tag bunter gestaltet haben.“ Damals habe sie erstmals den Gedanken gehabt, später einmal in ähnlicher Weise helfen zu wollen, denn: „Ich wollte diese Dankbarkeit weitergeben.“

Wie viele Mützen und Co. sie in all den Jahren schon in die Krankenhäuser gebracht haben, kann sie nicht sagen. Allein seit November letzten Jahres seien über 500 Mützen in die Schwabinger Klinik geliefert worden, schätzt sie. Die Kinder, die sie tragen, seien zwischen 0 und 16 Jahre alt. Die Resonanz von ihnen und ihren Familien sei voll von Dankbarkeit. „Die Augen der Kinder strahlen, und das ist meine Motivation, meine Energie.“

Katheter-Täschchen und Mützen für krebskranke Kinder

Eines dieser betroffenen Kinder ist der kleine Phileas aus Wolfratshausen, der im vergangenen Jahr an Krebs erkrankte – mit gerade einmal drei Jahren. „Unser Alltag besteht seither aus Medikamenten, Krankenhausaufenthalten oder Besuchen in der Tagesklinik“, erzählt seine Mama Stella-Maria Halamek. In dieser schweren Zeit sei es ein schöner Moment gewesen, als sie in der Klinik Goetschel-Weis kennen lernten, die gerade beladen mit genähten Sachen in der Klinik zu Besuch war. „Phileas durfte sich etwas aussuchen. Er hat sich für ein Täschchen entschieden, auf das er bis heute wahnsinnig stolz ist“, erinnert sich Halamek. In dem Täschchen bewahrt ihr Sohn seither seine liebsten Spielsachen auf, die in der Klinik nicht fehlen dürfen. Gleich zu Beginn der Therapie habe Phileas außerdem ein buntes Katheter-Täschchen bekommen. „Und als ihm die Haare anfingen auszugehen, durfte er sich eine wunderschöne Mütze aussuchen. Das war für ihn in dieser Situation sehr tröstend“, sagt Halamek und betont: „Für uns bedeutet das alles wahnsinnig viel. Wir sind von ganzem Herzen dankbar, dass es so liebe Menschen gibt, die uns in dieser schweren Zeit immer wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubern.“

Damit sie ihre wertvolle Arbeit fortführen können, sind Götschel-Weis und ihre Mitstreiterinnen auf Stoffspenden angewiesen, denn die große Menge Stoff selber kaufen, „das würde unseren finanziellen Rahmen sprengen“. Vor allem, da die ehrenamtlichen Näherinnen in Zeiten der Corona-Pandemie mittlerweile auch Mund-Nasen-Masken für soziale Einrichtungen nähen. Unter anderem für die Frühförderung der Kinderhilfe-Oberland in Penzberg.

Kontakt zur Gruppe „Nähen für wahre kleine Helden“ 

Wer Kontakt mit der Gruppe aufnehmen möchte, findet Informationen dazu auf ihrer Homepage www.naehenfuerwahrekleinehelden.de. Kontaktaufnahme auch per Mail an SimoneNFWKH@gmx.de

Lesen Sie auch: Polizeiarbeit in Corona-Zeiten: Maskenkontrolle statt Schlägerei-Einsatz

Und: Kreisel-Pläne in Penzberg wieder auf dem Prüfstand

Auch interessant: Berghalde in Penzberg soll attraktiver werden

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Wilde Szenen auf der A95: Supersportwagen rast über Autobahn - Audi-Fahrer kann Unfall nur knapp verhindern
Wilde Szenen auf der A95: Supersportwagen rast über Autobahn - Audi-Fahrer kann Unfall nur knapp verhindern
Das verdient die Landrätin nebenher
Das verdient die Landrätin nebenher
Mit 250 km/h: Lamborghini-Raser jagt über Bundesstraße - Polizist kann sich nur mit Sprung retten
Mit 250 km/h: Lamborghini-Raser jagt über Bundesstraße - Polizist kann sich nur mit Sprung retten
Regenbogen-Kindergarten in Peißenberg: Wer soll Außenbereich planen?
Regenbogen-Kindergarten in Peißenberg: Wer soll Außenbereich planen?

Kommentare