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Nach Drama in Penzberg: Haftstrafe für Messerattacke auf Ehefrau

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Von: Angela Walser

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Landgericht München II
Vor dem Landgericht München II fiel die Entscheidung. © Wolfgang Schörner

Der Fall sorgte für Entsetzen in Penzberg und bayernweite Schlagzeilen. Nun wurde ein 40-Jähriger, der seine Frau mit einem Messer attackiert hatte, zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt.

Penzberg/München – Das Landgericht München II hat am Freitagnachmittag einen Familienvater (40) aus Penzberg wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von siebeneinhalb Jahren verurteilt.

Außerdem ordnete die Strafkammer unter Vorsitz von Richter Thomas Bott die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an. Der 40-Jährige hatte seine Frau (34) mit neun Messerstichen lebensgefährlich verletzt. Die sechs Kinder mussten die Attacke mit ansehen (wir berichteten).

Mann hatte in seiner Heimat immer wieder zur Flasche gegriffen und Opium konsumiert

Es war der traurige Höhepunkt eines seit Jahren schwelenden Ehestreits. Der Afghane hatte in seiner Heimat immer wieder zur Flasche gegriffen und Opium konsumiert. Bekam er Letzteres nicht, ließ er seine Entzugserscheinungen an der Ehefrau aus.

Nach der Flucht nach Deutschland musste er sich mit Alkohol begnügen, die Streitigkeiten gingen allerdings weiter. Oft ging es um die Betreuung der kleineren von insgesamt sechs Kindern. Oft brach bei dem Mann das überkommene Weltbild aus, dass nur die Männer das Sagen haben. Zwei bis drei Tage vor der Tat war erneut ein intensiver Streit ausgebrochen.

Ehefrau sprach von Trennung - da schlug der Mann zu

Es ging um ihre Verwandtschaft in der Schweiz, von der sich der Angeklagte nicht ausreichend unterstützt fühlte. Den Streit unterbrach das Ehepaar am Tattag nur, weil andere Verwandte aus München zu Besuch nach Penzberg gekommen waren. Kurz nachdem sie wieder abgereist waren, entflammte der Streit aufs Neue. Als die 34-Jährige von Trennung sprach und ihm vorschlug, die Caritas zur Betreuung der Kinder einzuschalten, drehte der 40-Jährige durch. Er versetzte ihr zwei kräftige Faustschläge ins Gesicht. „Sein Standardrezept war körperliche Gewalt“, kommentierte Richter Bott später diesen Angriff.

„In diesem Moment hat er den Tötungsvorsatz gefasst“

Die Kinder eilten ins Zimmer, versuchten, der benommenen Mutter zu helfen und schütteten ihr Wasser ins Gesicht. Der Angeklagte ging in die Küche, um das Tatmesser zu holen. „In diesem Moment hat er den Tötungsvorsatz gefasst“, sagte der Richter in der Urteilsbegründung.

Obwohl die Kinder noch im Zimmer waren, stach der Afghane auf seine Frau ein. Von den neun Stichen trafen vier den Torso. Einer ging in die Brust, ein anderer in den Oberbauch.

„Ich bringe Dich um, Du wirst nicht mehr am Leben bleiben“, schrie der Vater. Daraufhin schritten die beiden ältesten Kinder ein, es kam zu einem Gerangel mit dem Vater, das Messer fiel zu Boden, der Sohn (17) nahm es an sich und versteckte es am Gartenzaun.

Bei der Festnahme leistete er der Polizei keinen Widerstand

Mittlerweile war die Mutter zu Nachbarn geflohen, der Vater hatte sich mit einem zweiten Messer sowie einer Eisenstange neu bewaffnet und rannte die Straße auf und ab. Als er seine zusammengebrochene und nicht ansprechbare Frau bei den Nachbarn liegen sah, stoppte er, warf die Eisenstange weg und ging in die Wohnung, wo er das Messer unters Bett warf. Die Polizei konnte ihn später widerstandslos festnehmen.

Ursprünglich war das Verfahren als versuchter Mord angeklagt worden. Doch aus Sicht des Schwurgerichts ließen sich die Mordmotive der Heimtücke wie der niederen Beweggründe nicht halten. Der Angeklagte muss nun zunächst ein Jahr und neun Monate weiter in Strafhaft bleiben. Danach kommt er auf Anweisung des Gerichts in eine Entziehungsanstalt.

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