+
Willkommen: Die kleine Karla mit ihren stolzen Eltern Sabrina und Heiko Schütte.

„Für Henri gibt es keinen Ersatz“

Im Herzen zu viert geblieben: Familie möchte Mut machen

Nach der Geburt von Tochter Karla startet Familie Schütte aus Penzberg in ein Leben zu dritt - ist im Herzen aber zu viert. Denn bei der Geburt von Sohn Henri 2016 gab es schwere Komplikationen. Henri verstarb wenige Tage später. Mama Sabrina lag mit Karla jetzt im gleichen Krankenhaus-Zimmer – und möchte anderen Betroffenen Mut machen.

Penzberg – Eine vorzeitige Ablösung der Plazenta (auch Mutterkuchen genannt) tritt nur in 0,5 bis ein Prozent aller Schwangerschaften auf. Eine war die von Sabrina Schütte aus Penzberg mit dem kleinen Henri. Nach seiner Geburt im November 2016 in der Asklepios Stadtklinik in Bad Tölz war der Kleine wegen der vorzeitigen Ablösung unterversorgt und musste in das Klinikum Großhadern in München verlegt werden. Denn nur hier gab es eine entsprechende Kältebett-Technik.

Henri wurde mit dem Hubschrauber in das Klinikum geflogen, seine Mutter kam auf dem Straßenweg nach. Doch alle Bemühungen der Ärzte und des gesamten Teams in Großhadern halfen nichts: Henri schlief aufgrund der Unterversorgung zwei Tage später in den Armen von Sabrina und Heiko Schütte ein. Jetzt, gute zweieinhalb Jahre später, bekam das Ehepaar mit Tochter Karla ihr zweites Kind.

Erneut ging es nach Großhadern. „Wir wollten ganz bewusst zur Geburt wieder in das Klinikum, da wir die Empathie und Menschlichkeit toll fanden“, sagt Heiko Schütte. Die Stadtklinik in Bad Tölz hat ihre Geburtenabteilung zudem mittlerweile geschlossen. Der Zufall wollte es, dass das Paar mit Karla sogar im gleichen Zimmer wie 2016 lag. „Dieses Zimmer ist also unser ganz besonderes Familienzimmer, denn es wird einer der ganz wenigen Räume bleiben, in dem wir alle vier einmal waren“, sagt Heiko Schütte.

Heute wäre der Junge 2,5 Jahre alt

Für beide Elternteile ist Karla kein Ersatz für Henri. „Wir erleben gerade ganz stark, wie absurd der Gedanke ist. Wir könnten noch zehn lebende Kinder haben und Henri würde uns trotzdem fehlen“, sagt Sabrina Schütte. „Der Gedanke, was wäre, wenn Karla doch einen großen Bruder hätte, ist schon allgegenwärtig. Doch die zweite Schwangerschaft war für mich trotzdem nicht voller Sorge, sondern durch viel Vorfreude auf Karla geprägt.“ Es habe nur vielleicht die Selbstverständlichkeit gefehlt, dass in einer Schwangerschaft bestimmt alles gut läuft. „Wir hatten aber keine Angst.“

Das Paar geht nach wie vor regelmäßig auf den Friedhof zu Henris Grab und denkt viel an ihren Jungen, der heute 2,5 Jahre alt wäre. Doch der Familie ist es wichtig, zu sagen: „Es gibt viel mehr Menschen, als man denkt, die ähnliche Verluste erleiden und wir wollen ihnen Mut machen. Es kann danach weitergehen“, erklärt Sabrina Schütte.

Von Peter Seibold

Lesen Sie auch:  Ein Beruf, der Freude macht: Eine langjährige Zeitungszustellerin erzählt.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Ihr Einsatz ist gut für die Umwelt und das Zusammenleben
In seiner festlichen Weihnachtssitzung hat Weilheims Stadtrat am Donnerstag die Ehrenpreise 2019 verliehen: Der Kulturpreis ging an zwei verdiente Volksmusikgruppen, der …
Ihr Einsatz ist gut für die Umwelt und das Zusammenleben
Dürnhausener wollen Stimme im Habacher Gemeinderat - eigene Liste für die Wahl
Kommunalwahl 2020/Habach: Bei der Gemeinderatswahl in Habach tritt wieder eine eigene Dürnhausener Liste an. Der Ortsteil will ausreichend im Kommunalparlament vertreten …
Dürnhausener wollen Stimme im Habacher Gemeinderat - eigene Liste für die Wahl
Attacke in Schule: 22 Schüler verletzt, einer ins Krankenhaus geflogen - Großeinsatz
Zehn Rettungswagen, drei Notärzte, 22Schüler mit Atem- und Kreislaufproblemen - das ist die vorläufige Bilanz eines Ausrasters in der Pausenhalle der Realschule …
Attacke in Schule: 22 Schüler verletzt, einer ins Krankenhaus geflogen - Großeinsatz
Andreas Obermaier will ins Sindelsdorfer Rathaus
Für die Gemeinderatswahl in Sindelsdorf hat sich die CSU mit der neu gegründeten Wählergruppe „Offene Bürgerliste“  zusammengetan. Sie schicken auch einen …
Andreas Obermaier will ins Sindelsdorfer Rathaus

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion