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Bürgerbahnhof: Penzberger besuchen das Vorbild in Leutkirch.

Initiative feilt an Bürgerbahnhof-Idee für Penzberg - und erzählt von einem Vorbild mit Brauerei

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Von der Idee, den Penzberger Bahnhof in einen Bürgerbahnhof mit Brauerei, Gastronomie und Bühne zu verwandeln, war schon länger nichts mehr zu hören. Im Hintergrund feilt aber ein Kreis von Penzbergern weiterhin an der Idee. Vor kurzem besuchten sie ein Vorbild im Allgäu. Im November wollen sie ihre Idee einzeln den Stadtratsfraktionen vorstellen.

Penzberg – Die „grobe Idee“ für einen Bürgerbahnhof in Penzberg umfasst derzeit laut Anette Völker-Rasor eine Gastronomie mit kleiner Bühne, eine Brauerei, die vom Penzberger Hobbybrauerverein betrieben wird, und einen Veranstaltungsraum. „Das wäre eine sehr schöne Kombination“, sagt sie. Getragen würde der Bürgerbahnhof, so die Idee, von den Penzberger Bürgern selbst, und zwar in Form einer Genossenschaft.

Anette Völker-Rasor gehört zu einer Initiative, die sich den Namen „Penzberg 2030“ gegeben hat und die die Bürgerbahnhof-Idee vorantreiben will. Im April hatte die Initiative das Konzept öffentlich vorgestellt (wie berichteten). Seither arbeitet sie im Hintergrund an den Plänen. Vor kurzem besuchte der Kreis den Bürgerbahnhof Leutkirch in Allgäu. Diese Woche sprach Völker-Rasor zudem in einem Volkshochschulvortrag über die Bürgerbahnhof-Idee.

In Leutkirch entstand im Jahr 2012 der erste genossenschaftlich betriebene Bahnhof. Das Gebäude beherbergt eine Gastronomie mit Brauerei im früheren Wartesaal, darüber Co-Working-Büros und im Dachgeschoss einen Veranstaltungsraum für Firmen, die sich in der Energiewende engagieren. Getragen wird er von einer Genossenschaft. Diese habe innerhalb von sieben Wochen 660 Mitglieder gewonnen, die Anteile von einer Million Euro gezeichnet haben, erzählt Anette Völker-Rasor, die mit fünf weiteren Mitstreitern in Leutkirch war. Die Stadt habe den Erwerb auf Erbpachtbasis (10 000 Euro im Jahr) möglich gemacht. Innerhalb von zwei Jahren, berichtet sie, sei der denkmalgeschützte Bahnhof saniert worden. Unterstützung gab es durch Landesfördermittel und einen finanzstarken späteren Pächter. Ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt bei der Realisierung war die Genossenschaft. Aber: „Wer da an Dividende denkt, der hat schon verloren; so ein Bahnhof, das ist eine Sache des Gefühls“ – so zitiert die Penzberger Besuchergruppe den Chef der Leutkircher Genossenschaft, Christian Skrodzki.

Diese Woche referierte Anette Völker-Rasor im Rahmen eines Volkshochschulvortrags über Bahnhöfe im Allgemeinen („Ausdruck des bürgerlichen Selbstverständnisses“) und Bürgerbahnhöfe im Besonderen. Zum Beispiel über einen Bürgerbahnhof in Sulzbach mit Vinothek, Büro- und Gemeinschaftsräumen. Oder über ein Beispiel in Dargun bei Rostock, mit Pension, Café und Kanuverleih.

Die Penzberger Initiative wollte eigentlich im Juli ihr Konzept im Stadtrat vorstellen. Doch dazu kam es nicht. „Das ist sehr schade; wir haben es verdient, ernst genommen zu werden“, sagt Konrad Kürzinger, der ebenfalls zu der Initiative gehört. Schließlich nehme man der Stadt viel Arbeit ab. Völker-Rasor sagt, ein Gespräch im Rathaus sei ermutigend gewesen. Sie habe dort aber auch gehört, dass der Bahnhof und das umliegende Areal bis zur Kommunalwahl im März unter „einem Planungstabu“ stünden. Tatsächlich hat der Stadtrat die weitere Bauleitplanung für das Areal verschoben.

Die Initiative lässt sich dadurch nicht aufhalten. Im November soll die Idee laut Völker-Rasor den Fraktionen einzeln erläutert werden. Ebenso soll der Bürgerbahnhof bei verschiedenen Veranstaltungen thematisiert werden. Sie hoffe, so Völker-Rasor, dass über den Winter ein Förderverein entsteht, als „Vorstufe zur späteren Genossenschaft“. So wolle man für die Zeit nach der Wahl „gut gerüstet“ sein. So oder so: Die Realisierung eines Bürgerbahnhofs wird ein Kraftakt: Uwe Geissler schätzt die Investition auf zwei bis drei Millionen Euro. Dies werde man nicht allein stemmen können. Das heißt: Auch die Stadt müsse sich beteiligen.

Lesen Sie auch über ein Beispiel in Uffing: Blauer Bahnhof wird zum grünen Musterhaus

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