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Jetzt hat auch Penzberg ein Repair-Café: „Wir haben’s geschafft“ - eine Nähwerkstatt soll folgen

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Von: Wolfgang Schörner

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Hier wird repariert:Ein Teil der Tüftler im neuen Penzberger Repair-Café. © Wolfgang Schörner

Mit neun Tüftlern ist das Penzberger Repair-Café gestartet. Alle sind technisch versiert: Einer davon, 81 Jahre alt, hat sogar sein altes, einst mit Benzin angetriebenes Auto zu einem Elektro-Auto umgebaut. Bei der Premiere hatten die Reparateure zwar noch nicht viel zu tun. Aber es zeichnet sich schon ab: Es wird bald auch eine Nähwerkstatt geben.

Penzberg – „Wir haben’s geschafft“, freute sich Herbert Preuß am Eröffnungstag des Penzberger Repair-Cafés. Über Monate hatten Seniorenbeirat und Volkshochschule mit dem „Werkraum“-Verein die ehrenamtliche Reparatur-Werkstatt vorbereitet. In Deutschland gebe es über 1000 solcher Repair-Cafés. Die Idee, die 2009 in den Niederlanden ihren Anfang nahm, sei schon „auf der ganzen Welt von Alaska bis Neuseeland“ umgesetzt worden. „Nur nicht in Penzberg – das konnten wir so nicht stehen lassen“, sagte Preuß.

Penzberger Repair-Café: Start mit neun Tüftlern

Mit neun Tüftlern sowie einer Helferin startete nun das Penzberger Repair-Café. Es befindet sich in den Räumen des „Werkraum“-Vereins auf dem Gelände der ehemaligen Molkerei an der Christianstraße. Die Premiere feierten rund 30 Gäste und Unterstützer. Einer der Tüftler ist Joachim Rau. Der 81-jährige Diplom-Ingenieur für Elektro- und Maschinenbau erzählt, dass er seit seiner Jugend „alles repariert, was zu reparieren ist“. Sein einst mit Benzin angetriebenes Auto hatte er sich ebenfalls vorgenommen: Er versah den 32 Jahre alten Pkw mit einem Elektro-Antrieb.

Zum Team gehören ebenso Florian Alt (39), der aus der Computerbranche kommt und sich Computern und Handys widmet, sowie Albert Linner. Der 67-jährige Elektroniker sagt, dass es ihm einfach Spaß bereite zu reparieren. „Deshalb mache ich mit.“ Ähnlich beschreibt Gerhard Steiner (66), Diplom-Ingenieur für Elektrotechnik, seinen Antrieb. Als „begeisterten Handwerker“ beschreibt sich Josef Reißigl (60), der Kfz-Elektriker ist, aber auch sonst viel handwerkliche Erfahrung mitbringt. Dieter Lambertus (62), bei Roche 30 Jahre lang für Elektrotechnik zuständig, glaubt auch, dass beim Reparieren im Café viele Ersatzteile anfallen werden, die an anderer Stelle verwendet werden können.

Repair-Café: Durch Reparieren Ressourcen sparen

Denn das ist das Prinzip der Repair-Cafés: Sie wollen dazu beitragen, dass sich die Müllberge nicht vergrößern und Ressourcen gespart werden – also defekte Dinge nicht gleich weggeworfen, sondern repariert werden. Und dafür werden auch Ersatzteile wiederverwendet. Die Idee für ein Repair-Café hatte ursprünglich Herbert Preuß im Seniorenbeirat eingebracht (wir berichteten). Damals habe er erfahren, dass die Penzberger Volkshochschule ebenfalls diese Idee habe. Beide schlossen sich zusammen und holten den „Werkraum“-Verein ins Boot, der jetzt Träger und Gastgeber des Reparatur-Cafés ist. Herbert Preuß hat selbst Erfahrungen mit dem Reparieren: Als der Fön seiner Frau plötzlich zu zischen und stinken anfing, diagnostizierte er einen Kabelbruch. Der Fön, so Preuß, sei aber nicht in der Tonne gelandet, er habe ihn repariert.

Repair-Café in Penzberg soll auch eine Begegnungsstätte sein

Initiator Preuß wies bei der Eröffnung darauf hin, dass die Tüftler ehrenamtlich arbeiten und sie keine Garantie auf die Reparaturen geben könnten. Außerdem verstehe sich das Repair-Café („Wir haben hier geballte Fachkompetenz“) als Begegnungsstätte, in der sich die Menschen austauschen und zusammen die defekten Dinge reparieren. Finanziert wird das Café aus Spenden. Was er gut findet: dass die EU die Ökodesign-Richtlinie ändern will, damit Produkte einfacher repariert werden können und auch Ersatzteile länger vorrätig gehalten werden. „Das spielt uns in die Hände“, so Preuß.

Weitere Tüftler sind im Repair-Café willkommen. Laut Preuß haben sich am Premierentag schon eine Schneiderin und ein Schneider zur Mitarbeit gemeldet. Beim nächsten Mal könne man auch Näharbeiten anbieten.

Geöffnet ist das Repair-Café an der Christianstraße 8 jeden dritten Freitag im Monat von 14.30 bis 17.30 Uhr. Zu reparierende Dinge (keine Großgeräte) können vorbeigebracht werden. Die benachbarte Radlwerkstatt des „Werkraum-Vereins“ ist jeden Freitag von 15 bis 17 Uhr und samstags von 11 bis 12 Uhr geöffnet.

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