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Sportlehrer Rainer Zaczek gibt einer jungen Syrerin kostenlosen Schwimmunterricht.

Unterricht im Wellenbad

Nwara lernt schwimmen

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Für einen Penzberger Lehrer ist es einfach nur „eine Ehrensache“: Er erteilt einer 15-jährigen Schülerin aus Syrien Schwimmunterricht im Wellenbad. Und zwar kostenlos.

Penzberg – Es herrscht ein reges Treiben im Penzberger Wellenbad: Etwas mehr als 30 Schüler des örtlichen Gymnasiums haben sich am großen Becken zum Schwimmunterricht versammelt. Einer nach dem anderen begibt sich ins Wasser, um ein paar Aufwärmrunden zu drehen. Unter den Achtklässlern ist auch Nwara, ein 15-jähriges Mädchen aus Syrien. Als sie auf der Leiter am Beckenrand steht, blickt sie zu Lehrerin Karola Eysholdt und sagt lapidar: „Ich kann übrigens gar nicht schwimmen.“ Kaum ausgesprochen, springt das Mädchen schon ins Wasser.

Lehrerin Eysholdt ist glücklicherweise sofort zur Stelle und die Aktion endet letztlich harmlos. Nwara verbringt die verbliebene Unterrichtszeit im Babyplanschbecken. Doch zeigt Eysholdt der Vorfall: „Jemand muss Nwara das Schwimmen lernen.“ Selbst kann die Oberstufenkoordinatorin diese Aufgabe nicht übernehmen, da sie mit der Aufsicht über die restliche Klasse nach eigener Aussage genug beschäftigt ist. „Die Situation im Wellenbad ist mit so vielen Kindern wirklich unübersichtlich. Da kann man sich nicht gleichzeitig auch noch um eine Nicht-Schwimmerin kümmern.“

Ein Glückspilz, wer Rainer Zaczek in seinen Reihen weiß. Der erfahrene Sportlehrer bietet sogleich Hilfe an, als ihm seine Kollegin von der Problematik erzählt. Sechs Mal will er Nwara für je eineinhalb Stunden Einzelunterricht geben. Dass die Bezahlung seiner Sonderdienste zu diesem Zeitpunkt noch ungeklärt ist – für Zaczek kein Problem. „Bei so etwas geht es nicht um Geld“, betont der Penzberger. „Das ist für mich eine Ehrensache.“

Fünf Einheiten haben Zaczek und Schülerin Nwara nun bereits gemeinsam absolviert. Die Jugendliche mache dabei große Fortschritte, sagt der Schwimmlehrer. 14 Meter könne sie mittlerweile schon Brustschwimmen ohne eine Pause zu machen. Dies liege nicht zuletzt am großen Fleiß der 15-Jährigen. „Nwara ist total engagiert und versucht, genauso wie in der Schule, alles nachzulernen.“ Das Mädchen floh vor zwei Jahren mit ihrer Familie aus dem syrischen Kriegsgebiet nach Deutschland. Zuerst lebte sie für ein Jahr in Lenggries. Nun wohnt sie in Kochel und besucht seit diesem Schuljahr das Penzberger Gymnasium. Wie viele andere geflüchtete Kinder, hat sie in ihrem Herkunftsland nie Schwimmen gelernt. In Deutschland kam es aufgrund dieser Problematik schon zu einigen Unglücksfällen unter Flüchtlingen.

Fragt man Nwara, ob ihr der Schwimmunterricht Spaß mache, beginnt das Gesicht der 15-Jährigen förmlich zu strahlen. Ihr Grinsen erstreckt sich über beide Backen, als sie in beachtlich gutem Deutsch sagt: „Ich bin so dankbar für die Hilfe von Herr Zaczek. Er ist wirklich ein wunderbarer Lehrer. Ich weiß, dass ich sehr großes Glück habe.“ Dass das Üben mit ihrem „Privatlehrer“ nach der nächsten Einheit aufgrund des Stundenplans vorbei ist, findet sie zwar „sehr schade“, doch will sie in Zukunft in ihrer Freizeit weitertrainieren.

Damit das auch klappt, hat Lehrerin Karola Eysholdt ihre Verbindung zum Lions-Club Bad Tölz, in dem sie Mitglied ist, genutzt. Im Rahmen des letztjährigen Adventskalenders der Vereinigung hatte Bürgermeisterin Elke Zehetner vier Eintrittskarten für das Wellenbad gespendet. Der per Losentscheid ermittelte Gewinner hatte seinen Preis jedoch nie abgeholt. Also entschied Eysholdt nun nach Absprache mit Zehetner, dass die Karten in die Hände von Schülerin Nwara wandern sollen. „Eine schöne Geste unserer Bürgermeisterin“, unterstreicht sie.

Auch an Zaczek hat der Lions-Club gedacht: 270 Euro übergibt er an das Gymnasium, um dessen Arbeitsstunden zu bezahlen. Der Lehrer freut sich natürlich über den unerwarteten Lohn, bleibt seiner Linie aber treu: „Wenn Nwara irgendwann noch einmal mit mir üben will, stehe ich ihr selbstverständlich ehrenamtlich zur Verfügung.“

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