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Mikrometerarbeit statt Millimeterarbeit: „Messtec“-Chef Kersten Stöbe mit einer Platte für ein Lasersystem, aus der eine Fünf-Achs-Fräsmaschine Vertiefungen auf hundertstel Millimeter genau herausgefräst hat.

Diskussion um Blaulichtzentrum

Messtec-Chef zur neuen Straße für das Blaulichtzentrum: Schon leichte Erschütterungen schaden

  • vonWolfgang Schörner
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Gegen ein Blaulichtzentrum habe er nichts, sagt „Messtec“-Firmenchef Kersten Stöbe. Aber gegen die Verlängerung der dortigen Straße. Schon leichte Erschütterungen durch schwere Fahrzeuge könnten den High-Tech-Produkten seiner Firma schaden. Stöbe hat nun seine Einwände näher erläutert.

Penzberg – In der Diskussion um das geplante Blaulichtzentrum in Penzberg hat Kersten Stöbe, Geschäftsführer der Firma „Messtec“, seine Einwände im Gespräch mit der Heimatzeitung präzisiert. Er sei grundsätzlich nicht gegen ein Blaulichtzentrum, erklärte er. Auch mit dem Standort auf dem Layritz-Areal könne er leben. Einwände hat der Firmeninhaber jedoch gegen eine Verlängerung der Straße „Am alten Kraftwerk“ – bislang eine Sackgasse – direkt an seinem Betrieb vorbei, teilweise auch übers Firmengrundstück, zur Straße „Grube“. Weil sich laut Stöbe Erschütterungen durch schwere Fahrzeuge auf die Produktqualität auswirken und eine Firmenerweiterung unmöglich würde. Die Straßenverlängerung ist Teil einer Bebauungsplanänderung, die jüngst der Bauausschuss besprochen hat.

Neue Straße für Blaulichtzentrum: Messtec kann nicht mehr erweitern

Eine Erweiterungsmöglichkeit für seine Firma – sie beschäftigt etwa 30 Mitarbeiter und hat schon heute Flächen in Nachbargebäuden angemietet – bestehe nur in Richtung Norden, dort, wo die Straße verlaufen soll, sagt der Firmenchef. Wird die Straße gebaut, müsste er, wenn er erweitern will, Penzberg mit seiner Firma verlassen. 1985 hatte sich die Firma an dem Standort angesiedelt.

Sorge wegen Erschütterungen durch schwere Fahrzeuge

Das andere Problem sind laut Stöbe Erschütterungen durch schwere Fahrzeuge von Feuerwehr und Bauhof. „Messtec“ stellt Elektronikkomponenten für Lasersystemen her. Ebenso ist sie ein Spezialist für präzise Elektronik- und Mechanikteile. Bei den Mechanikteilen werde auf zehn Mikrometer genau gearbeitet, so Stöbe. Das ist ein hundertstel Millimeter. Bei den Elektronikteilen gehe es in Zukunft um 20 bis 40 Mikrometer. Ein Haar habe 50 bis 100 Mikrometer, sagt er. Schon leichte Vibrationen können zum Problem für die High-Tech-Produkte werden.

Eine Verlängerung der Straße sieht Stöbe auch aus einem weiteren Grund als Problem. An der Straße „Grube“ werde es schon jetzt eng, wenn die Lieferfahrzeuge für seine Firma, das nahe Küchenstudio und das Tierfuttergeschäft rangieren. „Ein Nadelöhr“, warnt er. Im Notfall kämen Rettungsfahrzeuge womöglich nicht durch. Auch wegen parkender Autos sei nicht viel Platz. Was hinzukommt: Ein Teil der Straße soll laut Bebauungsplan über das äußere Eck des Firmengrundstücks verlaufen, dort wo sich eine Sitzgruppe und eine alte Buche befinden.

Geplantes Biomassekraftwerk würde weiteren Schwerlastverkehr bringen

Stöbe sorgt sich aber auch wegen des geplanten Biomasseheizkraftwerks. Die Stadtwerke planen es jenseits des neuen Straßenabschnitts im Waldstück gegenüber der Firma „Messtec“. Er befürchtet, dass es zusätzlich Schwerlastverkehr sowie eine Staubbelastung mit sich bringt. Er plädiert daher, für das Kraftwerk einen anderen Standort zu suchen, zum Beispiel zwischen neuem Schwimmbad und Stadion oder auf dem Edeka-Gelände.

Nach Ansicht des „Messtec“-Geschäftsführers, der vor acht Jahren das Unternehmen übernommen hat, gibt es keine Notwendigkeit, die Straße zu verlängern. Über die bestehende Sackgasse „Am alten Kraftwerk“ könnten die Einsatzfahrzeuge doch in Richtung Nonnenwaldstraße, Grube und Innenstadt abbiegen, sagt er.

Neue Straße am Blaulichtzentrum: Diskussion um Schrankenlösung

Der Penzberger Feuerwehrkommandant Christian Abt weist allerdings darauf hin, dass eine Notausfahrt gesetzlich vorgeschrieben ist. Aus Sicht der Feuerwehr, sagt Abt, könnte das neue Straßenstück aber als Notausfahrt mit Schranke geplant werden, also nicht als Durchfahrtsstraße. Seitens des Stadtbauamts hieß es dazu auf Nachfrage, dass die Verlängerung zur „Grube“ bislang als normale Straße vorgesehen war, über eine Notausfahrt mit Schranke aber diskutiert werden kann. Laut Bauamt soll noch einmal mit den Rettungsorganen gesprochen werden. Auch einen Bauausschuss-Termin mit „Messtec“ soll es geben.

Geschäftsführer Stöbe ist jedoch skeptisch, ob eine Schrankenlösung funktionieren würde. „Irgendwann weicht das auf“, spätestens wenn die Lkw für das Biomasse-Kraftwerk auch diesen Weg nehmen wollen, befürchtet er.

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