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Rad- und Gehweg auf dem Bahndamm.

Pläne in Penzberg

Neue Spazierwege mit großem Haken - Ausschuss lehnt Canyon am alten Bahndamm ab

  • vonWolfgang Schörner
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Neue Spazierwege und eine parkähnliche Anlage sollen geschaffen werden, wenn entlang des Säubachs ein neues Hochwasserrückhaltebecken entsteht. Damit war der Bauausschuss am Dienstag einverstanden. Was ihm aber gar nicht schmeckte: dass dafür ein Teil des Gehwegs auf dem alten Bahndamm geopfert werden soll.

Penzberg – Derzeit laufen in Penzberg die Planungen für ein Hochwasserrückhaltebecken, das bis 2023 oder 2024 entlang des Säubachs auf Höhe des künftigen Familienbads entstehen soll (siehe unten). Parallel dazu gibt es die Idee, neue Spazierwege und eine parkähnliche Anlage zu schaffen, die man auch bei Hochwasser trockenen Fußes begehen kann. Es sei „eine Superchance“, weil die Stadt ohnehin Geld für das Rückhaltebecken in die Hand nehme, sagte Landschaftsarchitektin Mechthild Girsig aus Freising. Sie stellte dem Penzberger Bauausschuss am Dienstagabend das Wegekonzept vor.

Neue Spazierwege: Nord-Süd-Verbindung entlang des Säubachs

Ein Teil des Vorschlags ist, einen komplett neuen Geh- und Radweg zu schaffen, der von der Birkenstraße, nördlich der Containerkrippe, um das Familienbad herumführt und am alten Bahndamm bei den Tennisplätzen endet. Er soll, leicht erhöht, in Sichtweite des Säubachs von Nord nach Süd verlaufen. Ein weiterer neuer Fußweg soll von der Ahornstraße nach Süden führen und auf den Weg vom Nonnenwaldstadion treffen. Im Bauausschuss wurden die neuen Nord-Süd-Verbindungen einhellig begrüßt.

Parkähnliche Anlage am Säubach - mit großem Haken

Problematischer wurde es allerdings, als es um die parkähnliche Anlage ging, die am Säubach zwischen Tennisplätzen und Schlossbichl entstehen soll. In diesem Bereich soll auch das Drosselbauwerk für den Säubach geschaffen werden. Landschaftsarchitektin Girsig schlug vor, dieses Areal mit neuen Gehwegen, Sitzgelegenheiten, Aussichtsplätzen und einer Säubachbrücke zu gestalten.

Dies stieß zwar grundsätzlich auf Wohlwollen. Protest gab es jedoch für den Vorschlag, dafür einen Teil des bestehenden Geh- und Radweges auf dem alten Bahndamm zu opfern. Er würde quasi unterbrochen, damit der derzeit dort verrohrte Säubach frei fließen kann. Der Weg würde in kleinen Plätzen mit Bänken und Trampelpfad enden – wie an einem Canyon. Als neue Verbindung schlug die Landschaftsarchitektin einen Weg vor, der ein paar Meter weiter nördlich parallel verläuft und in Form einer Brücke über das Drosselbauwerk führt.

Bauausschuss kritisiert Einschnitt beim alten Bahndamm

Grundsätzlich wurde Stadtbaumeister Justus Klement bei diesem Vorschlag: Der alte Bahndamm – er führte zum ehemaligen Güterbahnhof – sei früher eine Lebensader der Stadt gewesen. Dort wurde die Kohle transportiert. Heute sei diese Ost-West-Achse ein schöner Radweg, „eine funktionale Achse“, wie er sagte.

Dankbar wurde dies im Bauausschuss aufgenommen. „Der funktionierende Weg am Bahndamm erlebt einen Einschnitt“, sagte Armin Jabs (BfP). „Die Zäsur wäre extrem schmerzhaft“, bestätigte Maria Probst (CSU). Jabs und Sebastian Fügener (Grüne) kritisierten auch, dass die bisherige gerade verlaufende Verbindung zweimal abknicken soll und dann bei der neuen Brücke jeweils fünf Prozent Steigung und Gefälle hätte. „Die Ost-West-Verbindung am Bahndamm ist uns ans Herz gewachsen“, sagte Hardi Lenk (SPD). Er bat, andere Varianten vorzulegen, bei denen der Weg am Bahndamm bleiben kann. Dafür plädierte auch Bürgermeister Stefan Korpan (CSU). Am Ende votierte der Ausschuss zwar einstimmig dafür, die Planungen für das Wegekonzept fortzuführen. Zugleich forderte er aber andere Lösungen für den Bahndamm.

Der Hintergrund: Die Pläne für das „Herzstück“ des Hochwasserschutzes

Um Penzberg künftig besser vor Hochwasser zu schützen, soll am Säubach auf Höhe des neuen Familienbads ein riesiges Hochwasserrückhaltebecken entstehen. Wobei das Wort „Becken“ irreführend ist. „Überflutungsfläche“ würde es besser treffen. „Das Wasser staut sich in der Landschaft, es gibt kein betoniertes Becken“, erklärt Landschaftsarchitektin Mechthild Girsig vom Büro „Dr. Schober“ aus Freising. Laut Stadtbaumeister Justus Klement wird der neue Rückhaltebereich entlang des Säubachs geschaffen: beginnend beim kleinen Walddreieck südlich der Birkenstraßen-Grundschule, nördlich an der Container-Krippe und östlich am Familienbads vorbei bis zur Höhe der Tennisplätze. Dort, kurz vor dem alten Bahndamm mit seinem Fußweg, soll nach den aktuellen Plänen ein Bauwerk entstehen, das bei Starkregen den Säubach-Durchfluss drosselt. An dieser Stelle wird das Wasser im Ernstfall zurückgestaut. Laut Klement müssen dort deswegen zwei Tennisplätze geopfert werden. Ziel sei es, auf diese Weise bei Hochwasser alle Flächen in der Penzberger Innenstadt zu entlasten, die flussabwärts am Säubach liegen, so Stadtbaumeister Klement. Entlastet werden soll ebenso der Zusammenfluss von Säubach und Schwadergraben an der Bichler Straße. „Das ist immer noch eine kritische Stelle“, erklärt Klement.

Hintergrund der Pläne ist ein Hochwasserschutzkonzept aus den Jahren 2009 und 2010, das sich um den Schutz bei einem Regenereignis der Kategorie „HQ100+Klimazuschlag“ dreht. Aus dem Katalog wurde bisher ein Projekt realisiert (2010 und 2011):die Aufweitung des Schwadergrabens samt Umbau des Zusammenflusses mit dem Säubach an der Bichler Straße. Das geplante Hochwasserrückhaltebecken am Säubach soll laut Klement bis 2023 oder 2024 fertig sein. Es sei das „Herzstück“ des Hochwasserschutzkonzepts, sagt Planerin Susanne Vogel vom Büro „Inros Lackner“ aus München. Das Volumen, dass im Ernstfall durch das Drosselbauwerk zurückgehalten werden muss, beträgt ihr zufolge circa 65 000 Kubikmeter (65 Millionen Liter Wasser). Das Drosselbauwerk darf nur 4,8 Kubikmeter Wasser pro Sekunde durchlassen.

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