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Neues Wohnviertel wird deutlich teurer: Stadt ächzt unter steigenden Kreditzinsen

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Von: Wolfgang Schörner

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Die ersten beiden Blöcke im Neubauviertel sollen Anfang 2024 bezugsfertig sein. Zu sehen sind dort hinter dem Baugerüst die dunklen Holzverkleidungen. Verzögerung kann teuer werden
Die ersten beiden Blöcke im Neubauviertel sollen Anfang 2024 bezugsfertig sein. Zu sehen sind dort hinter dem Baugerüst die dunklen Holzverkleidungen. © Wolfgang Schörner

In einem Jahr soll die erste von vier Gebäudezeilen im städtischen Neubauviertel westlich der Birkenstraße bezugsfertig sein. Zur Finanzierung nimmt die Stadt nun einen zweiten Kredit auf, mit einem Volumen von zwölf Millionen Euro – ausgerechnet in einer Phase steigender Zinsen. Früher durfte sie ihn jedoch nicht aufnehmen.

Penzberg – Wer ein Haus baut und einen Kredit braucht, achtet genau darauf, wie hoch gerade der Zinssatz ist. Denn schnell kann einem die Sache über den Kopf wachsen. Seit Anfang 2022 sind die Bauzinsen deutlich gestiegen. Vor einem Jahr lagen sie noch knapp über Null. Bis Ende Dezember stiegen sie, je nach Beleihung und Zinsbindung, auf etwa 3,6 bis 4,5 Prozent im Jahr.

Rund 33 Millionen Euro finanziert die Stadt über Kredite

Was private Bauherrn einrechnen, muss auch die Stadt Penzberg beachten. Den Bau des Wohnviertels westlich der Birkenstraße mit 149 Mietwohnungen finanziert sie großteils über Kredite. Die erste Gebäudezeile mit 33 Wohnungen soll im Januar 2024 bezugsfertig sein, die zweite zwei Monate später. Läuft alles nach Plan, könnten die beiden letzten Blöcke im Frühsommer 2024 bezogen werden. Die Kosten betragen rund 55 Millionen Euro – so hieß es im vergangenen Juli beim Richtfest. Von der Regierung von Oberbayern erwartet die Stadt einen Zuschuss von 20,4 Millionen Euro. Rund 33 Millionen Euro finanziert sie über Kredite.

Ursprünglich war die Stadt von einem zinslosen Darlehen ausgegangen

Ursprünglich hatte die Stadt gehofft, dass kaum Zinsen fällig werden – noch Anfang 2022 lag die Zinshöhe um die null Prozent. Es wäre quasi ein zinsloses Darlehen gewesen. Doch im vergangenen Jahr begannen die Zinsen zu steigen. Einen ersten Kredit von 21 Millionen Euro nahm die Stadt in der zweiten Jahreshälfte 2022 auf – noch zu relativ günstigen Konditionen, wie Stadtkämmerer Hans Blank auf Nachfrage sagt. Die zweite Kreditaufnahme mit 20 Jahren Laufzeit, diesmal für zwölf Millionen Euro, folgt aber erst in Kürze. Der Stadtrat hatte ihr vor Weihnachten im Rahmen des Haushaltsbeschlusses zugestimmt. Aufgenommen werden kann der Kredit, wenn der Landkreis den Haushalt genehmigt hat und die Bekanntmachungsfrist abgelaufen ist. Das wird vermutlich im Februar sein. Wie hoch der Zins dann sein wird, könne man nicht sagen, so Blank in der Sitzung. Die Aufnahme sollte aber schnellstmöglich erfolgen. Einen günstigen Zeitpunkt zu erwischen ist ihm zufolge schwer: Die Zinssätze schwanken am Tag um 0,3 Prozent.

Grüne: Verzögerung kostet die Stadt mehrere Millionen Euro

Besser wäre gewesen, hätte die Stadt, wie eigentlich geplant, den gesamten 33-Millionen-Euro-Kredit zu einer Zeit aufgenommen, als bei der Zinshöhe noch eine Null vor dem Komma stand. Im vergangenen Sommer hatte Grünen-Fraktionschefin Kerstin Engel im Stadtrat kritisiert, dass der Stadt die Verzögerung bei der Kreditaufnahme mehrere Millionen Euro kosten könnte. Ihre Kritik zielte damals auf die Aufsichtsbehörde, den Landkreis. Diese hatte den ersten Haushaltsentwurf 2022 unter anderem mit der Begründung abgelehnt, dass die Stadt für das Neubauviertel Kredite nur im Gleichklang mit dem Baufortschritt aufnehmen darf, also nicht die gesamten 33 Millionen Euro auf einmal. Die Folge: Die Stadt konnte 2022 nur 21 Millionen Euro leihen. Die zweite Tranche von zwölf Millionen musste sie ins Jahr 2023 verschieben. Zu einem Teil ist das Problem aber auch hausgemacht: Es verstrich viel Zeit, bis sich der Stadtrat im April 2022 auf den Haushalt verständigte. Wäre schon Anfang 2022 ein genehmigungsfähiger Haushalt beschlossen worden, hätte die Stadt zumindest für den 21-Millionen-Kredit vom günstigeren Zinssatz profitiert.

Folgen könnte das alles auf die Miethöhe haben. Grünen-Fraktionschefin Engel hatte im Sommer gewarnt, lege man die Zinslast auf die Miete um, werde diese „deutlich über dem Marktniveau“ sein.

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