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Leer steht das alte Gebäude an der Karlstraße nach dem Auszug der Wäscherei: Dort befand sich von 1899 bis 1970 ein Schlachthof. Grundstück und Gebäude gehören der Stadt Penzberg. Die Novita-Stiftung würde gern dort – und nicht an der Gartenstraße – das neue Seniorenzentrum bauen lassen.

Neubau des Seniorenzentrums  

Novita-Stiftung liebäugelt mit Karlstraße

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Die Novita-Stiftung wird das städtische Seniorenzentrum an der Gartenstraße in Penzberg übernehmen. Sie liebäugelt allerdings bereits mit einem anderen Gelände. 

Penzberg – Christoph Hofmann hat sich das frühere Schlachthofgelände an der Karlstraße in Penzberg diese Woche angeschaut. Er ist Geschäftsführer der Novita-Stiftung, die am 1. Oktober vom AWO-Bezirk das städtische Seniorenzentrum an der Gartenstraße übernimmt (wir berichteten). Von dem Gelände an der Karlstraße ist er angetan. Es sei „viel reizvoller“ für ein Seniorenzentrum, sagt er. Hofmann könnte sich vorstellen, dass die Stiftung dort – und nicht an der Gartenstraße – ein neues Seniorenzentrum bauen lässt. Das Grundstück gehört wie das Areal an der Gartenstraße der Stadt.

Der Hintergrund der Überlegung ist, dass das bestehende Seniorenzentrum an der Gartenstraße bis zum Jahr 2022 vollständig erneuert sein muss. Dann endet die Frist, die die Landkreis-Heimaufsicht gesetzt hat, um das Haus an die neuen gesetzlichen Vorgaben anzupassen. Im Prinzip heißt das: Das alte Seniorenzentrum muss abgerissen und neu gebaut werden. Diese Idee stammt noch aus den Zeiten, als der AWO-Bezirk Oberbayern und die Stadt Penzberg eine gemeinsame Zukunft planten.

Novita-Chef Hofmann glaubt aber, dass es besser wäre, auf dem alten Schlachthofgelände an der Karlstraße ein neues Seniorenzentrum bauen zu lassen. Solange könnte der Betrieb an der Gartenstraße weiterlaufen. Steht der Neubau, würde das Seniorenzentrum umziehen. Laut Hofmann wäre das innerhalb der Heimaufsicht-Frist zu schaffen. Als Beispiel nennt er das Novita-Seniorenzentrum in Baar-Ebenhausen bei Ingolstadt: Dort habe es vom Planungsbeginn bis zur Eröffnung im Juli 2016 genau zwei Jahre gedauert. Wovon er dagegen abrät, ist, das Seniorenzentrum aufzuspalten – stationäre Pflege an der Gartenstraße, betreutes Wohnen an der Karlstraße. Ihm zufolge ist es besser, wenn alles an einem Ort gebündelt wird.

Grundstück liegt zentral - das Gebäude steht leer 

Im Rathaus gibt es den Gedanken, dass das neue Seniorenzentrum an der Karlstraße entsteht, schon seit geraumer Zeit. Der Vorteil: Das Grundstück liegt zentral, es gehört der Stadt und das Gebäude steht leer. Das Areal, hieß es vor einigen Monaten im Rathaus, genüge den Anforderungen eines Pflegebetriebs. Der Bebauungsplan könnte schnell geändert werden. An der Gartenstraße könnten im Gegenzug neue Wohnungen entstehen. Aber noch ist darüber nicht entschieden. Die Novita-Stiftung übernimmt nun erst einmal das Seniorenzentrum an der Gartenstraße.

Laut Hofmann wird die Stiftung das Gelände oder das Haus nicht von der Stadt kaufen. „Wir kaufen grundsätzlich nicht.“ Die Stiftung steige in den Mietvertrag des AWO-Bezirks ein. „Wir sind Betreiber von zehn Pflegeheimen, aber besitzen keines.“ Man werde auch nicht selbst bauen. Dies übernehmen Bauträger. „Wir haben da sehr gute Erfahrungen gemacht“, sagt Hofmann. Im Rathaus hat er sich und die Novita-Stiftung bereits vorgestellt. Es sei „eine offene und angenehme Gesprächsatmosphäre“ gewesen.

Der Geschäftsführer bestätigt auch, wie vom AWO-Bezirk angekündigt, dass für die Mitarbeiter – derzeit 110 Vollzeit- und Teilzeitkräfte – der AWO-Tarifvertrag weiter gelten wird. Die Stiftung selbst, erklärt er, habe keinen Tarifvertrag, sondern freie Vereinbarungen mit ihren Mitarbeitern. „Das ermöglicht es uns, den AWO-Tarifvertrag weiterzuführen.“ Was die Bewohner des Seniorenzentrums – derzeit 86 – betrifft, kündigte er an, dass der Belegungsstopp ab sofort aufgehoben sei.

Stiftung kann Vorgaben der Stadt erfüllen

Erfüllen kann die Novita-Stiftung ihm zufolge auch alle Vorgaben der Stadt: stationäre Pflege, ambulante Pflege, Kurzzeitpflege, Tagespflege und betreutes Wohnen. Wobei er einschränkt, dass es aus seiner Sicht sinnvoller ist, bei der ambulanten Pflege mit ortsansässigen Pflegediensten zusammenzuarbeiten. Auch hier nennt er Ebenhausen-Baar als Beispiel: Dort habe man 58 Plätze im betreuten Wohnen und kooperiere mit einem örtlichen Pflegedienst. „Das wäre unsere bevorzugte Strategie“, so Hofmann.

Derzeit hat Novita zehn Häuser. Weitere sind im Bau oder sollen demnächst übernommen werden. Laut Hofmann beschäftigt die Stiftung aktuell 600 Mitarbeiter, die sich um 800 Bewohner kümmern. In den vergangenen zehn Jahren, erklärt er, habe man nicht selbst die Expansion gesucht, man habe auf Anfragen reagiert. Dies sei gelungen, da die Führungskräfte in den Heimen hinter der Philosophie der Stiftung stehen: Punkte dieser Philosophie seien, so Hofmann, die Möglichkeit, dass sich Mitarbeiter weiterentwickeln, offene Kommunikation, Teamgeist und flache Hierarchie.

Novita mit Sitz im oberbayerischen Landkreis Pfaffenhofen war 2007 als „Novita Leben im Alter GmbH“ entstanden. 2014 brachten Christoph Hofmann und sein Bruder ihre Anteile in die neue Novita-Stiftung ein.

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