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Gut Hub: Öko-Pläne für zehn Hektar - mit weidendem Vieh?

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Von: Wolfgang Schörner

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Ökologisch aufgewertet werden soll die Fläche zwischen Gutsgebäude und Hubkapelle (links hinten).
Ökologisch aufgewertet werden soll die Fläche zwischen Gutsgebäude und Hubkapelle (links hinten). © Franziska Seliger

Die Stadt Penzberg setzt den Öko-Umbau auf Gut Hub fort. Sie fasst als nächsten Schritt die ökologische Aufwertung von rund zehn Hektar ins Auge, die sich zwischen dem Gutsgebäude und der Hubkapelle befinden. Die Stadt will die Landwirtschaft extensivieren und strebt eine Hutelandschaft an, auf der Vieh weidet.

Penzberg – Rund 100 Hektar hat das Gelände von Gut Hub und Vordermeier im Westen Penzbergs, das die Stadt Penzberg Mitte der 1990er Jahre gekauft hat und ein wichtiges Naherholungsgebiet ist. Es besteht zu fast 40 Prozent aus Wald und umfasst ebenso Seen und Wiesen. Auf etwa zwölf Prozent wird Landwirtschaft betrieben. Bereits 2016 beschloss der Stadtrat ein Konzept für Gut Hub, das eine ökologische Aufwertung zum Ziel hat – damals waren gerade die ersten Hotel-Pläne in einem Bürgerentscheid gescheitert. Der zweite Anlauf scheiterte wenige Jahre später.

Zu dem Konzept gehörte, dass die intensive Landwirtschaft innerhalb der nächsten Jahre auf extensive Bewirtschaftung umgestellt wird, neue Bäume gepflanzt werden sowie eine Streuobstwiese und ein „Sonnenacker“ entstehen, auf dem Bürger selbst Gemüse anbauen können. In das Konzept flossen Ergebnisse einer Studentenarbeit der TU München von 2015 über „ökologisches Aufwertungspotenzial“ ein. Laut dem Klimaschutzbeauftragten Carl-Christian Zimmermann wurden Teile bereits umgesetzt, zum Beispiel Wiederaufforstungen und die Anpassung der Pachtverträge mit Landwirten.

Nun nimmt sich die Stadt eine etwa zehn Hektar große Fläche zwischen dem Gutsgebäude und der Hubkapelle westlich des Fußweges vor. Zimmermann sprach in der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses von der „dringenden Notwendigkeit“, ein neues Entwicklungskonzept aufzustellen. Er begründete dies mit einem Stadtratsbeschluss vom Januar, wonach auf einer Landwirtschaftsfläche nahe der Bahnstrecke ein Solarpark entstehen soll. Diese Fläche werde zwar ökologisch aufgewertet, weil sie dann nicht mehr bewirtschaftet wird, so Zimmermann. Der Beschluss im Januar hob aber auch die Entscheidung von 2016 zum Gesamtkonzept auf. Insgesamt wolle man an dem damaligen Konzept festhalten, nun aber zunächst detaillierter auf die Teilfläche südlich des Gutsgebäudes blicken, erklärte Zimmermann.

Er berichtete, dass man sich bei einer Begehung mit der Unteren Naturschutzbehörde und der Waldbesitzervereinigung auf diese Fläche geeinigt habe. Sich das komplette Areal von Gut Hub auf einmal vorzunehmen, würde die Stadt überfordern. Man müsse Schritt für Schritt vorgehen, sagte er.

Ziel sei eine „Attraktivierung unter ökologischen Gesichtspunkten“, sagte Zimmermann in der Sitzung. Die landwirtschaftliche Fläche soll ihm zufolge extensiviert werden. Wobei man damit sicher nicht schon nächstes Jahr starten könne. Womöglich werde es noch einmal einen Getreideanbau ohne Gülle geben, um dann für 2024 eine Extensivierung anzustreben, sagte er. Das Areal soll zudem eine „wellenartige Waldabrundung“ erhalten, einen „fließenden Übergang“ von Wiese zu Wald. Geschlossen würde der Graben, um die Wiese wieder zu vernässen. Denkbar ist ihm zufolge eine Beweidung. Man sei mit interessierten Landwirten im Gespräch, erklärte er. Langfristiges Entwicklungsziel sei eine „Hutelandschaft“, eine Fläche, auf der Vieh weidet. Das Weidekonzept müsste Tiere vorsehen, die auf dem feuchten Standort zurechtkommen. Die Studenten hatten in ihrer Arbeit vor sieben Jahren Murnau-Werdenfels-Rinder vorgeschlagen. Es werde aber auch ein Konzept ohne Beweidung erstellt, erklärte er.

Mit dem Entwicklungskonzept beauftragt wurde das „PAN Planungsbüro für angewandten Naturschutz“ aus München. Die Planungskosten belaufen sich auf knapp 31.000 Euro. „Das wird sich mehr als rentieren“, sagte Zimmermann. Hardi Lenk (SPD) legte in der Ausschusssitzung zudem Wert darauf, dass der Stadtrat bei allen Schritten einbezogen wird. „Es ist unser schönstes Naherholungsgebiet.“ Er verwies zudem darauf, dass die Stadt auf diese Weise Ökopunkte sammeln kann, mit denen sie Eingriffe in die Natur an anderer Stelle ausgleichen kann.

Laut Zimmermann werden zwischen Juni und August zunächst Flora und Fauna kartiert. Das Entwicklungskonzept könnte dann im Februar oder März 2023 vorliegen. Danach beginne die Umsetzung.

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