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Vorbild: Auf einer Drehleiter wurde in der Partnerstadt Lugau das Steigerlied.

75. Jahrestag der Mordnacht vom 28. April 1945

Penzberger Mordnacht-Gedenken in Corona-Zeiten: 16 Musiker, Glocken und weiße Tücher

  • vonWolfgang Schörner
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Die Corona-Krise hat den Gedenkfeiern zur Penzberger Mordnacht am 28. April 1945 einen Strich durch die Rechnung gemacht, zum Beispiel der Mahnblumen-Aktion. Dennoch soll am 75. Jahrestag an die 16 Mordopfer erinnert werden: mit Glockenläuten, weißen Tüchern und 16 Musikern.

Penzberg – 16 Musiker sollen in einer Woche am Dienstag, 28. April, dem 75. Jahrestag der Penzberger Mordnacht, an 16 verschiedenen Orten in Penzberg auf Trompete und Flügelhorn das „Steigerlied“ spielen. Einer der Musiker wird dabei auf einer Drehleiter über dem Stadtplatz stehen, ein anderer auf dem Christkönigskirchturm. Die Bevölkerung soll weiße Tücher aus den Fenstern hängen und die Musik von daheim aus verfolgen.

So in etwa ist es gedacht. Der Penzberger SPD-Chef Bayram Yerli stellte am Montag die Idee seines Ortsvereins gemeinsam mit Bürgermeisterin Elke Zehetner, Musikschulleiter Johannes Meyer und Simon Zehentbauer, Dirigent der Stadt- und Bergknappenkapelle, vor. Man wolle den 75. Jahrestag der Mordnacht trotz der Einschränkungen durch die Corona-Krise möglichst würdevoll begehen, sagte Bürgermeisterin Elke Zehetner bei der Präsentation. „Es ist ein Tag, den man nicht einfach so verstreichen lassen darf“, pflichtete Yerli bei.

Mordnacht-Gedenken: 16 Musiker an 16 Orten spielen das Steigerlied

Dass 16 Musiker an 16 verschiedenen Orten im Stadtgebiet spielen, hat mit der Zahl der 16 Mordopfer vom 28. April 1945 zu tun. Um 18 Uhr sollen zuerst die Glocken der Penzberger Kirchen läuten. Danach spielen die Musiker. Yerli bittet die Bevölkerung, in dieser Zeit nicht mit dem Auto zu fahren, sondern daheim zu bleiben, die Fenster aufzumachen, weiße Tücher „als solidarisches Zeichen“ hinauszuhängen und von dort aus der Musik zuzuhören, um „so in schwieriger Zeit der Ermordeten zu gedenken“. Parallel dazu wird laut Zehetner eine kleine Besetzung, das heißt sie und die Vorsitzenden der Parteien, Kränze am Penzberger Friedhof niederlegen. Für diese Art des Gedenkens, sagte sie, habe das Landratsamt eine Sondergenehmigung erteilt.

Auf einer Feuerwehr-Drehleiter 30 Meter über dem Stadtplatz

Die Musiker, die nächste Woche am Dienstag mit Trompete und Flügelhorn zwei Strophen des Steigerlieds spielen werden, kommen von der Stadt- und Bergknappenkapelle sowie aus der Musikschule. Man habe das Steigerlied ausgewählt, weil es eine andächtige Melodie und nicht zu schwer zu spielen sei, so Dirigent Zehentbauer. Einer der Musiker – es wird Bernhard Schreyer sein – wird mit seiner Trompete rund 30 Meter über dem Stadtplatz im Korb der Feuerwehr-Drehleiter stehen. Nahe dem Rathaus waren vor 75 Jahren einige der Opfer erhängt worden. Weitere geschichtsträchtige Orte, an denen Musiker spielen, werden das Denkmal des 28. April 1945 und der Friedhof sein, an dem die Ermordeten begraben liegen.

Inspiration kommt aus der Partnerstadt Lugau

Beim Trompeter, der in 30 Metern Höhe auf einer Drehleiter steht und spielt, haben sich die Initiatoren von der Feuerwehr in der Partnerstadt Lugau inspirieren lassen. In dem sächsischen Ort war vor kurzem der junge Trompeter Moritz Böhme in den Drehleiter-Korb gestiegen, um über den Dächern der Stadt das Steigerlied zu spielen. Mit der Aktion sollte allen Helfern für den Zusammenhalt in der Corona-Krise gedankt werden. Den Film davon hatte Bürgermeisterin Zehetner aus Lugau erhalten. Die Idee wird nun für das Mordnacht-Gedenken übernommen. Der Filmer Günter Bergel wird dies dokumentieren, als Teil eines Films über das Gedenkjahr.

Bevölkerung soll daheim bleiben - weiße Tücher aus den Fenstern

Wichtig war Zehetner am Montag zu betonen: Die Bürger sollen daheim bleiben und von ihren Wohnungen aus zuhören. Auch bei der Kranzniederlegung am Friedhof darf die Bevölkerung wegen der Ausgangsbeschränkungen nicht dabei sein.

Abgesagt wurde die Mahnblumen-Aktion. Sie und die begleitende Ausstellung sollen laut Penzberger Museum im Herbst nachgeholt werden.

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