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Ralf Gerard zeigt eine Fotoausstellung über die Penzberger Fridays-For-Future-Demonstration.

Fotoschau

Porträts erzählen von „Fridays For Future“ - wie aus einer Penzberger Demo eine Ausstellung wurde

Was gibt es Schöneres, als wenn die getane Arbeit Früchte trägt? Wenn man sich für eine Sache einsetzt und sieht, wie sie aufgenommen und weitergetragen wird? So geht es nämlich gerade den „Fridays For Future“-Demonstranten aus Penzberg.

VON ARABELLA SCHÄFFLER

Penzberg– „Der Zeit die Fenster einwerfen“ – so lautet das Motto des neuen Fotobuchs von Ralf Gerard. Er hatte im März die erste „Fridays for Future“-Demonstration in Penzberg fotografiert. Die Fotos werden jetzt im Café Freudenberg ausgestellt. Zu sehen sind Gesichter im Regen, ausdrucksstark, emotional, wütend. Zu sehen sind die jungen Demonstranten mit Schildern und Bannern, die ihre Parolen rufen.

Bei der Ausstellungseröffnung beschrieb Ralf Gerard seine dokumentarische Bilderstrecke. Der erste Teil der Strecke seien Bilder, die er so bearbeitet hat, dass sie aussehen, als lägen sie in Scherben – passend zu seinem Motto, der Zeit die Fenster einzuwerfen. Mit dieser Abstraktheit möchte er „die Welt in Scherben“ darstellen, in der die Jugendlichen nach Orientierung suchen.

Fridays for Future: Fotoausstellung von Ralf Gerard

Der zweite Teil besteht aus Porträts, Fotos von einzelnen Schildern und der Menge. Für kein einziges Foto habe er die Jugendlichen posieren lassen, er fotografierte alles so, wie es passierte. In Schnappschüssen hielt er die Gesichtsausdrücke der Demonstranten fest. Er wolle die Emotionen und das gesellschaftliche Engagement der Jugendlichen zeigen. „Sie wollen eine hoffnungsvolle Zukunft haben.“ Über seine Intention sagte Gerard, er wolle den Jugendlichen zeigen, dass sie Rückhalt durch Erwachsene haben. Und er möchte ihnen ein Forum bieten: „Ich lasse euch erzählen.“

Als „Forum“ empfindet auch Lukas Bogner die Ausstellung. Er war Mitorganisator der ersten „Fridays for Future“-Demonstration in Penzberg. Bei der Eröffnung der Ausstellung trug er seine Rede vor, die er schon bei der Demonstration im März hielt.

Diese zielte auf die Politiker ab, die trotz der offensichtlichen Fakten und der Dringlichkeit des Problems nichts täten. Klimawandel bedeute Strukturwandel für die Menschen und dieser müsse von der Politik angeleitet werden. Es gebe keine Ausreden mehr, und: „Es gibt keine zweite Chance.“

Fridays for Future: Es geht nur „mitanand“

Kabarettist Michi Schröer fragte bei der Ausstellung, wer den „Ort Zukunft“ retten soll. „Die, die für den jetzigen Zustand verantwortlich sind und eh nicht bis zum Ziel mitreisen, oder die, die ihn zum Überleben brauchen? Die Antwort muss lauten: beide – mia mitanand.“ Er wünscht sich „eine Zukunft, in der Erfolg Menschlichkeit heißt und nicht Profit um jeden Preis“.

Die dritte Rede hielt Anette Völker-Rasor, Vertreterin des Gesprächskreises „Penzberg 2030“. Sie beschrieb, wie bereits in der Vergangenheit ihre Generation vor dem Klimawandel gewarnt wurde, und wie wenig sich getan habe. Dafür lobte sie die Jugend: „Ihr aber, ihr steht auf gegen hohle Worte. Ihr fordert ein Recht.“ Man solle endlich anpacken und Veränderungen angehen. „Damit ihr in eine Zukunft sehen könnt. Und wir uns wieder gegenseitig in die Augen.“

Auf Veränderung hoffen die Jugendlichen, die demonstrierten. Lukas Bogner hat „die Hoffnung, dass man mit den Demos was bewirken kann.“ Das Ergebnis könne man beispielsweise bei den EU-Wahlen sehen: Dort war der Klimawandel ein großes Thema. Die Demonstrationen erhielten durch die Kontroverse viel Aufmerksamkeit, so Abiturientin Alisa Mügge.

Fridays for Future: Ausstellung läuft bis Ende November

Es sei außerdem schön, wie gleichaltrige Schüler zusammenkommen und sich „gemeinsam für die gleiche Sache einsetzen“. Ebendiese Schüler stehen nun durch die Ausstellung im Mittelpunkt. Was ist das für ein Gefühl? „Ich habe mich gefreut, dass es weitergetragen wird, dass sich jemand dafür interessiert“, sagte Schülerin Emilia Greinwald. „Es ist schon ein gutes Gefühl“, so Alisa Mügge. Lukas Bogner erinnert sich durch die Fotos an die Demonstration zurück: „Es hat Spaß gemacht.“

Zu sehen ist die Ausstellung noch bis Ende November im Café Freudenberg.

Lesen Sie auch: In Weilheim und Penzberg: Über 1000 demonstrieren für Klimaschutz

Und: Penzberg überbietet alten Rekord deutlich: Beim „Stadtradeln“ eineinhalbmal um den Äquator

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