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Abschiedsfeier für Anni Albert (2.v.l.) in der „Schönen Aussicht“, wo sie die letzten 20 Jahre bediente; im Bild mit Wirt Thomas Schmid (l.), dessen Sohn Josef Schmid (hinten) und dessen Eltern Josef und Erika Schmid.

Abschiedsfeier im Gasthaus „Zur schönen Aussicht“

Die „Post-Anni“ geht in Ruhestand: Ein Leben als Bedienung - 67 Jahre war sie für ihre Gäste da

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Die „Post-Anni“ ist so etwas wie ein Original. Fast sieben Jahrzehnte arbeitete sie in Gaststätten als Bedienung, davon vier Jahrzehnte in Benediktbeuern und die letzten 20 Jahre im Gasthof „Zur schönen Aussicht“ in Penzberg-Reindl. Erst vor wenigen Tagen feierte sie ihren 85. Geburtstag. Jetzt ging Anni Albert in den Ruhestand.

Penzberg – Als „Post-Anni“ ist die freundlich strahlende, aber auch resolute Anni Albert bekannt. So wird sie von ihren Gästen genannt, den richtigen Namen kennen gar nicht so viele. 67 Jahre hat sie in Wirtschaften als Bedienung gearbeitet. „Ich habe es immer sehr gerne gemacht“, sagt Anni Albert, die am Tag vor Silvester 85 Jahre alt wurde. Nun geht sie in Ruhestand. Gesundheitlich geht es ihr gut, versichert sie, nur das Knie zwickt. „Einmal muss es sein“, sagt sie über ihren Ruhestand. Diese Woche wurde im Gasthof „Zur schönen Aussicht“ in Penzberg, wo sie die letzten 20 Jahre arbeitete, Abschied gefeiert.

„Post-Anni“: 40 Jahre war sie Bedienung in Benediktbeuern

Begonnen hatte es 1953 in einer Bauernwirtschaft in Apfeldorf am Lech. Damals war Anni Albert 18 Jahre alt. „Abends bedienen, tagsüber putzen.“ So war es damals. Es war aber auch ihr Berufswunsch, wie sie erzählt. Ihr Großvater habe sie früher in Wielenbach – dort ist sie geboren – das Bier in der Wirtschaft mit einem Bierkrug holen lassen. „Damals habe ich immer schon gedacht: Ich möchte Bedienung werden.“ In Apfeldorf blieb Anni Albert nur wenige Jahre. 1959 fing sie in Benediktbeuern im Gasthof Post an. Vier Jahrzehnte arbeitete sie dort als Bedienung. Das waren schon mal 18 Stunden am Tag. Freie Tage habe es nicht gegeben, erzählt sie. Den Namen „Post-Anni“ hat Anni Albert aus dieser Zeit, in der sie vier Wirte erlebte. Zur ihren Gästen in Benediktbeuern gehörte auch der frühere Penzberger Bürgermeister Anton Prandl. 2000 hörte sie in der „Post“ auf. Anni Albert ging eigentlich schon damals in Ruhestand. Was sie aber nicht davon abhielt, weiter als Bedienung zu arbeiten, und zwar im Penzberger Gasthof „Zur schönen Aussicht“.

„Post Anni“: 20 Jahre lang bediente sie in der „Schönen Aussicht“ in Penzberg

Das kam so: Ihr Schwager, erzählt Anni Albert, habe Bier ausgefahren und sie sei immer dabei gewesen. In der „Schönen Aussicht“ seien sie dann eingekehrt, zum Weißwurstessen in der Küche. Damals, erzählt Thomas Schmid, seien immer mehr Leute gekommen, auch viele Benediktbeurer, so dass sie mit dem Weißwurstessen irgendwann in die Gaststube der „Schönen Aussicht“ umgezogen sind. Das war jeden Donnerstag. Und die „Post-Anni“ bediente die Gäste von Anfang an, erst in der Küche, dann in der Gaststube. Womit auch eine beliebte Tradition begründet wurde, das Weißwurstessen an jedem Donnerstag in der „Schönen Aussicht“. „Ohne sie würde es das gar nicht geben“, sagt Thomas Schmid.

„Post Anni“: „Ich habe immer sehr gern als Bedienung gearbeitet“

Worauf Anni Albert stolz ist: Sie habe niemals wegen Krankheit gefehlt, sagt sie. Anni Albert, die nach einer Scheidung in jungen Jahren nicht wieder geheiratet hat, lebt seit 1964 in Penzberg. Mit Geld, das sie sich von der Arbeit zurücklegte, konnte sie ein eigenes Haus bauen. Was denkt sie, wenn sie nun zurückblickt? Sie habe immer sehr gern als Bedienung gearbeitet, antwortet Anni Albert. „Ich habe nie gedacht: Muss ich schon wieder in die Arbeit?“ Ihr habe jeder Tag gefallen, erzählt sie.

„Post Anni“: Abschiedsfeier im Gasthof „Zur schönen Aussicht“ in Penzberg

Voll des Lobes ist Wirt Thomas Schmid. „Sie hat es mit Leidenschaft gemacht, es war ihr Leben, die Wirtschaft und ihre Gäste waren ihre Familie“, sagt er. Sie sei auch keinen Tag krank gewesen. „Man hat sich hundertprozentig auf sie verlassen können.“ Auch wenn sie ihren eigenen Kopf hatte. Für Stammgäste habe sie sogar Kuchen gebacken. „Anni ist ein Naturereignis“, zitiert Altbürgermeister Hans Mummert, der zu den Stammgästen am Donnerstag gehört, bei der Abschiedsfeier in der voll besetzten Gaststätte aus einer Zeitschrift. Sie kenne jeden ihrer Gäste mit Namen. Und wenn man zum dritten Mal gekommen sei, habe sie ungefragt das Weißbier oder den „Russn“ hingestellt, eben das, was man beim letzten Mal bestellt hatte.

Was sie nun tun wird? „Stricken von früh bis auf d’Nacht“, sagt sie lächelnd. Und natürlich komme sie donnerstags gern zum Weißwurstessen in die „Schöne Aussicht“ – als Gast. Oder wie es Altbürgermeister Mummert sagt: „Jetzt gehörst Du zu unserem Stammtisch, jetzt lässt Du dich bedienen.“

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