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Roche-Erweiterung weiterhin strittig: Stadtrat debattiert über Folgen für Infrastruktur

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Von: Wolfgang Schörner

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Roche-Erweiterung: Die Ansicht zeigt den ersten Entwicklungsschritt. Neu sind hier die zwei Gebäudekomplexe, die links im Winkel stehen und dahinter die vier kleineren Gebäude. Roche teilte dazu mit, dass es sich um eine schematische Darstellung der Architektur handle, dies also nichts mit der künftigen Realität zu tun haben muss. In zwei weiteren Entwicklungsschritten würden Lücken geschlossen und auch das Waldrechteck (vorne) bebaut. Die roten Pfeile rechts zeigen die Industriegrundstücke der Stadt Penzberg, die diese an andere Unternehmen vergibt.
Roche-Erweiterung: Die Ansicht zeigt den ersten Entwicklungsschritt. Neu sind hier die zwei Gebäudekomplexe, die links im Winkel stehen und dahinter die vier kleineren Gebäude. Roche teilte dazu mit, dass es sich um eine schematische Darstellung der Architektur handle, dies also nichts mit der künftigen Realität zu tun haben muss. In zwei weiteren Entwicklungsschritten würden Lücken geschlossen und auch das Waldrechteck (vorne) bebaut. Die roten Pfeile rechts zeigen die Industriegrundstücke der Stadt Penzberg, die diese an andere Unternehmen vergibt. © Roche Penzberg

Die Dimension der Roche-Erweiterung bleibt im Penzberger Stadtrat weiterhin strittig. Mit einer 14:9-Mehrheit schickte er den aktuellen Bebauungsplan-Entwurf in die nächste Runde des Verfahrens. Die Vertreter von Grünen, „Penzberg miteinander“ und FLP stimmten dagegen. Thema waren vor allem die Folgen für die Penzberger Infrastruktur.

Penzberg – Fast 1500 Seiten mit Stellungnahmen, Tabellen und Gutachten umfasst das Material für den Bebauungsplan „Biotechnologiezentrum Nonnenwald Nord“, der sich derzeit im Verfahren befindet. Im Kern geht es darum, ob Roche sein Werkgelände im Norden um 14 Hektar erweitern darf. Dem vorliegenden Bebauungsplanentwurf stimmte am Dienstagabend eine Stadtratsmehrheit von CSU, SPD und BfP zu. „Nein“ sagten, wie schon vor zwei Wochen im Bauausschuss, die Vertreter von Grünen, PM und FLP.

CSU: „Wir stellen die notwendige Erweiterung nicht infrage“

Christine Geiger (CSU) erklärte, dass ihre Fraktion dem Unternehmen nichts in den Weg legen wolle. Ob die Erweiterung in dieser Größe komme, werde das weitere Verfahren zeigen. Sie verwies darauf, dass Roche den Eingriff kompensieren werde und immer bestrebt sei, mit alternativen Angeboten den Verkehr zu reduzieren. Einiges auffangen könne man zudem mit den vielen neuen Wohnungen, die gebaut werden. „Wir stellen die notwendige Erweiterung nicht infrage“, sagte sie. Ludwig Schmuck (CSU) erklärte, dass andernfalls Arbeitsplätze gefährdet sein könnten.

SPD und BfP sagen Ja: „Roche muss sich an Folgekosten beteiligen“

Adrian Leinweber (SPD) sagte, dass seine Fraktion ebenfalls geschlossen „Ja“ sagt. „Aber wir sehen auch die Belastung der Infrastruktur, die auf uns zukommt.“ Der städtebauliche Vertrag, in dem es um einen finanziellen Roche-Beitrag für die Infrastruktur gehen wird, werde ein Hauptthema sein. Man müsse da offen mit dem Unternehmen diskutieren, so Leinweber. Für Ja stimmte ebenso die BfP. Es sei aber ein Geben und Nehmen, erklärte Fraktionschef Armin Jabs. „Wir brauchen langfristig Sicherheit, dass sich Roche an den Folgekosten beteiligt.“ Der städtebauliche Vertrag könnte ihm zufolge zum Beispiel auch festlegen, dass sich Roche am Ausbau des Kreisverkehrs an der Seeshaupter Straße beteiligt.

Städtebaulicher Vertrag soll Roche zu finanzieller Beteiligung verpflichten

Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) sagte, dass es für diesen Vertrag vorteilhaft ist, wenn die ganze mögliche Erweiterungsfläche im Bebauungsplan behandelt wird. Würde dies nur in kleinen Schritten geschehen, so die Befürchtung, wäre es schwieriger, das Unternehmen dazu zu verpflichten, Folgekosten zu übernehmen. Korpan erklärte zudem, dass Roche das Gelände in Abschnitten bebauen wolle. „Es kommt nicht sofort ein Kahlschlag.“ Das Unternehmen bestätigte das auf Nachfrage. Ebenso teilte es mit, dass der Konzern noch über kein Projekt für die Erweiterungsfläche entschieden habe. Ähnlich äußerte sich Roche-Vertreter Georg Sindlhauser in der Sitzung. Er sagte auch, es sei das Ziel, im Werk nachzuverdichten. Zugleich waren Darstellungen zu sehen, die drei Entwicklungsschritte zeigten. Zum Zeithorizont sagte er, der zweite Entwicklungsschritt komme nicht innerhalb der nächsten fünf Jahre,

Grüne und PM sagen Nein: Zu viele Fragen offen

Nicht zustimmen wollte die PM-Fraktion. Sie bat vor dem Beschluss eigens um eine kurze Auszeit zur Beratung. In einer schriftlichen Erklärung am Mittwoch hieß es dann, dass die PM-Fraktion es grundsätzlich begrüße, dass Roche seinen Standort ausbaue, aber es noch viele offene Fragen gebe. Es müssten zuerst die Möglichkeiten einer Nachverdichtung im Werk dargestellt werden. Ebenso will PM, dass der Bebauungsplan in Abschnitte unterteilt sowie über den städtebaulichen Vertrag „mit Priorität auf Augenhöhe“ verhandelt wird.

Ähnlich lautete die Kritik der Grünen. Kerstin Engel warnte vor den Folgen für Wohnungsmarkt und Infrastruktur. „Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir diesen Herausforderungen gerecht werden, sonst droht der Kollaps.“ Sie sagte, dass eine „nachvollziehbare Strategie zur Nachverdichtung“ fehle. Man sei aber auch bereit, Roche entgegenzukommen. Sie hoffe, so Engel, auf „ein Wachstum, bei dem unsere Stadt mithalten kann“.

Vor der Debatte hatte Bürgermeister Korpan die Vorwürfe des Penzberger Bund Naturschutz scharf zurückgewiesen, die dieser zuvor in einer Erklärung zum Bebauungsplan-Verfahren geäußert hatte.

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