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Andreas Baar als Wirtschaftsförderer mit Bürgermeisterin Elke Zehetner. 

Wirtschaftsförderer in Penzberg

Rücktritt „mutig und konsequent“

Nach der Kündigung von Andreas Baar äußern sich die Fraktionen im Stadtrat unterschiedlich. Einig sind sie sich darin, dass Penzberg einen Wirtschaftsförderer braucht.

Penzberg – Die massive Kritik seitens einiger Stadträte war - wie berichtet - ein wesentlicher Grund für die Kündigung von Andreas Baar. Einen Tag nach deren Bekanntwerden rudern die Kritiker nicht zurück, betonen aber, dass die Kritik nicht gegen Baar persönlich gerichtet gewesen sei. „Wir schätzen Herrn Baar sehr, sowohl als Mensch als auch seine Arbeit“, äußert sich etwa Grünen-Stadträtin Dr. Kerstin Engel. „Unsere Kritik richtete sich nie gegen ihn, sondern gegen die Aufgaben, die er übernimmt und damit gegen die Bürgermeisterin, da diese für die Stellenbeschreibung und Zuteilung von Aufgaben verantwortlich ist.“

Engel betont, der Stadtrat habe nicht gewusst, dass Baar für Pressearbeit eingesetzt werden sollte. „Der Beschluss des Stadtrats war sowohl im Juli als auch im September die Einstellung eines Wirtschaftsförderers“, so Engel. Dass Baar neben seiner Tätigkeit als Wirtschaftsförderer „offiziell“ auch für Pressearbeit zuständig gewesen sei – und zwar in sehr großem Umfang, wie Engel findet – habe ganz klar dem Stadtratsbeschluss widersprochen. Engel bezweifelt, dass die Kritik von Grünen und FLP Baar getroffen hat. Sie vermutet, „dass er erkannt hat, dass er von der Bürgermeisterin illegitim für ihre persönliche Öffentlichkeitsarbeit missbraucht werden sollte, was vermutlich nicht seinen Vorstellungen bezüglich seiner neuen Funktion im Rathaus entsprach“. Engel bedauert die Kündigung von Baar, bewundert aber „seinen mutigen und konsequenten Schritt, der für ein hohes Maß an Integrität spricht“.

Kritik habe nicht Baar persönlich gegolten

Auch André Anderl versichert, die Kritik habe nie Baar persönlich gegolten. Der Vorsitzende der FLP-Fraktion betont aber auch, dass seine Fraktion nie einen Pressesprecher gewollt habe und außerdem mit keinem der damaligen Bewerber für den Posten des Wirtschaftsförderers einverstanden gewesen sei – auch Baar habe man nicht für geeignet gehalten.

Adrian Leinweber hingegen hielt Baar durchaus für geeignet. Der SPD-Fraktionsvorsitzende vermutet bei den Kritikern eine politische Motivation. Man habe Baar gar keine Zeit gegeben Fuß zu fassen und sich einzuarbeiten, moniert Leinweber. Dann erst hätte man auf die Ergebnisse schauen können. Dass Baar nach nur vier Wochen unter diesen Umständen kündigte, findet er nur „konsequent“.

„Ins Kreuzfeuer geraten“

Wolfgang Sacher urteilt, Baar sei „ins Kreuzfeuer geraten“. Der BfP-Stadtrat betont, Baar „hätte von seiner Qualifikation her ein guter Wirtschaftsförderer für die Stadt werden können“. Deshalb habe seine Fraktion auch für seine Einstellung gestimmt. „Herr Baar wäre noch da, wenn die Erste Bürgermeisterin seine Dienste nicht missbraucht hätte.“ Und das gegen den Beschluss des Stadtrates und obwohl es mit Thomas Sendl bereits einen guten Pressesprecher gegeben habe. Dafür, dass Penzberg ohne Wirtschaftsförderer dasteht, macht Sacher nur Zehetner Vorwürfe.

Als „überzogen“ wertet CSU-Stadtrat und Dritter Bürgermeister Ludwig Schmuck die Reaktionen einiger seiner Ratskollegen auf Baars Erscheinen bei einigen öffentlichen Terminen und das Verfassen diverser Pressemitteilungen. „Das geht nur gegen die Bürgermeisterin“, glaubt er. Seiner Ansicht nach wäre Baar „der Richtige gewesen“ für den Job des Wirtschaftsförderers. Der neue solle aber wirklich nur noch Wirtschaftsförderung betreiben, fordert Engel. Wenn ein Wirtschaftsförderer Pressemitteilungen zu wirtschaftlichen Themen verfasse, sei das freilich in Ordnung.

Anderl ist der Ansicht, Penzberg brauche in erster Linie einen „Innenstadt-Manager“. Einen, der die Einkaufsstadt Penzberg stärke. Um dafür den Besten zu finden, müsse die Stadt vielleicht mehr Geld in die Hand nehmen und eventuell einen Headhunter engagieren.

Die Bürgermeisterin glaubt indes nicht, dass man so einfach einen neuen Wirtschaftsförderer finden wird. Die Stelle sei zeitlich befristet wegen der möglichen Rückkehr von Rolf Beuting. Wer würde sich das nach all den Vorfällen um Andreas Baar schon antun.

Von Franziska Seliger

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