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Aus für HAP-Werk in Penzberg: Protest vor dem Werkstor.

Konzern schließt Standort

„Unterste Schublade“: Scharfe Kritik an Aus für Penzberger HAP-Werk - Mitarbeiter demonstrieren

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HAP-Mitarbeiter in Penzberg haben am Donnerstag mit einem Protest vor dem Werkstor auf die Schließung ihres Werks reagiert. Währenddessen stand der Betrieb still. 

Penzberg – „Es ist bitter“, sagt ein HAP-Mitarbeiter, der am Donnerstagnachmittag vor dem Werktor steht. Ein anderer spricht davon, Angst vor der Zukunft zu haben. Ein junger Familienvater sagt, es sei ein Schockmoment gewesen, als er die Nachricht erfuhr. „Wir hängen in der Schwebe“, fügt eine Frau hinzu. Sie wisse nicht, was richtig ist – sofort nach einem neuen Job suchen oder abwarten, ob es eine Abfindung gibt. 630 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind von der Werkschließung betroffen – so viele Menschen zählt die aktuelle Stammbelegschaft. Außerdem arbeiten an dem Standort momentan rund 90 Leiharbeiter.

Schon bevor der Hörmann-Konzern am Nachmittag die Belegschaft informierte, hatte die Nachricht die Runde gemacht. Bereits am Vormittag verschickte das Unternehmen eine Pressemitteilung. Gerade das machte viele Mitarbeiter wütend. „Das ist unterste Schublade“, schimpfte Betriebsrat Bayram Yerli. „Geht man so mit Mitarbeitern um, die seit Jahrzehnten Qualität abliefern?“ Er rief seine Kollegen dazu auf, den Betriebsrat und die IG Metall zu unterstützen: „Seid solidarisch beim Kampf um unser Recht, Abfindungen zu bekommen.“

Aus für HAP-Werk in Penzberg: Mitarbeiter-Protest vor dem Werkstor

Die über 300 Mitarbeiter, die gerade im Werk waren, hatten sich am Nachmittag vor dem Tor versammelt, mit Fahnen und Plakaten, die schon im Dezember bei der Demonstration auf dem Rathausplatz zu sehen waren. Der Betrieb bei HAP stand in der Zeit still.

Am Donnerstagvormittag hatte der Konzern die Schließung in einer Mitteilung angekündigt.

„Typisch Hörmann, so kennen wir Euch“, sagte Betriebsratsvorsitzender Thomas Nachtmann über die Informationspolitik. „Die Art und Weise ist eine Sauerei.“ Zur Werkschließung sagte er: „Wir hatten die schlimmsten Befürchtungen, aber es hieß immer, dass man das Zukunftskonzept prüfen wird und möglichst viele Arbeitsplätze retten will.“ Auch er rief dazu auf, wegen der bevorstehenden Verhandlungen über Sozialplan und Abfindungen zusammenzustehen. „Jetzt wird es ums Geld gehen“, so Nachtmann. „Wir werden uns nicht monatelang hinhalten und dann in den Arsch treten lassen.“

Aus für HAP-Werk in Penzberg: Vorwürfe gegen Konzern

Dem Konzern warf Nachtmann vor, es jahrelang versäumt zu haben, den Betrieb auf Vordermann zu bringen, während die Belegschaft durch ihren Lohnverzicht 30 Millionen Euro für Investitionen beisteuerte. „Wir wollten wettbewerbsfähig werden“, rief er. Doch anstatt moderne Maschinen im Werk zu haben, habe man Maschinen, die sonst im Deutschen Museum stehen.

Daniela Fischer von der IG Metall Weilheim warf dem Konzern vor, den Mitarbeitern die Schuld in die Schuhe schieben zu wollen. „Das ist eine absolute Frechheit.“ Viele Jahre habe die Belegschaft auf Geld verzichtet. Erst als die Gesellschafter ihre Investitionszusagen nicht einhielten, habe man die Notbremse gezogen. Der Konzern, so Fischer, „hat sich entschieden nicht mehr zu investieren.“ Zugleich warf sie dem Konzern Erpressung vor, wenn er den Sozialplan an die Bedingung knüpft, dass die Mitarbeiter ruhig bleiben. „Man kann nicht von der Belegschaft erwarten, dass sie fleißig arbeitet und dann einen Tritt in den Hintern bekommt.“ Nächste Woche werde man deutlich machen, dass „wir schnell eine Unterschrift haben wollen“.

Aus für HAP-Werk in Penzberg: Zehetner sichert Mitarbeitern Unterstützung zu

Auch Bürgermeisterin Elke Zehetner war vor das Werkstor geeilt. Betriebsrat Nachtmann dankte ihr, dass sie in den vergangenen Monat „mit uns regelmäßig in Kontakt“ stand „Wir werden den Betrieb nicht aus der Pflicht nehmen“, erklärte Zehetner. Zu den Mitarbeitern sagte sie: „Penzberg hat 1400 Gewerbebetriebe. Wir werden alles dafür tun, dass es für jeden Einzelnen einen neuen Arbeitsplatz gibt. Sie können sich auf mich verlassen.“ Sie habe auch mit der Landrätin gesprochen, um die Suche auf den Landkreis auszuweiten. „Penzberg hat sich immer als Stadt der großen Solidarität gezeigt.“ An den Konzern richtete sie die Warnung: Wenn er glaube, das Grundstück als Wohnbaufläche versilbern zu können, habe er die Rechnung ohne die Stadt gemacht. Es werde, so Zehetner, Gewerbefläche bleiben.

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Im März hatte der Konzern noch Kritik über fehlende Zusage zu Abfinden zurückgewiesen.

Im Dezember lautete die Befürchtung noch, dass ein Großteil der Arbeitsplätze verloren geht - deswegen wurde am Rathausplatz in Penzberg demonstriert.

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