Auf der Mittelinsel vor dem Kreisverkehr an der Seeshaupter Straße wurde eine „rollbare Wildblumenwiese“ verlegt.
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Auf der Mittelinsel vor dem Kreisverkehr an der Seeshaupter Straße wurde eine „rollbare Wildblumenwiese“ verlegt.

Nach Seitenhieb bei Finanzdebatte

Verärgert über „Rollrasen“-Aussage: Penzberg testet „rollbare Blumenwiese“ an Straßen

  • vonWolfgang Schörner
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Rollrasen auf Penzberger Verkehrsinseln: Diese Worte, die bei einer Debatte über die städtischen Finanzen fielen, hatten jüngst für Aufsehen gesorgt. Darin liegt jedoch ein Stück Wahrheit. Bei der Stadt hört man den Begriff „Rollrasen“ allerdings nicht so gern. Dort spricht man von einer „rollbaren Wildblumenwiese“ – und einem Versuchsprojekt.

Penzberg – Es war ein kleiner Seitenhieb: Als Ende April im Penzberger Stadtrat über die Finanzlage, Sparziele und freiwillige Leistungen gesprochen wurde, sagte CSU-Fraktionsvorsitzende Maria Probst: Solange sich Penzberg einen Rollrasen auf einer Verkehrsinsel leisten könne, habe man Luft für freiwillige Leistungen. Gibt es also Rollrasen auf Penzberger Verkehrsinseln?

Die Stadt Penzberg sah sich nun zu einer Stellungnahme gezwungen. Indirekt bestätigte das Rathaus die Rollrasen-Aussage, vermied aber das Wort. Die Stadt erklärte, es handle sich um ein „Versuchsprojekt zur nachhaltigen Bepflanzung von Straßenbegleitflächen in Penzberg“.

Penzberger Wiesen-Test: Wiese soll Zeit, Aufwand und Geld sparen

Ausgelegt wurde laut Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) ein so genannter „Albrecht-Dürer-Rasen“, in dem Blumen eingesät sind. Es sei ein Test, ob man auf diese Weise Zeit, Aufwand und letztlich Geld einsparen kann. Ähnlich äußerte sich Carl-Christian Zimmermann von der Klimaschutzabteilung. Er spricht von einer in Rollen gelieferten Wildblumenwiese, die auf circa 400 Quadratmetern in Nachbarschaft von anderen Blühflächen getestet wird. Die Wiese sei mit heimischen Gräsern und Blumen bestückt, die einen mehrjährigen Wuchs versprechen würden. Die rollbare Wildblumenwiese ist ihm zufolge ohne jede Chemie produziert, braucht keine chemischen Pflanzenschutzmittel, produziert geringe Mengen Schnittgut und benötigt, außer in der Anwachsphase, keine zusätzliche Bewässerung. Ebenso muss nicht mehr jedes Jahr neues Saatgut gekauft und ausgebracht werden.

„Wir wollten einmal etwas anderes ausprobieren“

Über die Rollrasen-Aussage geärgert hatte sich Bauhofleiter Christian Eberl. Der Vorschlag für den „Albrecht-Dürer-Rasen“ stammt von seinem Mitarbeiter Benedikt Burger, der im vergangenen Jahr die Meisterprüfung „Garten- und Landschaftsbau“ mit dem Bayerischen Staatspreis abgeschlossen hat. Er habe die Idee von der Meisterschule mitgebracht. „Wir wollten mal etwas anderes ausprobieren, etwas, das dem entspricht, was der Bund Naturschutz seit langem fordert“, sagt Christian Eberl. Etwas anderes auch als der „Eschweger Blütenzauber“, den der Bund Naturschutz ablehnt. Die Dürer-Wiese beinhalte heimische Wildblumen, Kräuter und Gräser. Dazu zeigt Eberl eine Auflistung des Herstellers, der aus der Nähe von Ingolstadt kommt: Schafgarbe, Günsel, quendelblättriges Sandkraut, Gänseblümchen, rundblättrige Glockenblume, Wiesenschaumkraut, Gemeinde Flockenblume, Wiesenlabkraut, Habichtskraut, Witwenblume, Löwenzahn, Wiesenmargarite und verschiedene Wegericharten.

Test an mehreren Stellen in Penzberg

Die „Albert-Dürer-Rasen“ ist nun seit vergangenem April an mehreren Stellen in Penzberg ausgerollt. Zum Beispiel auf dem Mittelstreifen vor dem Kreisverkehr an der Seeshaupter Straße (aus Richtung Autobahn) sowie auf einem Streifen neben dem Kreisverkehr beim Fußweg zum Hubersee. Bauhofleiter Eberl nennt außerdem drei kleine Flächen an der Abzweigung von Wölfl und Nonnenwaldstraße (auf der Waldseite) sowie ein Streifen und eine Mittelinsel bei der Ortsausfahrt in Richtung Sindelsdorf (gegenüber der Einmündung Im Dittenried).

Der Bauhofchef erwartet sich zum einen weniger Aufwand mit der neuen Wiesen-Variante – seit 2016 bepflanzt der Bauhof circa 1500 Quadratmeter städtische Flächen mit Blumenwiesen. Zum anderen sei sie auch nicht so kostenintensiv. Erfahrungen erwartet sich Eberl nun von dem Versuchsprojekt.

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