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Ungewöhnlicher Schritt: Geistliche äußern sich zum Wahlkampf - „Gefahr eines Risses“

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Von: Wolfgang Schörner

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Sorgen sich um das respektvolle Miteinander:(v.l.) Pfarrer Bernhard Holz, Imam Benjamin Idriz und Pfarrer Julian Lademann, hier bei einer Veranstaltung auf dem Stadtplatz vor zwei Jahren; nicht im Bild Pfarrerin Sandra Gassert. © Franziska Seliger

Es ist ein ungewöhnlicher Schritt: Die drei Penzberger Pfarrer Bernhard Holz, Julian Lademann und Sandra Gassert sowie Imam Benjamin Idriz haben nach der Wahl einen offenen Brief an die Bevölkerung gerichtet. Sie sehen die „Gefahr eines Risses durch die Stadt“. Außerdem wehren sie sich gegen den Vorwurf, Wähler beeinflusst zu haben.

Penzberg – Die Stichwahl am Sonntag hatten der katholische Pfarrer Bernhard Holz, die evangelischen Pfarrer Julian Lademann und Sandra Gassert sowie Imam Benjamin Idriz noch abgewartet. Dann versandten sie ihren „offenen Brief“. Darin gratulieren sie Stefan Korpan zum Bürgermeisteramt sowie dem neuen Stadtrat und danken allen, „die sich zur Wahl gestellt haben und so ein Zeichen für eine lebendige Demokratie in unserer Stadt gesetzt haben“.

Offener Brief der vier Geistlichen: Sorge wegen des Umgangstons

„Mit Sorge“ betrachten sie jedoch „den Umgangston in Öffentlichkeit, Leserbriefen, Facebookkommentaren“. Sie sehen „hier die Gefahr eines Risses durch die Stadt“. Die Emotionen, so die Geistlichen, seien besonders in den letzten beiden Wochen sehr hochgekocht. „Manches Wort lässt sich nicht mehr zurücknehmen.“ Es sei eine „herausfordernde Aufgabe“ für den neuen Stadtrat und den Bürgermeister, zu einem respektvollen Miteinander zurückzukehren. „Wir wollen unser Bestmögliches dazu beitragen“, erklären sie.

Pfarrer und Imam: Von politischer Gruppierung angegangen

Die vier Geistlichen schreiben zudem, dass sie in den letzten zwei Wochen in den Wahlkampf hineingezogen worden seien. Sie seien „unter anderem aus den Kreisen einer politischen Gruppierung sehr vorwurfsvoll angegangen“ worden. „Art und Ton schockiert auch unsere jeweiligen Gemeindevorstände und Gremien.“ Schlagwörter wie Verlust der Neutralität, Instrumentalisierung, Wählerbeeinflussung und Parteilichkeit seien aufgetaucht. Kritisiert worden seien die Maßnahmen und die Zusammenarbeit mit der Stadt im Rahmen der kirchlichen Nachbarschaftshilfe.

Gute Zusammenarbeit mit gewähltem Stadtoberhaupt

Als „unglücklich“ empfinden die Geistlichen es selbst, dass ein Faltblatt der Bürgermeisterin mit einem Foto der 100-Jahrfeier – auf ihm sind alle zusammen zu sehen – verschickt wurde. „Um Einverständnis wurden wir vorher nicht gefragt.“ Das Foto zeige „aber ein gelungenes Stadtfest, eine öffentliche Veranstaltung der Stadt und öffentliche Personen und Ämter bei der Arbeit, in guter Zusammenarbeit“. Es gehöre zu ihren Aufgaben, so die Pfarrer und der Imam, mit den Institutionen der Stadt und dem demokratisch gewählten Stadtoberhaupt zusammenzuarbeiten. Das habe man mit bestem Wissen mit der scheidenden Bürgermeisterin Elke Zehetner getan und werde es auch mit ihrem Nachfolger Stefan Korpan uneingeschränkt tun. Zu Zehetner erklärten die vier Geistlichen, sie habe sich intensiv um den Austausch mit den Religionsgemeinschaften bemüht. „Man kann sagen, dass hier einer der Schwerpunkte ihrer Amtszeit lag.“ Ihr Büro sei „der richtige neutrale Ort des Zusammenkommens“ gewesen. „Parteipolitische Interessen haben wir dahinter nie vermutet.“

Geistliche weisen Vorwurf der Wahlbeeinflussung zurück

Zu keiner Zeit, schreiben die Vier, hätten Beeinflussung oder Wahlempfehlungen in der Moschee oder den Kirchen, im Einzelgespräch oder in den Jugendgruppen stattgefunden. Gegen den Vorwurf „wehren wir uns mit aller Entschiedenheit“. Penzberg sei bunt; so mögen auch die Meinungen und politischen Ausrichtungen sein, erklären sie. „Unsere eigenen politischen Einstellungen können wir gut für uns behalten und werden unsere Ämter nicht beschädigen – auch wenn uns Gegenteiliges vorgeworfen wird.“ Ihre Mahnung: „Nicht nur geistliche, auch politische Menschen habe eine Vorbildfunktion.“

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