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Einen virtuellen Kindergarten-Morgenkreis mit Laptop-Kamera haben hier die pädagogischen Fachkräfte Sabine und Anna von der „Krokodilgruppe“ hergerichtet.

Krippe und Kindergarten online

Virtuelles „Spatzennest“ für die Kinder begeistert auch die Eltern

  • vonWolfgang Schörner
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Seit Wochen dürfen die meisten Buben und Mädchen wegen der Corona-Pandemie nicht mehr in den Kindergarten oder die Krippe gehen. Das „Spatzennest“ in Penzberg hat sich seither zum Teil in eine virtuelle Kita verwandelt – damit die Kleinen sehen, dass es ihre Freunde und Betreuerinnen noch gibt.

Penzberg – „Für die Kleinen ist es eine sehr lange Zeit“, sagt Lisa Hegen über die Wochen seit der Kita-Schließung. „Sie haben ein ganz anderes Empfinden von Zeit“, so die pädagogische Leiterin der „Spatzennest“-Krippe am Daserweg. Damit der Kontakt zu den Kindern und der Kontakt der Kinder untereinander nicht abreißt, haben sich die „Spatzennest“-Krippe und der benachbarte „Spatzennest“-Kindergarten teilweise in eine virtuelle Kita verwandelt. 

Kinder sollen merken: „Der Kindergarten denkt an mich“

„Es ist wichtig, dass die Kinder merken: Der Kindergarten denkt an mich, er ist nicht weg“, erklärt Michael Bihle, pädagogischer Leiter des Kindergartens. „Dass sie merken, wir vermissen sie“, so Lisa Hegen. „Dadurch wird es für sie ein Stück leichter.“ Der Kontakt ist laut Bihle auch wichtig, damit die Buben und Mädchen in den Kita-Alltag zurückfinden, wenn Krippe und Kindergarten in schrittweise wieder öffnen dürfen.

Morgens um 9 Uhr in der „Spatzennest“-Krippe: Vier Buben und Mädchen, die in der Notbetreuung sind, sitzen mit ihrer Erzieherin und Kinderpflegerin beim Morgenkreis. Sie sagen ihre Namen, singen, sprechen über die Jahreszeiten und machen Fingerspiele. Wie sonst auch. Doch es ist gleichzeitig ein virtueller Morgenkreis. Live zugeschaltet sind Kinder, die daheim sind. Ähnlich ist es im benachbarten „Spatzennest“-Kindergarten. „Die Kinder zu Hause können mitmachen“, sagt Michael Bihle. Ob beim Begrüßungslied oder beim Fingerspiel. Übers Mikrofon können sie auch miteinander reden. „Das kommt bei den Eltern sehr gut an“, erzählt Bihle. „Und die Kinder freuen sich, ihre Erzieherin und andere Kinder regelmäßig zu sehen und mit ihnen zu sprechen. Sie sind sehr begeistert.“

Kindergarten hat „virutelle Vorschule“ eingerichtet

Die Krippe hat derzeit zwei Notgruppen mit je vier Kindern. Normalerweise werden dort 64 Buben und Mädchen betreut. Fast 90 Prozent der Kinder sind also daheim. Im Kindergarten gibt es vier Notgruppen mit je fünf Buben und Mädchen. Normalerweise wären es 100 Kinder.

Eine Studie der Universität Bamberg hatte vor kurzem bestätigt, dass Eltern sowohl den Austausch mit der Kita als auch Beschäftigungsideen wünschen, zum Beispiel Anregungen zur Förderung der sprachlichen Entwicklung, Reime, Lieder oder Bastelanleitungen. Zumal Kindertagesstätten wichtig für die frühkindliche Bildung sind. Krippe und Kindergarten des „Spatzennests“ hatten gleich zu Anfang an die Eltern geschrieben. Sie gaben Anleitungen zum Basteln, für Mandalas, Backideen und Tischsprüche, was Rituale aus dem Kita-Alltag sind.

Der „Spatzennest“-Kindergarten hat laut Bihle auch eine „virtuelle Vorschule“ eingerichtet. Zwei Mal die Woche, je vierzig Minuten, kommen die Kinder online zusammen. Sie singen miteinander, erhalten Arbeitsaufträge und bereiten die nächste Stunde vor, zum Beispiel, indem sie ein Muttertagsgedicht einüben.

„Dropbox“ für Fotos und Videos eingerichtet

Sehen können sich die großen und kleinen Kinder der zwei „Spatzennester“ noch in anderer Form – über die Datenspeicher-Plattform „Dropbox“. „Dort können wir Fotos und kurze Videos hochladen“, sagt Lisa Hegen. Zum Beispiel vom Gruppenraum, von anderen Kindern und den Erzieherinnen. Auch Videos, auf denen Bilderbücher vorgelesen und gezeigt werden. „Die Eltern finden das toll. Und die Kinder freuen sich“, so Hegen. „Das verstehen auch schon die ganz Kleinen, dass sie da ihre Freunde und Erzieherinnen sehen.“

Lesen Sie auch: Auch die Jugendzentren im Landkreis bleiben für Kinder und Jugendliche erreichbar. Mit großer Kreativität und Engagement haben die Mitarbeiter Programme zusammengestellt. Musik wird gestreamt, Spielesessions online ausgetragen. Und eine riesige Auswahl an Brettspielen gibt es zum Ausleihen.

Die Corona-Krise trifft auch die „Weiheimer Tafel“. Unter anderem können Lebensmittel nicht mehr in der zuvor bewährten Manier ausgegeben werden.

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