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Am 18. August 2009 brannte das Rathaus in Penzberg.

Vor zehn Jahren zerstörte ein Brand das Penzberger Rathaus: „Es war ein Drama“ - wie sich Zeitzeugen erinnern

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Am Sonntag vor zehn Jahren zerstörte ein Brand das Penzberger Rathaus. Über 260 Feuerwehrleute waren stundenlang im Einsatz. Danach dauerte es über zwei Jahre, bis das Rathaus wieder eröffnet werden konnte. Die Erinnerung ist noch frisch. „So etwas kriegt man nicht aus dem Kopf“, sagt Altbürgermeister Hans Mummert.

Penzberg – Um kurz nach 9 Uhr geht am 18. August 2009, einem Dienstag, der Alarm. Rauch quillt aus dem Dach des Penzberger Rathauses. Ein Schwelbrand, ausgelöst durch einen Funken beim Löten, frisst sich erst unbemerkt, dann deutlich sichtbar durch das Dach. Der damalige Kommandant Rüdiger Sobotta ist der erste Feuerwehrmann vor Ort. Er ist gleich in den Jeep gesprungen und vorausgefahren. „Als ich um die Ecke bin, habe ich gesehen, dass es massiv raucht.“ Sobotta alarmiert sofort Einsatzkräfte nach. Später treffen Feuerwehren aus drei Landkreisen ein. Es wird ein zehn Stunden langer Kampf. Am Ende ist der gesamte Dachstuhl zerstört. Die Etagen darunter schwimmen im Löschschaum, sind unbenutzbar. Ein Millionenschaden. Immerhin: Das denkmalgeschützte Bauwerk selbst steht noch.

Rathaus-Brand vor zehn Jahren: Rathaus-Mitarbeiter retten Dokumente

Als die Feuerwehr eintrifft, sind die 30 Mitarbeiter, die gerade im Dienst sind, schon aus dem Rathaus geflüchtet. Dieter Schubert, damals Stadtwerke-Leiter, sitzt in seinem Büro in der Rathauspassage, als seine Sekretärin die Tür öffnet: „Feueralarm, wir müssen raus“, sagt sie. „Ich habe erst gedacht, dass es ein Probealarm ist.“ Schubert läuft aus dem Gebäude und sieht den Qualm. „Ich habe mir gedacht, das gibt’s doch nicht.“

„Wir haben damals frühzeitig gesagt, dass erheblicher Wasserschaden entstehen wird“, erzählt Rüdiger Sobotta, heute Kreisbrandrat im Landkreis. Das heißt: Wichtige Dokumente und Akten müssen raus aus dem Gebäude. „Das ganze Rathaus hat mitgeholfen“, erinnert sich Schubert. Während die Feuerwehr am Dach gegen den Brand kämpft, reichen Helfer Akten aus den Fenstern im Erdgeschoss. „Das war eine beeindruckende Aktion, wir haben vieles retten können“, sagt Schubert.

Rathaus-Brand vor zehn Jahren: „Das kriegt man nicht aus dem Kopf“

Am Vormittag trifft der damalige Bürgermeister Hans Mummert am Rathaus ein. Er ist eigentlich im Urlaub. Die letzten Tage nach zwei Wochen Italien verbringt er zu Hause. Er steht auf dem Tennisplatz, als ihn Hardi Lenk anruft. Lenk habe gefragt, was man aus seinem Büro räumen solle, erinnert sich Mummert. Auf die Frage, was denn los sei, antwortet Lenk: „Das Rathaus brennt.“ Kurz darauf ist Mummert vor Ort. Noch heute, sagt er, sei ihm der Brand gegenwärtig. „Das kriegt man nicht aus dem Kopf, es war eine dramatische Situation.“ Man stehe da und sei absolut machtlos, man könne nur zuschauen. Beeindruckend seien aber das Engagement und der Zusammenhalt gewesen. Neben Mummert stehen sein Stellvertreter Johannes Bauer und dritter Bürgermeister Ludwig Schmuck, der damals BRK-Chef und Rettungsdienst-Einsatzleiter ist. „Es war traurig, ein Gefühl, als ob mein eigenes Haus brennen würde“, sagt Schmuck heute.

Mummert fährt noch am selben Tag zu dem Handwerker, dessen Lötarbeiten den Brand ausgelöst haben. „Er war am Boden zerstört; es war mir sehr wichtig, ihn zu beruhigen“, sagt Mummert. Gott sei Dank habe es damals keinen Personenschaden gegeben, sagt er. Zwei Feuerwehrleute erleiden allerdings Fußverletzungen.

Rathaus-Brand in Penzberg: Das Feuer frisst sich durch das Dach

Das Feuer frisst sich indes über Stunden zwischen Dachbalken und Schindeln des Rathauses immer weiter. Hat die Feuerwehr an einer Ecke den Brand gelöscht, qualmt es plötzlich am anderen Ende. Es ist wie ein Wettlauf. Von außen und innen kämpfen sich Atemschutzträger vor. Am Ende bleibt nichts anderes übrig, als den Dachstuhl komplett aufzureißen.

Das Problem sei gewesen, sagt Rüdiger Sobotta, dass das Rathaus zuvor mit Brandschutzplatten ertüchtigt worden sei. Allerdings in der Annahme: Wenn es ein Feuer gibt, dann brennt es von innen. Was die Bekämpfung von außen erschwerte. Die zweite Schwierigkeit sei die verwinkelte Dachform mit ihren vielen Ecken gewesen. „Wir sind nicht schnell genug an die Brandherde gekommen.“ Dankbar sei er gegenüber der Stadt, dass der Feuerwehr nie das Gefühl gegeben wurde, nicht das Beste gegeben zu haben. Er persönlich, sagt Sobotta, habe es als „Drama“ empfunden. Als leidenschaftlicher Penzberger habe er wie viele andere mitgelitten. Außerdem war es Sobottas letzter großer Einsatz als Penzberger Kommandant, bevor er im Oktober 2009 Kreisbrandrat wurde.

Rathaus-Brand in Penzberg: Wiederaufbau dauert mehr als zwei Jahre

Zwei Tage nach dem Brand hievt ein Kran den fast unversehrten Uhrenturm vom zerstörten Dach. Die Stadtverwaltung richtet sich in anderen Räumen ein, vor allem in der benachbarten Rathauspassage. Zehn Tage später ist das Rathaus blickdicht verhüllt. Um das Gebäude wieder aufzubauen, müssen die Reste geschützt werden.

Eingerüstet: Das Rathaus nach dem Brand.

Dass es zwei Jahre und vier Monate dauert, bis das Rathaus eröffnen kann, ahnt damals niemand. „Es hat mir viele schlaflose Nächte bereitet“, sagt Mummert. Es war kompliziert, zum Beispiel die Versicherungsfrage. Die Versicherung, sagt Mummert, sei aber sehr kulant gewesen. Das Rathaus muss zunächst in einen Rohbau zurückversetzt werden. Danach wird es nicht einfach nur wiederaufgebaut, es wird auch modernisiert. Vor allem erhält es einen neuen Sitzungssaal. Erst im Dezember 2011 kehrt die Verwaltung in das Rathaus zurück. Wiederaufbau und Umbau haben knapp drei Millionen Euro gekostet. Die Versicherung übernimmt fast alles.

Rüdiger Sobotta sagt, er komme heute klar mit dem Thema. Zumal ein Rathaus entstanden sei, das um ein Vielfaches besser und moderner ist. Aber, fügt er an: „Deswegen hätte es nicht zu brennen brauchen.“

Lesen Sie auch: Großbrand im Penzberger Rathaus - Bericht und Bilder vor zehn Jahren

Und: Wie das Uhrentürmchen vom Rathaus-Dach gerettet wurde

Und: Rathaus hinter Planen - so sah es dahinter aus

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