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Alpenbus verbindet Landkreise im Oberland - Penzberg wird ÖPNV-Drehscheibe

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Von: Sebastian Tauchnitz

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Nicht nur Pendler, auch Ausflügler sollen Dank Alpenbus künftig das Auto stehen lassen. Erster Zubringerbus von Peißenberg nach Penzberg als „Vorgeschmack“
Nicht nur Pendler, auch Ausflügler sollen Dank Alpenbus künftig das Auto stehen lassen. Erster Zubringerbus von Peißenberg nach Penzberg als „Vorgeschmack“ © DB/ARCHIV

Der Beschluss über die Beteiligung am landkreisübergreifenden Alpenbus sorgte für eine kontroverse Debatte im Kreisausschuss. Grüne und AfD verweigerten dem Projekt die Zustimmung.

Weilheim-Schongau - Alle Wege führen nach München – zumindest, wenn man sich weite Teile der Verkehrsverbindungen im Oberland anschaut. Querverbindungen sind Mangelware. Das soll sich jetzt mit dem Alpenbus ändern. Die neue Buslinie, an der seit drei Jahren geplant wurde, soll von Rosenheim über Miesbach, Bad Tölz und Penzberg bis nach Murnau führen und „das sternförmig auf München ausgerichtete Verkehrsnetz aufbrechen“.

Federführend koordiniert wurden die Planungen vom Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, durchgeführt hat sie die MVV Consulting GmbH, eine Tochter des Münchner Verkehrsverbundes.

Alpenbus: Murnau als Endpunkt

Über die Routenführung wurde lange gestritten. Ursprünglich stand auch im Raum, dass Weilheim statt Murnau angebunden wird. Das Thema ist jetzt vom Tisch, stattdessen erhielt Murnau als Endpunkt und Anbindung ans Schienennetz nach München den Zuschlag.

Auch vom ursprünglichen Plan, eine durchgehende Linie zu etablieren, hat man sich zwischenzeitlich aus ganz praktischen Gründen verabschiedet. Aufgrund des Dauerstaus an der Flinthöhe in Bad Tölz wäre die Gefahr zu groß gewesen, dass es permanent zu Verspätungen kommt. Stattdessen wird zwischen einem Ost-Ast, der von Tölz über Gmund am Tegernsee und Miesbach nach Rosenheim führt und einem West-Ast unterschieden, an den auch der Landkreis Weilheim-Schongau angebunden wird. Laut der jetzigen Routenplanung sollen die Alpenbusse montags bis freitags und an den Wochenenden im Stundentakt auf dem West-Ast Bad Tölz – Penzberg – Habach – Murnau durchfahren. Während unter der Woche der Bahnhof in Penzberg und die Firma Roche auf dem Fahrplan stehen, wird der Halt bei Roche an den Wochenenden durch einen Stopp an den Osterseen ersetzt. So könne die Linie auch für touristische Zwecke genutzt werden, heißt es in der Beschlussvorlage, über die der Kreisausschuss gestern zu befinden hatte.

Alpenbus soll fünf Jahre betrieben werden

Vorerst soll der Alpenbus fünf Jahre betrieben werden. Der Freistaat übernimmt in den ersten drei Jahren 60 Prozent des „Betriebskostendefizits“, also der anfallenden Kosten nach Abzug der Fahrgeldeinnahmen. Danach trägt er die Hälfte der Kosten. Für den Rest muss der Landkreis einspringen.

Erwartet werden für den Landkreis Gesamtkosten von rund 450 000 Euro pro Jahr. Davon werden die Einnahmen abgezogen. Im ersten Betriebsjahr wird dabei eine Kostendeckung von 10 bis 15 Prozent erwartet, später dann Einnahmen, die mehr als ein Viertel der Kosten decken – auf einigen Teilbereichen soll diese Quote noch deutlich höher liegen. Am Ende blieben beim Landkreis Kosten von rund 180 000 Euro pro Jahr für eine stündliche, schnelle Busverbindung in die benachbarten Landkreise übrig. Davon werden allerdings noch die Ticketeinnahmen abgezogen.

Für den Alpenbus soll ein gesonderter Tarif entwickelt werden, der sich am MVV-Tarif orientiert, was im Falle eines Beitritts des Landkreises zum MVV-Tarifgebiet die Umstellung erleichtern soll. Wie viel die Fahrt genau kosten wird, ist noch nicht bekannt. Die Linie soll im Juni 2024 in Betrieb gehen, wenn alle beteiligten Landkreise zustimmen. Garmisch-Partenkirchen und Miesbach haben schon grünes Licht gegeben. Und auch der Kreisausschuss stimmte mehrheitlich für den Vorschlag.

Alpenbus: Vorstellung im Kreistag

Veronika Schellhorn, die im Landratsamt dafür zuständig ist, das Nahverkehrskonzept zu entwickeln, damit es im Landkreis in Zukunft tatsächlich so etwas wie einen Öffentlichen Personennahverkehr gibt, konnte ihre Begeisterung für den Alpenbus kaum verbergen: „Diese Verbindung ist extrem wichtig. Bislang haben wir im Landkreis nicht eine einzige Buslinie in dieser Qualität.“

Der Alpenbus, der von Murnau bis nach Miesbach führen soll und dabei wochentags einen Schlenker über Habach, den Bahnhof in Penzberg und das Roche-Gelände macht, soll das Herzstück der überregionalen ÖPNV-Planung werden.

Möglichst viele Busverbindungen nach Penzberg

Die zugrunde liegende Idee: Von den einzelnen Orten im Landkreis sollen in Zukunft möglichst viele Busverbindungen nach Penzberg eingerichtet werden, damit diejenigen, die in die Nachbarlandkreise Bad Tölz, Wolfratshausen oder Miesbach wollen, dort in den Alpenbus umsteigen können, um schnell im Stundentakt ans Ziel zu kommen.

Zudem werde mit Roche der größte Arbeitgeber in der Region durch den Alpenbus bestens angebunden, so Schellhorn. Das freute auch Penzbergs Bürgermeister Stefan Korpan, der für die CSU im Kreisausschuss sitzt. „Wenn wir eine attraktive Anbindung des Werks durch den ÖPNV haben, bedeutet das für die Stadt eine massive Erleichtung im Pendlerverkehr“, sagte er gestern. Es gebe schon die MVV-Linie aus Geretsried und Wolfratshausen zum Roche-Werk, wenn ab 2024 noch der Alpenbus dazu komme, rechnet man mit spürbar weniger Autoverkehr. „Selbst wenn der Freistaat nicht knapp zwei Drittel der Kosten übernehmen würde, sollten wir das machen“, so Korpan.

„Eigentlich kein Alpenbus, sondern nur ein Oberlandbus“

Das sahen ausgerechnet die Grünen im Kreisausschuss anders. Karl-Heinz Grehl (Grüne/Weilheim) meinte, dass „der Alpenbus von Ministerpräsident Markus Söder im Wahlkampf angekündigt wurde und nun sollen die Landkreise die Zeche zahlen“. Auch die Anmerkung von Verkehrsplanerin Schellhorn, man hätte diese Linien ohnehin einführen müssen, allerdings dann „wahrscheinlich den dreifachen Preis“ bezahlt, vermochte ihn nicht umzustimmen.

Bei aller Begeisterung für das Projekt: Nur eitel Sonnenschein herrschte nicht beim Thema „Alpenbus“ im Ausschuss. Peter Ostenrieder (CSU/Peiting), erinnerte daran, dass die Linie ursprünglich nicht in Murnau hätte enden sollen, sondern weiter ins Allgäu geführt werden sollte. Doch „ein Landkreis“ (gemeint war wohl Landsberg am Lech) habe da nicht mitgespielt. Und nun sei es halt „eigentlich kein Alpenbus, sondern nur ein Oberlandbus“, so Ostenrieder. Bei der Ursprungsvariante wären auch Peiting und Schongau mit angebunden worden.

Nur mit einem Teil des Landkreises dem MVV-Tarifgebiet beitreten?

Vollkommen unkommentiert blieb derweil im Kreisausschuss die Tatsache, dass offenbar Überlegungen laufen, nur mit einem Teil des Landkreises dem MVV-Tarifgebiet beizutreten. Kreisrat Wolfgang Taffertshofer (BfL/Obersöchering) hatte kritisiert, dass ein Extra-Alpenbus-Tarif eingeführt werden soll. „Die Menschen wollen gern mit einem einzigen Ticket von Habach bis nach München fahren und nicht drei verschiedene Fahrscheine lösen müssen“, sagte er.

Felix Fitz von der MVV Consulting GmbH, der per Videotelefonat zugeschaltet war, entgegnete darauf: „Der Alpenbus kann erst 2024 in Betrieb gehen. Ohne der Entscheidung vorgreifen zu wollen, könnte es durchaus sein, dass zu diesem Zeitpunkt bereits der östliche Teil des Landkreises Weilheim-Schongau Teil des MVV-Tarifgebiets ist. Die könnten dann natürlich mit einem Ticket bis München fahren.“ Das würde im Umkehrschluss bedeuten, dass der gesamte Schongauer Bereich außen vor bleiben würde.

Peter Erhard (CSU/Böbing) sprach sich dessen ungeachtet für den Alpenbus aus. „Den ÖPNV gibt es nicht zum Nulltarif. Jammern wir also nicht über das Geld, was wir nicht bekommen, sondern freuen uns über das, was uns der Freistaat dazubezahlt.“

Veronika Schellhorn vom Landratsamt meinte, dass es im Landkreis auch schon einen „Vorgeschmack“ auf die künftige Struktur des Nahverkehrs gebe: Die Linie 9642 von Peißenberg bis zu Roche nach Penzberg, die wochentags sechs Mal fahre. Das sei ein Beispiel dafür, wie in Zukunft der ÖPNV strukturiert werden soll. Die Peißenberger Roche-Mitarbeiter fahren mit dem Bus zu Arbeit, die, die weiter weg wollen, steigen in den Alpenbus um.

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