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Gemeinsam essen, miteinander reden: auf dem Stadtplatz in Penzberg.

Premiere: öffentliches Fastenbrechen

Penzberger Stadtplatz: Wie ein großes Familienpicknick

Das abendliche Fastenbrechen ist fester Bestandteil des Ramadan. Dass Muslime Nicht-Muslime dazu auf den Penzberger Stadtplatz einladen, war aber eine Premiere. Das öffentliche Fastenbrechen der islamischen Gemeinde war ein Abend des Miteinanders, an dem manche interreligiöse Freundschaft geknüpft wurde.

Penzberg – Eine Stimmung wie bei einem riesigen Familienpicknickauf herrschte am Samstagabend auf dem Penzberger Stadtplatz. Von überall strömten Menschen herbei, in den Händen – mit Alufolie abgedeckte – Platten, Töpfe und riesige Schüsseln, die sie auf den 68 aufgestellten Biertischen absetzten. Unter der Folie: traditionelle muslimische Gerichte wie Kichererbsen- und Auberginen-Eintopf oder Bulgur.

Erstmals fand am Stadtplatz ein öffentliches Fastenbrechen statt. Rund 600 Menschen aus Penzberg und Umgebung zählte Gönül Yerli, Vizedirektorin des Islamischen Forums, etwa genauso viele Muslime wie Nicht-Muslime. Wie Yerli erläuterte, bewirtete je eine muslimische Familie eine nicht-muslimische Familie mit selbst zubereiteten Speisen.

Zum Beispiel Nwara al Methiab und ihre Familie. Die 16-jährige Schülerin aus Syrien hatte ihre Freundin Annika mit deren Familie eingeladen. „Wir haben uns über diese Einladung gefreut“, sagte Annika, die mit ihren Eltern Ines und Hubert Schaller sowie Nwaras Familie an einem Tisch saß. Hier ließ sich die Penzberger Familie erzählen, wie die Muslime im Fastenmonat Ramadan den langen Tag ohne Essen und Trinken überstehen. „Wenn wir Ferien haben, bleiben wir bis morgens um 4 Uhr auf und gehen erst dann schlafen“, erzählte Nwara.

Auch am Samstag durfte erst nach Sonnenuntergang gegessen werden. Die Schüsseln mit Reis, Salat und Rindfleisch blieben zuvor abgedeckt. Erst um 21.20 Uhr läutete ein Gebetsruf das Fastenbrechen ein. Darauf warteten auch Andrea und Jürgen Wolff. Sie hatten übers Internet von dem Abend erfahren und sich dafür angemeldet – aus Neugierde, wie die beiden Penzberger erzählten. „Ich weiß über den Ramadan so gut wie nichts“, so Jürgen Wolff, der es gut fand, wenn die Religionen bei so einem gemeinsamen Essen miteinander ins Gespräch kommen. Die Familie, die sie bewirtete, kannte das Ehepaar – anders als Familie Schaller – zuvor nicht. Doch das machte nichts. Während sie mit Ajsa und Muaz Dugonjic auf den Beginn des Essens warteten, entwickelte sich rasch ein Gespräch über Glauben und den Ursprung von Religionen.

Genau dies war laut Yerli ein wesentliches Ziel des Abends. „Gelegenheit zum Austausch“ sollte er bieten, Nicht-Muslime sollten den Ramadan besser verstehen lernen. Kurz vor 21.20 Uhr traten der katholische Pfarrer Bernhard Holz, sein evangelischer Kollege Julian Lademann und Imam Benjamin Idriz gemeinsam aufs Podium – ein sichtbares Zeichen der Verbundenheit der Religionen in Penzberg. Holz würdigte die Einladung der islamischen Gemeinde als „große Ehre“. Zweiter Bürgermeister Dr. Johannes Bauer wertete die vielen Teilnehmer in seinem Grußwort als Beweis dafür, dass hier das Miteinander gelebt werde. Darauf könnten alle Penzberger stolz sein.

Sandra und Florian Habeck waren vom lebhaften Treiben auf dem Stadtplatz so fasziniert, dass sie spontan im Vorbeifahren mit ihrem Auto anhielten und näherkamen. Eine Muslima lud sie sofort zum Mitessen ein. „Das ist so toll hier“, schwärmte die Erzieherin. „So etwas könnte ruhig öfter sein.“

Text: Franziska Seliger

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