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Penzberger Urmel-Jugendliteraturpreis 2021 geht nach Italien - „Verloren in Eis und Schnee“

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Von: Wolfgang Schörner

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An Davide Morosinotto aus Italien geht der Kinder- und Jugendliteraturpreis „Penzberger Urmel 2021“, hier mit seinem Buch „Verloren in Eis und Schnee“.
An Davide Morosinotto aus Italien geht der Kinder- und Jugendliteraturpreis „Penzberger Urmel 2021“, hier mit seinem Buch „Verloren in Eis und Schnee“. © Wolfgang Schörner

Der Kinder- und Jugendliteraturpreis „Penzberger Urmel“ geht dieses Jahr an den Italiener Davide Morosinotto. Der 41-Jährige erhält den mit 2000 Euro dotierten Preis für sein Buch „Verloren in Eis und Schnee“, einer Geschichte, die im Zweiten Weltkrieg während der Belagerung Leningrads durch die deutsche Wehrmacht spielt.

Penzberg – Seit 2005 verleiht die Stadt Penzberg den Kinder- und Jugendliteraturpreis „Urmel“, benannt nach der berühmten Kinderbuchfigur des vor sechs Jahren verstorbenen Autors Max Kruse, der den Literaturpreis einst initiiert hatte. Das Besondere an dem Preis: Eine Kinderjury entscheidet, wer ihn bekommt. Vor zwei Jahren wurde das Buch „Das Blaubeerhaus“ von Antonia Michaelis ausgezeichnet. Am Freitagabend gab es nun den Urmel-Preis 2021.

„Verloren in Eis und Schnee“ ist 2018 auf Deutsch erschienen

Dieses Jahr geht der Urmel-Preis nach Italien. Davide Morosinotto erhält ihn für das bereits 2018 auf Deutsch erschienene Buch „Verloren in Eis und Schnee“. Von „Urmel“ und dem gleichnamigen Preis habe er zuvor noch nie gehört gehabt, gestand der 41-Jährige am Freitag vor der Verleihung in einem Pressegespräch. Als eine „spezielle Ehre“ bezeichnete es der Italiener aber, dass der Preis von einer Kinderjury verliehen wird.

Der bereits vielfach ausgezeichnete Autor lebt in Bologna. Mit 17 Jahren verfasste Davide Morosinotto seine erste Kurzgeschichte, die auf die Auswahlliste des renommierten italienischen Literaturpreises „Premio Campiello“ stand. Bis heute hat er nach eigener Schätzung rund 50 Bücher geschrieben. Erst kürzlich erhielt er in Frankreich einen Preis für „Der Ruf des Schamanen“. Sein Buch „Die Mississippi-Bande“ war 2018 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

Geschichte spielt während der Belagerung Leningrads im Zweiten Weltkrieg

Nun also der Penzberger „Urmel“-Preis für „Verloren in Eis und Schnee“. Die 440 Seiten sind ein durchaus harter Stoff für ein Jugendbuch. Die Geschichte spielt während des Zweiten Weltkriegs in Russland. Kurz bevor die deutsche Wehrmacht den Belagerungsring um Leningrad schließt, werden Kinder evakuiert, auch die 13-jährigen Zwillinge Nadja und Viktor. Im überfüllten Bahnhof werden sie getrennt. Viktor verschlägt es nach Sibirien, Nadja versteckt sich auf einer Festungsinsel. Die Geschwister versuchen daraufhin, sich nach Leningrad zurückzukämpfen. Morosinotto hat ein interessantes Stilmittel gewählt, das die Geschichte authentisch wirken lässt. Er erzählt sie anhand der Aufzeichnungen der Zwillinge. Hinzu kommt eine weitere Facette, die die Spannung erhöht: die Anmerkungen eines sowjetischen Volkskommissars. Er hat die losen Blätter, Notizen, Postkarten und Fotografien der Kinder nach Kriegsende bei einer Wohnungsdurchsuchung gefunden und muss beurteilen, ob die Zwillinge Hochverrat begangen haben. Das Buch beschreibt die Grausamkeiten des Krieges, Hunger, Tod und Leid. Es lässt aber auch Platz für Hoffnung.

Kinderjury: Schilderungen sind schwer zu ertragen

Die Botschaft des Autors? Damit sei er vorsichtig, sagt Davide Morosinotto. Er wolle es lieber dem Leser überlassen, welche Botschaft er aus dem Buch zieht. Sehr angetan von der Wahl der Kinderjury ist jedenfalls Katrin Fügener, Leiterin der Stadtbücherei. Es sei eine heftige, aber tolle Geschichte, sagt sie. „Ich bin stolz auf die Kinderjury.“

Beeindruckt war die junge Jury von der „außergewöhnlichen Gestaltung“ und der Tagebuchform. Die detailreichen Schilderungen der Kriegsereignisse, von Gewalt und Tod sei für einige Juroren schwer zu ertragen gewesen, schreibt sie in ihrer Begründung. Trotzdem habe sich das Buch von den anderen Bewerbern deutlich abgehoben. „Man jagt und zittert mit den Kindern durch Schnee und Eis, bangt und hofft auf ein gutes Ende, als wäre man selbst dabei.“

Urmel-Familiensamstag in der Stadthalle

Die Penzberger Stadtbücherei lädt für diesen Samstag, 9. Oktober, von 14 bis 17 Uhr alle Kinder und ihre Familien zu einem „Urmel-Familiensamstag“ in die Penzberger Stadthalle ein – mit Vorlesen, Zauberer Zodiac, Bastel- und Malangeboten. Der Eintritt ist frei. Anlass ist der 100. Geburtstag von Max Kruse (19. November).

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