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Zeigt her eure Hände:  die Penzbergerin Magdalena Umbach mit ihren indischen Schützlingen, nachdem sie im Unterricht gebastelt hatten.

Für die Kleinen ist sie wie eine „große Schwester“

Penzbergerin (20) kümmert sich um HIV-Kinder in Indien

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Rund 7500 Kilometer liegen zwischen Magdalena Umbachs Heimatstadt Penzberg und dem südindischen Bundesstaat Tamil Nadu. Dort steht sie momentan freiwillig Straßenkindern zur Seite.

Penzberg – Ein Jahr lang wird Magdalena Umbach in Indien sein, für die Organisation „Don Bosco Volunteers“. Sie arbeitet im Bundesstaat Tamil Nadu nahe der Stadt Salem in einem Heim für HIV-infizierte Kinder und Jugendliche. Das „Don Bosco Care Home“ bietet dort 76 Straßenkindern medizinische Versorgung, kostenlose Schulbildung, Verpflegung und ein Dach über den Kopf.

„Gleich nach dem Abitur auf eine Universität zu gehen und dem gewohnten Alltag zu folgen, wollte ich nicht“, erzählt die gebürtige Tölzerin, die seit ihrer Kindheit in Penzberg lebt. Sie habe schon längere Zeit vorgehabt, nach dem Abitur ins Ausland zu gehen, nicht als Touristin, sondern um „wirklich in die Kultur einzutauchen, dort zu leben und gleichzeitig auch noch etwas Gutes zu tun“. Magdalena Umbach meldete sich bei der Organisation „Don Bosco Volunteers“, die ihren Sitz im Kloster Benediktbeuern hat. Nach einer mehrmonatigen Vorbereitungszeit stand fest: Die junge Penzbergerin wird ein Jahr lang in dem südindischen Kinderheim als Freiwillige arbeiten.

Gesprochen wird ein „Englisch-Tamil-Deutsch-Mix“

„Meine Aufgabe ist es, von morgens bis abends einfach für die Kinder da zu sein“, schreibt Magdalena Umbach per E-Mail aus Indien. „Sich zu ihnen zu setzen, ein offenes Ohr für sie zu haben und den Part einer großen Schwester zu übernehmen.“ Sie bringt die Kinder in der Früh zur Schule, holt sie wieder ab und unterrichtet sie danach mit einer Mitvolontärin in Englisch. Die Verständigung, erzählt die 20-Jährige, funktioniere in einem „Englisch-Tamil-Deutsch-Mix“. Magdalena Umbach lernt selbst Tamil, die Muttersprache ihrer Schützlinge. Und die Kinder wiederum versuchen, sich einige Brocken Deutsch anzueignen.

Die Arbeit mit den Kindern ist allerdings nicht ungetrübt. Sie sind mit dem HI-Virus infiziert, der die Krankheit Aids auslösen kann. „Natürlich ist es nicht schön, wenn mal wieder ein Kind krank im Bett liegt“, erklärt die junge Penzbergerin. Das komme leider oft vor, weil sie ein höheres Ansteckungsrisiko haben. „Besonders dann versuche ich, mir für diese Kinder Zeit zu nehmen und setze ich mich zu ihnen ans Bett.“ Sie hoffe, dass es den Kindern am nächsten Tag wieder besser gehe. „Und wenn dann mal wieder ein Kind nach zwei Tagen im Bett mit einem Lachen raus zum Sportplatz kommt, freut mich das umso mehr.“ Denn ihre Schützlinge geben der jungen Frau auch etwas zurück: Deren Talent, trotz der Krankheit so energiereich zu sein, sagt die Penzbergerin, sporne sie an, genauso voller Freude auf ihr eigenes Leben zu blicken.

Es fehlt an medizinischer Versorgung

Magdalena Umbach und ihre Mitvolontärin helfen auch, Wunden zu versorgen. Dabei müsse sie natürlich vorsichtig sein, die Kinder lernten aber sehr früh, dass sie ihre Wunden immer selbst eincremen müssen. Ebenso bemühen sich die beiden Frauen, medizinische Hilfsmittel aufzutreiben. Denn teilweise fehle es an Pflastern oder Cremes. Sie versuchen deshalb, über Spenden die medizinische Ausstattung zu verbessern. Auch einen Arzt würden sie gern in das Projekt holen. Trotzdem findet Magdalena Umbach, dass „Care Home“ die Kinder gut auf ein späteres Leben mit ihrer HIV-Infektion vorbereitet.

Jedenfalls bereut Magdalena Umbach es nicht, nach Indien gegangen zu sein. Bis August 2018 wird sie noch dort sein. Was ihr besonders in dem Land auffällt, ist, dass in vielen Häusern und Einrichtungen die Bilder aller drei Hauptreligionen hängen, die in dem Land am meisten vertreten sind: Hinduismus, Islam und Christentum. Ihre Tamil-Lehrerin sei zum Beispiel Hinduistin, gehe aber ab und zu in eine christliche Kirche zum Beten. Magdalena Umbach glaubt auch, dass sie für ihr eigenes Leben etwas aus Indien mitnehmen kann. Das Land sei farbenfroh und kreativ, was sie selber dazu inspiriert habe, mehr gestalterisch aktiv zu sein. Und: Sie lerne „unglaublich geduldig zu sein, da in Indien nicht immer alles so reibungslos klappt und man dafür einfach geduldig sein muss“.


Spendenkonto und Blog

Wer helfen will, die medizinische Ausstattung in dem Projekt zu verbessern, kann dafür spenden:

An die „Don Bosco Mission“; Liga Bank München; IBAN: DE66 7509 0300 0102 1418 76; BIC: GENO DEF1M05; Verwendungszweck: „Magdalena Umbach R511758“.

Zudem schreibt die Penzbergerin einen Blog für ihren Spendenkreis unter: „https://blogs.donboscovolunteers.de/magdalenaszeit/“.

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