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Penzbergs Chef-Ermittler geht in Pension

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Von: Franziska Seliger

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Zwei Polizisten geben sich vor einem Polizeiauto zum Abschied die Hände.
Auf Wiedersehen: Manfred Sporer (li.) verabschiedet sich nach knapp 30 Jahren Polizeidienst in Penzberg in den Ruhestand. Dienstellenleiter Matthias Krümpel (re.) verliert damit einen „geschätzten Kollegen“. © Seliger

Fast 30 Jahre hat Polizei-Hauptkommissar Manfred Sporer bei der Polizeiinspektion Penzberg gegen Wohnungseinbrecher oder Autoknacker ermittelt. Auch gegen Drogenkriminelle ging er vor. Gestern hat sich der 61-Jährige in den Ruhestand verabschiedet.

Penzberg – Seine Sachen hatte Manfred Sporer schon am gestrigen Vormittag gepackt. Die Schränke in seinem Büro sind leer, der Schreibtisch aufgeräumt. Nur ein paar persönliche Bilder muss er noch von den Wänden abhängen. Und der Kaktus am Fenster? Den kann sein Nachfolger übernehmen. „Ich gehe mit zwei lachenden Augen“, sagt Sporer auf die Frage, ob ihm der Abschied von seinen rund 35 Kollegen in der Dienststelle nach beinahe drei Jahrzehnten nicht schwerfällt. Das natürlich schon, versichert Sporer. Außerdem: „Der Beruf hat mir immer Spaß gemacht.“ Aber: „Ich freue mich so auf das, was jetzt kommt.“

Ursprünglich Industriemechaniker gelernt

Eigentlich gelernter Industriemechaniker, kam der gebürtige Großweiler, der zwischen 2002 und 2020 auch als Bürgermeister in der Loisachgemeinde tätig war, eher zufällig zum Polizeiberuf, nachdem ein Einstellungsberater der Polizei sein Interesse daran geweckt hatte.

Am 1. Oktober 1981 hatte er seinen ersten Diensttag bei der Bereitschaftspolizei in Königsbrunn. Nach seiner Ausbildung dort arbeitete Sporer zunächst bei der Einsatzleitung der Polizeidirektion Weilheim, wurde im September 1986 nach Murnau versetzt und wechselte 1988 zur gerade neu gegründeten Rauschgift-Ermittlergruppe bei der Kriminalpolizei Weilheim. „Das hat mich einfach interessiert“, erinnert er sich. Am 2. Dezember 1992 kam Sporer dann nach Penzberg –regelrecht über Nacht, denn erst einen Tag zuvor sei er gefragt worden, ob er nicht die vakante Ermittlerstelle in der Bergarbeiterstadt übernehmen wolle. Und der damals 31-Jährige wollte.

Ermittlungen bei Einbrüchen oder aufgebrochenen Autos

Fast 30 Jahre lang gehörten das Aufklären von kleineren Delikten wie Wohnungseinbrüchen, aufgebrochene Fahrzeuge oder Betriebsunfälle zu seiner täglichen Arbeit. „Mein Steckenpferd war aber weiterhin die Drogenkriminalität.“ Fußspuren, Fingerabdrücke oder DNA-Spuren am Tatort sichern, Zeugen befragen oder Verdächtige vernehmen: darin wurde Sporer im Lauf der Jahre Profi. Sein Zuständigkeitsbereich reichte dabei von Bernried bis Sindelsdorf und von Obersöchering bis Penzberg. Bis zu 150 Fälle hatte er in manchen Jahren zu bearbeiten. Nur während seiner Zeit als Bürgermeister seien es deutlich weniger gewesen, da er in dieser Zeit nur halbtags bei der Polizei gearbeitet habe. Seine Aufklärungsquote? Die könne er zwar nicht nennen. Aber an einige ganz besondere Fälle erinnere er sich noch gut. Etwa daran, wie er bei der Durchsuchung der Wohnung eines Drogenverdächtigen zufällig eine geladene Waffe fand. Oder daran, wie er bei einem Einsatz einen psychisch kranken Mann überwältigte, der seinem Kollegen zuvor eine Ohrfeige verpasst hatte. Richtig brenzliche Situationen habe er zwar nicht erlebt in all den Jahren. „Aber eine Ohrfeige kannst Du dir bald mal einfangen“, bilanziert er schmunzelnd.

Auch als Schutz für hochrangige Persönlichkeiten war Sporer immer wieder im Einsatz. Beispielsweise im Buchheim-Museum bei einem Besuch des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber vor einigen Jahren. Damals, erzählt Sporer, habe er sich einen Stuhl geschnappt und direkt neben eine Installation aus drei menschlichen Figuren gesetzt. Zu diesen Drei habe er so gut dazu gepasst, dass ihn in dieser Tarnung nicht einmal Edmund Stoiber bemerkt habe.

Auch mal bei Rot über die Ampel gefahren

Ach ja: Zum Abschied verrät Sporer, dass auch er als Polizist im Laufe der Jahre in die eine oder andere Radarfalle gefahren ist. Ein bisschen zu schnell mit dem Auto unterwegs oder mal über eine rote Ampel fahren: Das passiere nämlich auch Polizisten hin und wieder.

„Wir verlieren einen geschätzten Kollegen auf der Dienststelle“, betonte Dienststellenleiter Matthias Krümpel am gestrigen Freitag – Sporers letztem Tag im Dienst. Bis 31. Oktober nimmt der sich nun erst einmal seinen Jahresurlaub, den er sich eigens aufgespart habe. „Ab 1. November beginnt dann die Pension.“ Pläne geschmiedet habe er dafür ganz bewusst keine. „Ich warte ab, was auf mich zukommt.“ Zu tun habe er eh genug. Er liebe Wintersport, gehe viel zum Holzmachen in den Wald und sein Enkel freut sich auch darauf, wenn der Opa mehr Zeit für ihn hat.

Neue Uniform fast nicht getragen

Wenn er seine restlichen Sachen aus seinem Büro räumt, dann wird darunter auch die neue blau-weiße Uniform sein, die die bayerische Polizei vor einigen Jahren bekommen hat. Sporer hat nur Teile davon jemals angezogen. Und die auch nur einmal, gibt er zu. Zivilkleidung sei ihm stets lieber gewesen.

Sporers Stelle soll neu besetzt werden, sagt Dienststellenleiter Krümpel. Ein Nachfolger stünde aber noch keiner fest.

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