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Eine kesse Sohle legten Christina I. aus den Loisachauen und Prinz Tobias I. von den Feuerkobolden aufs Parkett

Penzberg 

Penzbergs neue Regenten halten Hof

In einer nahezu ausverkauften Stadthalle wurde am Samstag das Prinzenpaar der diesjährigen Faschingssaison gekrönt. Über sieben Wochen ist die Stadt Penzberg nun in Narren-Händen.

 Dass sie den goldenen Schlüssel des Rathauses an Prinzessin „Christina I. aus den Loisachauen“ und ihren Gemahl, Prinz „Tobias I. von den Feuerkobolden“, abgeben musste, fiel Bürgermeisterin Elke Zehetner heuer möglicherweise leichter als sonst.

Mit strahlendem Lächeln überreichte sie diese Insignie der Macht an die beiden Hoheiten. Bis in den März hinein kann sich die Rathaus-Chefin nun von den politischen Querelen der jüngsten Vergangenheit erholen. In ihrer traditionellen und angesichts der Stimmung im Stadtrat heuer besonders symbolträchtigen „Kapitulationsrede“ stellte Zehetner jedoch in Richtung ihrer politischen Gegner klar: „So schnell gebe ich nicht auf.“

Natürlich werde sie den Rathausschlüssel pünktlich zum Kehraus wieder einfordern. Bis dahin freilich gelten ab sofort andere Regeln in Penzberg, wie Christina I. und Tobias I. in ihrer Antrittsrede vor ihren Untertanen in der Stadthalle ausführten. Die Sperrstunde beispielsweise werde abgeschafft.

Stattdessen würden künftig zu später Stunde einfach die Uhren angehalten. „Und wir wollen richtig sparen“, so Prinz Tobias. Unbedingt wollen die Hoheiten – beides Mitglieder der Penzberger Feuerwehr – nämlich das Blaulichtzentrum realisieren. Und das inklusive einer Kinderbetreuung für die Sprösslinge der Einsatzkräfte.

Um dafür Geld zusammenzubekommen, soll an der Ampel gegenüber der Sparkasse eine Espresso-Bude aufgebaut werden. „Bei der langen Rot-Phase dort könnte man damit viel Geld einnehmen“, zeigte sich der Prinz überzeugt. In einer mit politischen Anspielungen gespickten Rede stellten die Hoheiten unter anderem Überlegungen zum künftigen Begriff der „Vettern-Wirtschaft“ an. Dieser könnte in Penzberg eine ganz besondere Bedeutung bekommen, sollte Zehetner-Herausforderer Andreas Vetter bei der anstehenden Kommunalwahl tatsächlich Bürgermeister werden.

Aber vielleicht ist eine Wahl ja völlig unnötig? Schließlich ist es gut möglich, dass das närrische Kabinett besser regiert als die nun abgesetzten Stadträte. Zumindest tanzen können Prinz und Prinzessin schon einmal sehr gut. Walzer und Showtanz waren mitunter so schwungvoll, dass der Prinz nicht nur gehörig ins Schwitzen kam, sondern auch seine Brille auf der Tanzfläche verlor und sich der weiße Unterrock seiner Prinzessin bei so manch stürmischer Hebefigur an seinem Kopf verhedderte. Die Hoheiten nahmen‘s mit Humor.

Franziska Seliger

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