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Zieht von Penzberg nach Hamburg: Die evangelische Pfar rerin Ursula Schwager.

Ihrem Sohn zuliebe

Pfarrerin Schwager verlässt Penzberg: Umzug ins Ungewisse

Über fünf Jahre arbeitete Ursula Schwager als Pfarrerin in der evangelischen Kirchengemeinde in Penzberg. Nun zieht sie nach Hamburg – ihrem Sohn zuliebe. Für die 55-Jährige ist es ein Aufbruch ins Ungewisse.

Penzberg – Das Haus ist gekündigt, der Job in Penzberg auch. Am 1. März (15 Uhr) wird Pfarrerin Ursula Schwager mit einem Gottesdienst in der evangelischen Kirche offiziell verabschiedet. Beabsichtigt habe sie ihren Umzug nach Hamburg nicht, erzählt sie. Eigentlich habe sie vorgehabt, „sehr dauerhaft“ aber „mindestens bis zum Abitur meines Sohnes“ in Penzberg zu bleiben.

Doch genau ihr Sohn Ruben machte nun einen Strich durch diese Pläne. Denn mit gerade einmal 14 Jahren sei ihr Sohn im Sommer letzten Jahres an der Ballettschule John Neumeier der Staatsoper Hamburg aufgenommen worden – einer international renommierten Ballettschule. „Hier einen Platz zu bekommen, ist sehr ungewöhnlich“, so Schwager.

Die Bewerber für die wenigen Plätze kämen bis aus China. Noch ungewöhnlicher scheint die Tatsache, dass ihr Sohn erst mit fast 13 Jahren mit dem Tanzen anfing und jetzt bereits an der renommierten Schule aufgenommen wurde. Schwager betont jedoch, dass sich ihr Sohn jedes Jahr aufs Neue einen Platz ertanzen müsse.

„Wenn er das will, mache ich das“

Für sie selbst macht das die Situation nicht einfacher. Dass sie ihrem Sohn zuliebe nach Hamburg zieht, sei für sie keine Frage gewesen. „Wenn er will, mache ich das.“ Obwohl sie hier gerne gelebt und gearbeitet habe und eigentlich nicht weggehen wollte, denn: „Ich wurde hier sehr warmherzig aufgenommen, habe mich schnell zuhause gefühlt und fühlte mich hier sehr anerkannt.“

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Es gebe viele Menschen hier, die sie vermissen werde. Allerdings seiihre Arbeit in den vergangenen zwei Jahren „schwieriger“ geworden. Näher möchte sie darauf nicht eingehen. Schwager hat als Pfarrerin mit Vollzeitstelle unter anderem Gottesdienste abgehalten, Hochzeiten gefeierte und Beerdigungen durchgeführt. Besonders wichtig war ihr aber die Jugendarbeit.

Diese jetzt aufzugeben, „das tut weh“, denn: „Da ist so viel Bewegung, so viel Talent und so viel Leben da.“ Als „ganz großes Glück“ habe sie in den vergangenen Jahren den intensiven Austausch und die gute Zusammenarbeit mit der Islamischen Gemeinde empfunden.

„Wenn ich hinfalle, dann stehe ich wieder auf“

Dass eine Frau Mitte 50 ihrem Sohn zuliebe ihre Pfarrstelle kündigt und an einem knapp 1000 Kilometer entfernten Ort noch einmal neu anfängt, empfindet sie selbst nicht als bemerkenswert. Dabei weiß sie weder, ob ihr Sohn dauerhaft an der Schule bleiben kann, noch, wie ihre berufliche Zukunft in Norddeutschland weiter geht.
Lediglich eine Wohnung für sich und ihren Sohn habe sie bisher gefunden. Und Bekannte habe sie auch keine in Hamburg. Und trotzdem: „Ich versuche das jetzt. Und wenn ich hinfalle, stehe ich wieder auf.“ Notfalls komme sie zurück. Eine gewisse Sicherheit gebe ihr ihr Arbeitgeber, denn: „Bis mein Sohn 18 Jahre alt ist, darf ich mich zurückbewerben.“ Sie verliere jetzt war ihre Stelle in Penzberg, könne aber irgendwo im Freistaat wieder als Pfarrerin arbeiten. Ihre Nachfolge sei noch unklar.

VON FRANZISKA SELIGER

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