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Das alte Pfründnerheim wurde vor 92 Jahren gebaut. Ein Verbindungsbau durch den Park (im Bild vorne) könnte die Sicht zu sehr einschränken, lautet die Befürchtung. 

Das Pfründnerheim braucht mehr Platz zum Atmen 

Geplantes AWO-Seniorenzentrum: Verbindungsbau rückt vom Pfründnerheim weg

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Der geplante Verbindungsbau, den das Denkmalamt am liebsten ganz gestrichen hätte, soll von dem alten Gebäude weggerückt werden. Noch ist das Pfründnerheim Teil des Altenheims. 

Penzberg – Bis zum Jahr 2021 muss anstelle des städtischen Altenheims an der Gartenstraße ein neues Seniorenzentrum entstehen. Bis dahin haben die Stadt Penzberg und der AWO-Bezirksverband von der Heimaufsicht des Landkreises Aufschub erhalten, um die Vorgaben des Pflege- und Wohnqualitätsgesetzes zu erfüllen. Derzeit besteht das neue Haus erst auf dem Papier – und zwar auf einem Bebauungsplan-Entwurf. Dieser wurde jüngst im Stadtrat diskutiert. Grundsätzlich wollte daran niemand in der Sitzung rütteln. Allerdings gab es Bedenken, dass das denkmalgeschützte Pfründnerheim durch den Neubau leiden könnte.

Das alte Pfründnerheim ist aktuell Teil des Altenheims. Dies wird aber nicht mehr der Fall sein, wenn der AWO-Bezirk das Gelände, wie geplant, kauft und das neue Seniorenzentrum errichtet. Das Pfründnerhaus soll im Besitz der Stadt bleiben, die sich dort Apartments für Pflegepersonal aus Krankenhaus und Altenheimen vorstellen kann. In jedem Fall soll das Gebäude bestehen bleiben.

Allerdings könnte der geplante H-förmige Altenheim-Neubau den Blick auf das fast 100 Jahre alte Pfründnerhaus zu sehr einschränken. Genauer gesagt: der Verbindungsbau zwischen den beiden Gebäudeflügeln. Er sollte weggerückt werden, um dem Denkmal mehr Platz zu geben, sagte Hardi Lenk (SPD) in der jüngsten Stadtratssitzung. Was auch den Park im Innenhof vergrößern würde. Geschehe dies nicht, müsse er dagegen stimmen, erklärte Lenk. Was er letztlich nicht musste, weil sein Einwand – als Hausaufgabe für den AWO-Bezirk – einstimmig in den Bebauungsplan-Entwurf aufgenommen wurde.

Um den Pfründnerbau ging es auch in einem Einwand des Landesamts für Denkmalpflege. Die Behörde wollte den Verbindungsbau, der die Sicht auf das denkmalgeschützte Haus nimmt, gleich ganz streichen lassen. In seiner Argumentation bezog sich das Landesamt auf einen „Generallinienbauplan“, den Stadtbaumeister Justus Klement eigenen Worten nach zwar kennt, nicht aber die darin genannte Sichtachse zwischen Pfründnerbau und Stadthalle. Den Generallinienbauplan hatte laut Landesamt der Architekt Josef Linder entworfen. Dieser hatte einst sowohl die Stadthalle als auch das Pfründnerhaus geplant. Sein Generallinienplan beinhaltet eine knapp 700 Meter lange Straßenachse, die südöstlich auf die Stadthalle und nordöstlich auf das Altenheim zuläuft – zumindest damals. Beim Bau des neuen Altenheims in den 1960er Jahren sei dieser städtebauliche Bezug nicht beachtet worden, so das Denkmalamt. Bei den aktuellen Neubauplänen wäre die Achse theoretisch wieder hergestellt – wenn der Verbindungsbau gestrichen wird. Allerdings ist die Achse auch durch andere Gebäude unterbrochen.

Dem wollte der Stadtrat allerdings nicht zustimmen. Der Verbindungsbau zwischen den beiden Flügeln sei für den Pflegebetrieb wichtig, hieß es. Der Bebauungsplan-Entwurf geht nun in die nächste Runde: Er wird nochmals öffentlich ausgelegt.

Info:

Das Pfründnerheim erneut Thema im Stadtrat: In der nicht-öffentlichen Sitzung soll für dessen Umbau ein Architekturbüro beauftragt werden.

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