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Zufahrt zu Nantesbuch: in der Mitte die Dorfkirche, rechts das beliebte Ausflugslokal „Märznhof“.

Probleme mit Verkehr: „In Nantesbuch herrscht Unruhe“

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Idyllisch liegt Nantesbuch über dem Loisachtal. Doch in dem Penzberger Ortsteil rumort es. Der Autoverkehr, der durch das beliebte Ausflugslokal „Märznhof“ zugenommen hat, macht den Bewohnern zu schaffen. Sie fragen sich, wohin die Entwicklung ihres Dorfes geht.

Penzberg – Das kleine Nantesbuch thront wenige Kilometer nördlich von Penzberg auf dem Rücken einer Hügelkette. Das Dorf besteht aus wenigen Höfen, der Kirche Mariä Himmelfahrt, die von der Straße Penzberg-Beuerberg aus zu sehen ist, dem ehemaligen Schulhaus und der Zimmerei Lenk. Im April 2017 eröffnete dort zudem der „Märznhof“, ein beliebtes Ausflugslokal. Rechnet man die benachbarten Höfe wie Zist, Promberg, Oberhof und Zachenried dazu, leben in Nantesbuch schätzungsweise hundert Menschen. 

Anwohner machen sich nun allerdings Gedanken darüber, wohin die Entwicklung geht. Da ist der „Märznhof“, der viel Verkehr anzieht und gern um Tagungsräume und Gästezimmer erweitern würde. Am anderen Ende des Dorfes befindet sich die Zimmerei Lenk mit ihrem Lieferverkehr. Und da sind Nantesbucher, die selbst Baurecht haben wollen und sich sorgen, dass sie bei den Entwicklungsmöglichkeiten das Nachsehen haben werden.

Einer davon ist Thomas Grünwald, der auf dem elterlichen Hof in Nantesbuch lebt. Er hat eine Unterschriftenliste mitinitiiert, die im Penzberger Rathaus eingereicht wurde. „Der Verkehr ist jetzt schon katastrophal“, sagt er. Sollte der „Märznhof“ erweitern dürfen, fürchtet Grünwald, dass Nantesbuch überrollt wird. „Das würde den Ort kaputt machen.“ Andererseits geht es ihm auch darum, dass „Entwicklungsmöglichkeiten für Einheimische“ bestehen bleiben. Es solle gerecht zugehen, erklärt er.

Ein Auslöser für die Unterschriftenliste waren ihm zufolge neben dem „Märznhof“- Erweiterungswunsch auch Pläne der Zimmerei Lenk – denen er mittlerweile allerdings positiv gegenüber steht. Es habe geheißen, dass die Außenbereichssatzung geändert werden soll, anfangs habe man nicht gewusst, um was es ging, erklärt Thomas Grünwald. Jüngst im Bauausschuss und im Stadtrat entpuppten sich die Pläne allerdings nicht als eine Erweiterung des Betriebs. Es geht im Endeffekt eher um das Gegenteil.

Der Antrag dreht sich um ein Nebengebäude, das zum Wohnhaus für einen Betriebsleiter oder Hausmeister umgebaut werden soll. Derzeit nutzt die Zimmerei es als Garage und überdachtes Regallager. Die Umwandlung bedeute „weniger Lieferverkehr“, sagte Thomas Keller (SPD) in der Sitzung. Außerdem wolle Zimmereibetrieb, wie es hieß, zum Teil in das Gewerbegebiet Nonnenwald umziehen. Das würde die Situation tatsächlich erleichtern, bestätigt der Nantesbucher Thomas Grünwald.

In Bauausschuss und Stadtrat wurde dieser Antrag dennoch kontrovers diskutiert. Beide Male gab es auch Gegenstimmen aus BfP und FLP. Michael Kühberger (FLP) sagte zum Beispiel, dass anderen Bauwerbern Vorhaben abgelehnt worden seien. Sein Fraktionskollege Jack Eberl forderte, dass wegen der „Gaststätte, die massiv Besucher anzieht“, erst Klarheit über Parkplätze und Durchgangsverkehr geschaffen werde müsse, „bevor wir uns mit einem Wohnhaus neue Probleme schaffen“.

„In Nantesbuch herrscht tatsächlich Unruhe“, sagte Dr. Johannes Bauer (Grüne), der selbst auf dem Zisthof lebt. Es gebe „schon jetzt ein massives Verkehrsproblem“. Allerdings würden verschiedene Projekte vermengt, so Bauer. Der Bauwunsch der Zimmerei Lenk sei da „relativ unproblematisch“. Er bringe „keine weitere Belastung“. Aber es seien andere Bauanträge zu erwarten, zum Beispiel zum „Märznhof“. Bauer schlug deshalb vor, dass die Stadt eine Ortsteilversammlung veranstalten sollte, „in der jeder seine Bedenken, Ängste und Pläne vorbringen kann“. Die Fragen, um dies ihm zufolge geht, sind, ob sich Nantesbuch beliebig vergrößern lässt, ob man Wünsche restriktiv handhabt und ob man bei Baumaßnahmen Präzedenzfälle schafft. Bürgermeisterin Elke Zehetner erklärte dazu, dass man „gerne eine Ortsteilversammlung abhalten“ könne.

Thomas Grünwald aus Nantesbuch findet Bauers Vorschlag gut. „Wir wünschen uns, dass man sich zusammensetzt und die gesamte Entwicklung für Nantesbuch und die umliegenden Höfe bespricht.“ Auch ein Vertreter des Landratsamtes sollte dabei sein, sagt er. „Es muss einfach alles in geordnete Bahnen kommen.“

Gespräche über
Ängste und Pläne
bei Ortsteiltreffen

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