Raserei, Blaulichtfahrt, Diebstahl: Haft für Penzberger

Der junge Penzberger war an der illegalen Blaulichfahrt beteiligt, für die sein Kumpel bereits verurteilt wurde. Auch er stand nun vor Gericht - aber nicht nur deswegen. Das Urteil: Freiheitsstrafe.

Penzberg - In Handschellen wurde ein Penzberger (21) in den Gerichtssaal geführt. Er musste sich vor dem Weilheimer Amtsgericht wegen verschiedener Anklagepunkte verantworten. Darunter waren mehrere Verkehrsdelikte – zum Beispiel eine illegale Blaulichtfahrt im vergangenen März in Penzberg, für die vor kurzem bereits sein Kumpel verurteilt worden war. Auch ein schwerer Diebstahl gehörte dazu. Diesen leugnete der junge Mann. Das Gericht verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren.

Der Angeklagte verbüßt derzeit wegen vorsätzlicher Körperverletzung eine einjährige Jugendfreiheitsstrafe. Schon sechs Vorstrafen hat er angesammelt. Eine Schulausbildung hat er nicht. Aber Autos und schnelles Fahren sind offenbar seine Leidenschaft. Mit über 160 Stundenkilometern überholte er im vergangenen Jahr vor seinem Haftantritt riskant einen voll besetzten VW-Bus. Dessen Fahrer musste eine Vollbremsung hinlegen. Wegen seiner permanenten Verkehrsdelikte ließ der Penzberger Polizeichef Jan Pfeil den 21-Jährigen sogar auf die Inspektion kommen, um ihm ins Gewissen zu reden. Aber nichts half bei dem Verkehrsrowdy. „Ihnen war alles egal“, sagte die Vorsitzende Richterin Claudia von Hirschfeld.

Und dann leistete sich der Penzberger laut Anklage vor seiner Inhaftierung noch ein weiteres Delikt: Er habe Geld aus einer Kassette gestohlen, die die Großmutter seiner Freundin im Haus aufbewahrte. Rund 30 000 Euro sollen sich darin befunden haben. Der junge Mann ging damals in dem Haus seiner Freundin ein und aus, besaß auch einen Schlüssel. Beim Weißeln eines Zimmers entdeckte er die Geldkassette. Laut eigenen Angaben will er nur kurz hineingeschaut, aber kein Geld darin gesehen haben. Er widersprach hartnäckig dem Vorwurf, etwas gestohlen zu haben. Aber die Indizien belasteten ihn schwer. So fand man Spuren in der Kassette, die nicht von der Besitzerin stammten, sondern zu ihm gehörten.

Außerdem hatte der Angeklagte, der bis dahin permanent pleite war, laut Aussage einiger Freunde plötzlich Geld. Er habe sich eine Armaniuhr, teure Kleidung, eine Playstation, einen Fernseher gekauft, habe viele Geldscheine in seiner Börse gehabt und – gegen Barzahlung – einen gebrauchten BMW gekauft. Den will sich jedoch sein von Sozialhilfe lebender Vater mühsam erspart haben. Er sagte vor Gericht aus, dass er seit Jahren monatlich heimlich gespart habe für die Anschaffung eines Pkw. Das Geld will er in seinem Hochzeitsanzug versteckt haben. Eine „vollkommen lebensferne Geschichte“ in den Augen des Schöffengerichts. Der junge Mann erzählte seinen Freunden auf deren Nachfrage auch unterschiedliche Geschichten, woher er plötzlich so viel Geld habe. Einmal bekam er es angeblich von einem Onkel, ein anderes Mal will er eine Nachtarbeit gehabt haben.

„Wir haben keinen Zweifel, dass Sie der Täter sind“, sagte die Richterin. Die Summe der Indizien sei erdrückend. Als besonders massiv sah das Gericht den Vertrauensbruch des Penzbergers gegenüber der Familie seiner Freundin. Der Verteidiger plädierte dagegen im Fall des Diebstahls auf Freispruch, die Indizien seien zu vage. Das Gericht verurteilte den Mann am Ende nach dem Jugendstrafgesetz zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten – weit mehr als die von der Staatsanwältin beantragten 18 Monate. Die Höhe der gestohlenen Summe samt der Verkehrsdelikte und Vorgeschichte des Penzbergers führten laut Gericht zu dieser Strafe. Die Fahrerlaubnis wurde für weitere 16 Monate entzogen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Text: rwg

Rubriklistenbild: © dpa

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