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Auf den Stufen des kleinen Amphitheaters: Bernhard Kerscher. Der Gymnasiumsleiter geht in den Ruhestand.  Schörner

Rektor des Gymnasiums geht in den Ruhestand

Kerschers Abschied in stürmischen Zeiten

  • vonWolfgang Schörner
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Bernhard Kerscher hat viel in seiner Lehrerlaufbahn erlebt: Erdbeben, Vulkanausbruch, sogar einen Tsunami. Und jetzt, ausgerechnet in seinem letzten Schuljahr, auch noch die Corona-Pandemie. Einerseits erleichtert ihm das den Abschied, andererseits ist er „tiefunglücklich“. Ende Juli geht der Direktor des Penzberger Gymnasiums in den Ruhestand.

Penzberg– So stellt man sich sein letztes Schuljahr nicht vor. „Das ist wohl wahr“, sagt Bernhard Kerscher, Leiter des Penzberger Gymnasiums. Er sei „zutiefst unglücklich“ darüber, eine Schule zu übergeben, die wie „ein Schiff im Sturm“ steht. Andererseits erleichtere die Corona-Pandemie den Abschied. „Es macht keinen Spaß, eine Schule unter diesen Bedingungen zu leiten“, sagt er. Ein Schulhaus, in dem über Monate das Wesentliche gefehlt hat: die Jugendlichen.

Ende Juli geht Bernhard Kerscher (66) in den Ruhestand, nach vier Jahrzehnten als Lehrer, viele Jahre davon in Weilheim, wo er mit seiner Frau lebt. Seit 2015 ist er Direktor des Penzberger Gymnasiums. Lange Jahre unterrichtete Kerscher auch im Ausland: von 1982 bis 1998 im spanischen Barcelona, von 2007 bis 2012 im chilenischen Valparaiso. „Eine wichtige Erfahrung“, sagt er. Zum Beispiel, dass auch in anderen Ländern gute pädagogische Arbeit geleistet wird.

Bernhard Kerscher leitete fünf Jahre lang das Penzberger Gymnasium

Für die Corona-Pandemie stählten ihn womöglich ein paar andere Erfahrungen: in Chile ein Erdbeben, ein Vulkanausbruch, ein Tsunami und ein Lehrerstreik, in Barcelona die Bombendrohung eines Schülers. Nein, sagt Kerscher, Corona war etwas Neues – wegen der großen Verantwortung, die ein Schulleiter für die Einhaltung der Hygiene-Bestimmungen hat, was guten Gewissens schwierig sei. Das Hauptproblem sei gewesen, dass die Politik viele Dinge verkündet habe, die man nicht so schnell umsetzen konnte. Zum Beispiel, als die Politik erklärte, dass wegen Corona keiner durchfalle und corona-geschädigte Kinder eine spezielle Förderung erhalten, „ohne zu sagen, wer fördert und wer zahlt“.

Auch das mit dem Hygienekonzept war einfacher gesagt als getan. Mit Mühe habe er zwanzig Liter Desinfektionsmittel erhalten. Und für den 1,5-Meter-Abstand sei das Schulhaus „nicht unbedingt geeignet“. Auch wie Online-Unterricht ohne moderne Ausrüstung vonstattengehen sollte, blieb ungeklärt; noch dazu bei den strengen Datenschutzregeln. Da seien in der Öffentlichkeit zu hohe Erwartungen geweckt worden, sagt er. Andererseits hat Kerscher aber auch viel Lob parat, wenn es um die Schulfamilie geht: Er habe ein „sehr solidarisches Kollegium“, die Zusammenarbeit mit den Eltern habe hervorragend funktioniert. Und drittens: „Wir haben sehr liebe Schüler.“

Schulfamilie als Wertegemeinschaft

Diesen Eindruck hatte er bereits, als er vor fünf Jahren nach Penzberg kam. Er habe Glück gehabt, sagt Kerscher, eine Schule mit einem Kollegium übernehmen zu dürfen, in dem Einigkeit über die Grundwerte existiert und das sie vertritt, sowie einer großen Mehrheit an Eltern, die die Schule stützt. Das alles in einer Stadt, die sich mit dem Gymnasium identifiziere. Die Wertegemeinschaft habe sich am besten gezeigt in der Position der Schulfamilie zu „Fridays for Future“ und beim Besuch des Bundespräsidenten – damals gab es eine Demo gegen Pegida. Kerscher hinderte die Schüler nicht, daran teilzunehmen. Er drückt es so aus: Die Schule vermittle umfassende Allgemeinbildung. Die Konsequenz daraus sei, „eine umfassende Verantwortung für die Welt zu übernehmen“.

„Ein erfüllender Beruf“

Den Beruf des Lehrers würde Bernhard Kerscher jedenfalls wieder wählen – wegen der Liebe zu seinen Fächern Geschichte, Englisch und Ethik. Und wegen „der Freude, die man erlebt, wenn in junge Menschen etwas hineinwächst“ und „der Energie, die zurückkommt“. Was man bei Erwachsenen ganz selten habe. Es sei „ein erfüllender und auffressender Beruf“. Kann er loslassen? „Man muss aufpassen: Es lauert das Ehrenamt“, scherzt Kerscher. Nein, er weiß sich zu beschäftigen: Seit Februar sind er und seine Frau Großeltern, beide haben eine riesige Bibliothek daheim, der 66-Jährige singt im Chor. Und da wäre auch noch der Garten. Früher, sagt er, habe er Gartenarbeit spießig gefunden. Aber mit dem Stress eines Schulleiters habe er erkannt, „dass das wahnsinnig entspannend sein kann“.

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