Gönül Yerli aus Penzberg vertritt mit zwei Vorstandskollegen das „Haus der Religionen“ in München.
+
Gönül Yerli aus Penzberg vertritt mit zwei Vorstandskollegen das „Haus der Religionen“ in München.

Auftaktveranstaltung am 7. Juni

Religionen in einer Wohngemeinschaft - Penzbergerin ist eine der Köpfe des Münchner Projekts

  • vonWolfgang Schörner
    schließen

In München soll ein „Haus der Kulturen und Religionen“ eröffnet werden, in dem sich Christen, Juden, Muslime, Buddhisten und Angehörige anderer Religionen begegnen. Einer der Köpfe dahinter ist die Penzbergerin Gönül Yerli. „Ich bin sehr froh, dass ich das erleben darf“, sagt sie.

Penzberg – Den Plan, in München ein „Haus der Kulturen und Religionen“ zu schaffen, gibt es schon seit einigen Jahren. Ideengeber ist der katholische Religionswissenschaftler Martin Rötting. Er konnte dabei auf ein Netzwerk von Initiativen in München bauen, die sich für interkulturelle und interreligiöse Begegnungen einsetzen. Aus den Plänen wird nun langsam Realität. Am 7. Juni findet dazu eine Auftaktveranstaltung statt.

Die evangelische Nazarethkirche in Bogenhausen, die mit einer anderen Gemeinde fusioniert hat und den Standort aufgeben will, ist quasi die Keimzelle des Hauses. Neu ist die Idee nicht: „Häuser der Religionen“ gibt es unter verschiedenen Namen zum Beispiel in Stuttgart, Bern, New York und London. In Berlin wurde gerade eben der Grundstein für ein „House of One“ gelegt. Das besondere am Münchner Modell ist, dass ein Studentenwohnheim und ein Studiengang dazugehören sollen.

„Mir war es immer wichtig, in andere Religionen hineinzuspüren“

Einer der Köpfe hinter dem „Haus der Kulturen und Religionen“ ist die Penzbergerin Gönül Yerli. Sie vertritt mit Martin Rötting und dem Rabbiner Steven Langnas den Verein nach außen. Rötting hatte die Muslima gefragt, ob sie mitwirken will. Sie sagte Ja. Gönül Yerli ist islamische Religionspädagogin. Im Fernstudium studierte sie vier Semester katholische Theologie, weil es „mir immer wichtig war, in andere Religionen hineinzuspüren“. Vor drei Jahren schloss sie zudem ein Masterstudium in interreligiösem Dialog ab. Die 45-Jährige ist Vizedirektorin sowohl des islamischen Forums in Penzberg, das enge Kontakte zur katholischen und evangelischen Kirche am Ort pflegt, als auch des Münchner Forums für Islam. Ihr Mann Bayram sitzt für die SPD im Penzberger Stadtrat.

Der Dialog der Religionen ist für Gönül Yerli, die als Kind im Kirchenchor gesungen hat, schon immer Teil des Lebens. „Mir geht das Herz auf“, sagt sie über das Münchner Projekt – weil man sich „nicht mehr nur auf dem Podium trifft und nette Worte sagt, sondern sich wirklich geistig verwebt“. Sie habe nicht lange überlegen müssen, als sie vor vier, fünf Jahren angesprochen wurde, ob sie mitwirken will. Es sei für sie der nächste natürliche Schritt gewesen. „Ich bin sehr froh, dass ich erleben darf, dass man nicht im Dialog stehen bleibt, sondern es immer weiter geht.“

Haus der Religionen: Es soll kein Einheitsbrei entstehen

Gönül Yerli will das Münchner Projekt aber nicht missverstanden wissen. Es soll kein Einheitsbrei entstehen. Man wolle nichts abschaffen, sagt sie. Es gehe darum, voneinander zu lernen, spirituelle Erfahrungen zu teilen, „auch wenn wir unterschiedliche Glaubenswege haben“, sagt sie. Im Gespräch reflektiere man auch die eigene Religion, was wiederum den eigenen Glauben stärke. Gönül Yerli weiß allerdings auch, dass „nicht jeder gemacht ist für den Dialog der Religionen“, vielleicht aus Angst, den eigenen Glauben zu verlieren. Manche schotten sich deshalb ab vom Dialog, Der Reflektionsprozess sei anstrengend, sagt sie.

Das „Haus der Kulturen und Religionen“ in München soll, so der Verein, ein Ort der Begegnungen, des gegenseitigen Kennenlernens und des Miteinander-Feierns werden. Derzeit läuft die Pilotphase – in gebremster Form, weil Veranstaltungen wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden können. Gönül Yerli beschreibt es so: In dem Haus sollen die Religionen quasi wie in einer Wohngemeinschaft wohnen, mit all ihren Unterschieden, getragen aber von einem gemeinsamen Geist und verbunden durch gemeinsame Werte.

Zum Haus der Religionen: Pläne für Studentenwohnheim und Masterlehrgang

Ganz konkret soll auch ein Studentenwohnheim entstehen. Dafür kooperiert der Verein mit der philosophischen Hochschule in München. Ein Masterlehrgang in interreligiösem Dialog soll eingerichtet werden, wahrscheinlich 2022. Die Studierenden, die im Wohnheim leben, würden sich aktiv im „Haus der Religionen“ engagieren und später ihre Erfahrungen in ihre Länder mitnehmen, erklärt Gönül Yerli.

Wichtig ist ihr, dass sich dort nicht nur die drei großen monotheistischen Religionen, das Judentum, das Christentum und der Islam, begegnen, sondern auch andere große und kleine Religionen. Im Vorstand bereits vertreten ist der Buddhismus. Sie selbst, sagt die Penzbergerin, habe bisher sehr positive Rückmeldungen erhalten, auch von muslimischer Seite. Dort freue man sich, sagt sie, dass man ein Teil davon sei.

Zur Eröffnung des „Hauses der Kulturen und Religionen“ in München findet am Montag, 7. Juni, ab 18.30 Uhr eine Auftaktveranstaltung statt, die per Live-Stream auf Youtube verfolgt werden kann. Eine der Grußworte wird Gönül Yerli sprechen. Zu finden ist der Link auf „www.hdkrm.org

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare