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Rick Kavanian (l.) bei der Talkrunde mit Penzberger Gymnasiastinnen.

Rick Kavanian: Ich war kein Klassenclown

Rick Kavanian zählt zu den Großen der deutschen Comedy-Szene. Diese Woche war er am Gymnasium in Penzberg zu Gast.

Penzberg - An der Seite von Michael „Bully“ Herbig und Christian Tramitz brachte Rick Kavanian mit der „Bullyparade“ und dem Kinohit „Der Schuh des Manitu“ ein ganzes Land zum Lachen. Bis heute zählt die Parodie der Karl-May-Verfilmungen mit 11,7 Millionen Zuschauern zu den erfolgreichsten deutschen Kinoproduktionen. Kavanians Rollen als Esel verehrender Grieche Dimitri Stoupakis oder schwuler Astronaut Schrotty genießen Kultstatus. Eine Erfolgsvita, bei der wohl so manch einer die Bodenhaftung verlieren würde. Aber nicht Rick Kavanian.

In der Talkrunde des Penzberger Gymnasiums „Unter Tage – Nächste Frage“ zeigte sich der durch seine extrovertierten Figuren bekannte Star als geerdeter, freundlicher, ja, teilweise sogar sehr ernster und nachdenklicher Gesprächspartner. Seine Nahbarkeit stellt Kavanian am Dienstagabend bereits hinter der Bühne unter Beweis. Mit seinen beiden Gastgeberinnen Caro Baumeister (18) und Clara Dittrich (17) sitzt er für ein kurzes Begrüßungsgespräch in einem Klassenzimmer. Die zwei jungen Frauen wirken etwas angespannt. „Wir sind beide schon den ganzen Tag total nervös“, räumt Dittrich ein. Kurzer Hand erzählt Kavanian eine Anekdote. In der Nacht vor seinem ersten Solo-Auftritt sei er schweißgebadet und mit trockenem Mund aufgewacht. „Ich dachte, das überlebe ich nicht.“ Am Ende habe trotzdem alles wunderbar funktioniert. Sein Plan geht auf: Die Schülerinnen werden merklich lockerer. Kavanian versichert ihnen: „Ihr könnt mich wirklich alles fragen. Nehmt mich einfach wie euren Mitschüler.“

Passenderweise beschäftigt sich wenig später auf der Bühne ein großer Teil der Fragerunde mit der Schul- und Jugendzeit von Kavanian, der als Sohn armenischer Auswanderer in München aufwuchs. Seine Antworten überraschen. „Ich war kein Klassenclown“, sagt er. „Eher unauffällig. Fast schon langweilig. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich nicht mal einen Verweis bekommen habe.“ Auf seine spätere Berufung als Unterhaltungskünstler hätte man damals jedenfalls nicht schließen können. „Ein Referat zu halten, war für mich die Hölle.“ Auch war er zu der Zeit noch nicht Rick, sondern Richard. Erst als er mit 14 Jahren anfing, Basketball zu spielen – damals noch ein reiner US-Sport – entstand der „coolere Rufname“, wie er selbst sagt.

Dass Kavanian letztlich doch zu dem erfolgreichen Comedian wurde, der er heute ist, hängt sehr eng mit seinem besten Freund Michael „Bully“ Herbig zusammen. Er habe ihn wie kein anderer darin bestärkt, sein Komik-Talent auf die Bühne zu bringen. „Ohne ihn würde ich jetzt sicher nicht hier sitzen.“ Bei der Frage, wie es die Schüler auch einmal so weit bringen können, hält Kavanian kurz inne, bevor er antwortet: „Berühmt zu werden oder ein Star zu sein, sollte niemals euer Antrieb sein. Auch sollte es nicht darum gehen, dass ihr besonders viel Geld verdient. Es geht darum, das zu tun, was man tun möchte. Ihr sollt wirklich Lust darauf haben, Bäcker zu werden, bei der Stadt zu arbeiten oder es eben als Schauspieler zu versuchen.“ Durch Entwicklungen, wie das G8-Schulsystem befürchte er, dass sehr viel Druck auf der Jugend von heute liege. Selbst hatte er ein abgebrochenes Studium und eine längere Phase der Sinnsuche hinter sich, ehe er wusste, was er wirklich beruflich machen wolle. Er appelliert deshalb an seine jungen Zuhörer: „Lasst euch die nötige Zeit und den Raum auf dem Weg zu eurem Beruf.“

Ganz so ernst blieb es aber nicht die ganze Zeit. In kleineren Spielen bewies Kavanian zur Freude der Zuschauer seine Fähigkeit, innerhalb eines Wimpernschlages von einer Rolle in die nächste zu schlüpfen. Die beiden Nachwuchsmoderatorinnen entlockten ihm zudem dank ihrer ausgiebigen Recherche ein paar amüsante Geschichten. Etwa als er von seinen Nachbarn mit argwöhnischem Blick dabei beobachtet wurde, wie er sich zur Vorbereitung auf einen Auftritt in ein Frauenkleid zwängte. Von der Professionalität der beiden Schülerinnen war Kavanian sichtlich überrascht. „Woher wisst ihr das denn alles? Mann, ihr seid echt gut.“ Der Abend in Penzberg habe ihm große Freude bereitet. „Ich hoffe, ich konnte euch etwas von meinen Erlebnissen mitgeben und den einen oder anderen vielleicht in eine gewisse Richtung lenken.“

Text: Simon Nutzinger

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